App Store: NGO gibt Apple schlechtes Zeugnis beim Jugendschutz

Michael Schäfer
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App Store: NGO gibt Apple schlechtes Zeugnis beim Jugendschutz
Bild: Apple

Das NGO Tech Transparency Projects kritisiert den Jugendschutz in Apples App Store. Jugendliche könnten ohne Probleme nicht jugendfreie Inhalte installieren und nutzen – solange Eltern nicht selbst aktiv werden und Beschränkungen aktivieren, die unter iOS und iPadOS aber nicht immer leicht zu finden sind.

Zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Tech Transparency Projects, bei der 75 Apps aus dem US-App-Store getestet wurden, welche unter den populärsten Apps in den Kategorien Soziale Netze und Lifestyle aufgeführt werden.

Mit 14 Jahren bereits kompletten Zugriff

Für den Test erstellten die Experten das Konto eines fiktiven 14-jährigen Jugendlichen. Die Funktion zur Kindersicherung wurde dabei bewusst nicht genutzt, da diese standardmäßig deaktiviert ist und von den Eltern selbst eingerichtet und eingeschaltet werden muss.

Die Forscher kritisieren in ihrem Bericht vor allem, dass es für den Zugang zu für das Alter eigentlich ungeeignete Inhalte ausreichen würde, die von Apple eingeblendete Altersnachfrage abzunicken und damit zu bestätigen, dass der jeweilige Nutzer über 17 Jahre alt ist. Anschließend konnten Inhalte wie Chat- oder Dating-Apps, aber auch Glücksspiele und Applikationen mit pornografischen Inhalten aus dem App Store heruntergeladen und installiert werden – einschließlich der Anmeldung und Nutzung. Eine Kontrolle über das genutzte Konto fand im Hintergrund nicht statt, obwohl Apple das Alter des Nutzers bekannt war.

Keine Prüfung der Apple-ID

Aber auch die Anmeldung bei durch die Apple-ID geschützten Applikationen war laut dem Bericht möglich. Auch zu diesem Aspekt listen die Forscher eine Reihe von Apps und Diensten auf, bei denen dies uneingeschränkt möglich war. Bei anderen Apps, bei denen ein eigener Account angelegt und das jeweilige Alter selbst gewählt werden konnte, hatten minderjährige Nutzer ein noch leichteres Spiel – und auch hier erfolgte keine Überprüfung. Lediglich bei der Nutzung eines Facebook-Accounts blockierten die meisten Apps den Zugriff.

Schutz im Grunde nicht vorhanden

Aufgrund der Erkenntnisse sieht Tech Transparency Project einen Schutz für Minderjährige vor für diese nicht geeigneten Inhalten als nicht gegeben – schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass Apple immer wieder betont, dass der App Store ein sicherer Platz für Kinder sei. Es liege eher an dem Zutun der Eltern, die Kindersicherung zu aktivieren und einzurichten, damit ein Schutz überhaupt vorhanden ist. Dies setzt allerdings technisches Verständnis und Zeit voraus, denn so einfach lassen sich die Einstellungen nicht finden: Das Blocken von entsprechenden geschieht über den Menüpunkt „Bildschirmzeit“ und dort schon eher beiläufig im weiteren Verlauf der Einrichtung sowie auch nur mit diesem zusammen. Als Kindersicherung zu finden ist diese Funktion nicht.

Sicherheit immer wieder als Argument für den App Store

Damit begibt sich Apple aber in einen Widerspruch, denn gerade bezüglich des vor allem in der letzten Zeit in vielen Auseinandersetzungen angesprochenen „App-Store-Zwang“ auf iOS- und iPadOS-Geräten führt das Unternehmen immer wieder die Sicherheit sowie den Kinder- und Jugendschutz als eine der wesentlichen Argumente an.

Ein anderer Widerspruch lässt sich zudem in Apple aktuellen Vorgehen gegen Kinderpornografie erkennen. Seit das Unternehmen Pläne bekannt gegeben hat, Bilder vor dem Übertragen in die iCloud auf dem Gerät des Nutzers mittels Hash-Werte auf entsprechende Inhalte zu prüfen, wird die Kritik, der sich immer mehr Personen und Organisationen anschließen, und damit auch der Druck immer größer. Auch dieses Vorhaben wird mit dem Argument, Kinder und Jugendliche schützen zu wollen, gerechtfertigt. Die dafür angedachten Maßnahmen gehen deutlich über das hinaus, was der Konzern für eine bessere Durchsetzung des Jugendschutzes im App Store unternehmen müsste.

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