Ubisoft: Far Cry 6 ist doch ein politisches Spiel

Max Doll
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Ubisoft: Far Cry 6 ist doch ein politisches Spiel
Bild: Ubisoft

Ubisoft-Spiele lassen sich in schöner Regelmäßigkeit als Kommentar zum Zeitgeschehen lesen. Watch Dogs Legions (Test) etwa kommentiert die Digitalisierung, Far Cry unter anderem Überlegenheitsdenken. Das kommende Far Cry 6 ist keine Ausnahme. Erstmals spricht hierbei Ubisoft selbst von einem politischen Spiel.

Alles ist politisch

Ein im öffentlichen Raum freigegebenes Medium ist immer auch ein Kommentar und Statement über die damit transportierten Werte, unabhängig davon, ob Vorstellungen des Konsumenten affirmativ bestätigt oder kritisch widersprochen wird. Frei davon kann nichts sein, nicht einmal Blockbuster wie Rambo oder Transformers: Im Grunde ist alles politisch, nur nicht in gleicher Auffälligkeit, ohne dass dies den Unterhaltungswert beeinträchtigt.

Spiele aber sollen, so die Vorstellung vieler Spieler, reine Unterhaltungsprodukte sein, Spaß machen und den Mund halten, eine Vorstellung, die zu bedienen Ubisoft besonders bemüht war. Obwohl viele Spiele des Publishers nicht nur realistische Szenarien aufboten, sondern offenkundig sogar Themen der Zeit aufgriffen, durften sie in offizieller Lesart keinesfalls politisch sein. Sie wurden als rein fiktionale Werke mit rein zufälligen Bezügen zur Gegenwart verkauft. Begründen lässt sich diese Haltung nicht auf Basis von Argumenten, sie ist vielfach und umfangreich immer wieder widerlegt worden.

Kursänderung

Die in ihrer steten Wiederholung im Angesicht ganz offensichtlich politisch sprechender Spiele immer absurder anmutende Beteuerung, nur apolitische Unterhaltung zu produzieren, hatte Ubisoft auch bei Far Cry 6 zunächst wiederholt. Die übliche Kritik folgte, zugespitzt von Kotaku in einem Artikel, der statt konkreter Namen nur Platzhalter enthält und so die stets gleich ablaufenden Diskussionen um neue Ubisoft-Spiele zu parodieren.

Von diesem Schema wird nun offen abgewichen. „Unsere Geschichte ist politisch“, lauten die ersten Worte eines Beitrages des Narrative Director des Spiels im Ubisoft-Blog. Es gehe im Spiel über Bedingungen, die zur Verbreitung des Faschismus führen, die Kosten von Imperialismus, Zwangsarbeit, LGBTQ+-Rechte und die Bedeutung fairer und freier Wahlen.

Keine einfachen Weisheiten

Deutlich macht Ubisoft nicht nur in diesen Aussagen, dass Far Cry 6 keine „vereinfachte, binäre politische Aussage spezifisch über die aktuelle politische Situation in Kuba“ enthalte. Versprochen wird im Gegenteil der Versuch, Revolutionen der Moderne in ihrer Komplexität einzufangen und aus unterschiedlichen Perspektiven zu schildern, wobei ernste Themen mit Humor verbunden werden.

Was davon übrig bleibt oder gelingt, muss das fertige Spiel beweisen. Diese neue Haltung lässt das Medium zumindest hier aber erwachsener wirken, weil sie einen neuen Diskussionsraum fördert, der bei Film und Literatur längst gängig ist: Neben der Unterhaltung den der Aussage.

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