Bowflex Max Trainer M9 im Test: Die integrierte JRNY-App und Netflix auf dem Max Trainer M9

 2/3
Frank Hüber
59 Kommentare

Die integrierte JRNY-App

Um integrierte Trainingsprogramme und eine starre LED-Anzeige, die sich nicht anpassen lässt, muss man sich anders als beim Max Trainer M8 beim Max Trainer M9 keine Gedanken mehr machen. Was beim M8 das über Bluetooth verbundene Tablet ist, ist beim M9 das integrierte Konsolendisplay. Es ersetzt aber nicht einfach nur das optionale Tablet des Nutzers beim M8, sondern Bowflex hat die Verzahnung zwischen beiden Elementen weiter erhöht. Die angezeigten Daten während des Trainings können auf dem M9 nicht nur angepasst werden, sondern die Trainingsleiste kann auch über andere digitale Inhalte von Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video gelegt werden, so dass sie sich parallel nutzen lassen. Zudem übernehmen erste Inhalte nun die Steuerung des Geräts, was beim M8 mit eigenem Tablet nicht funktionierte.

Doch der Reihe nach, denn nach der Inbetriebnahme gilt es zunächst die einzelnen Bereiche der JRNY-Oberfläche zu verstehen. Neben dem Benutzerkonto und dem Zugriff auf die Lautstärkesteuerung und das Bluetooth-Menü im oberen Bereich stehen dabei die verschiedenen Trainingstabs im Mittelpunkt. Sie sind unter dem Punkt „Workouts“ zusammengefasst, der über die drei Tabs am unteren Rand des Displays zugänglich ist. Das Journal und der Tab „Profile“ zeigen hingegen den Trainingsverlauf und persönliche Nutzerdaten an.

Just for you

Der Nutzer startet nach dem Einschalten im ersten von sechs Workouts-Tabs, dem Bereich „Just for you“. Als neuer Nutzer kann man hier zunächst einen Fitnesstest absolvieren, auf dem aufbauend der M9 passende Trainingsvorschläge gibt. Hierfür nutzt Bowflex einen digitalen Trainer, der mittels KI-Algorithmen aus den Daten aus dieser Eingangsbewertung und den letzten Trainingseinheiten Vorschläge für die nächsten Trainingseinheiten erstellt. Im Laufe der Zeit werden die vorgeschlagenen Trainingseinheiten deshalb immer länger und anspruchsvoller, wie ComputerBase am eigenen Leib erfahren musste.

Genau diese individuellen Trainingsvorschläge der JRNY-Plattform finden sich im Tab „Just for you“ wieder. Die Vorschläge können dabei aus jedem Trainingsformat der JRNY-Plattform bestehen, also aus normalen Programmen, Videos mit Trainern oder Explore-the-World-Strecken. Sie orientieren sich aber auch daran, welche Trainingsformate der Nutzer sonst am häufigsten nutzt.

Programs

Hinter „Programs“ verbergen sich hingegen die klassischen Trainingsprogramme der Max Trainer, bevor Bowflex sie um Videos und App-Anbindung erweiterte. Der Nutzer kann aus Programmen mit einem oder ohne einen virtuellen, sprachgeführten Coach wählen und sie nach Dauer und Stil filtern. Ein Profil des Workouts zeigt, wie der Widerstand im Laufe des Trainings angepasst werden soll: das Trainingsprofil. Man kann also selbst wählen, ob man heute einen flachen Verlauf bevorzugen, dem klassischen Treppenmuster folgen oder sich nur einer zunehmenden Steigung stellen möchte.

Rund 125 Workouts stehen in dieser Kategorie derzeit zur Verfügung. Da die meisten davon aber adaptiv sind, sind es theoretisch unbegrenzt viele, weil sie sich dem Trainingsstand des Nutzers immer wieder anpassen. Ein vor einigen Wochen absolviertes adaptives Trainings hat später somit nicht mehr dieselbe Intensität.

Die Standardanzeige bei diesen Programmen entspricht der LED-Anzeige des Max Trainer M8, zeigt also die Trainingsdauer, das Trainingsprofil, den aktuellen Kalorienverbrauch pro Minute, den maximalen Kalorienverbrauch und den angestrebten Zielkalorienverbrauch. Details zu den Anzeigen lassen sich im Test zum Max Trainer M8 nachlesen.

Explore the World mit automatischer Widerstandsanpassung

Hinter „Explore the World“ verbergen sich Trainingsprogramme auf weltweit aufgezeichneten Strecken, die während des Trainings durchlaufen werden. 88 internationale Strecken stehen dem Nutzer zur Verfügung, wobei diese Kategorie eine der interessantesten Neuerungen des Max Trainer M9 bereithält: Auto-Adjust-Workouts!

Hinter Strecken mit dem Hinweis „Auto Adjust“ verbergen sich Trainingsvideos, bei denen der zwanzigstufige Widerstand des M9 automatisch an die Videovorgaben angepasst wird. Der Nutzer muss nicht mehr selbst den Widerstand anpassen, wenn er sich in der Statusleiste des Videos ändert, sondern Bowflex hat den Streckenverlauf analysiert und die Widerstandseinstellung an der jeweiligen Stelle wird automatisch übernommen. Das ist für den Nutzer ein enormer Komfortgewinn, da man sich beim Training nicht immer wieder kurz auf die Widerstandseinstellung konzentrieren muss, sondern einfach das Training durchläuft. Auf den Strecken, die bislang über diese Funktion verfügen, funktioniert die automatische Anpassung nicht nur reibungslos, sondern ist auch passend zur Strecke gewählt – bei einer Steigung wird es schwerer, bergab kann man etwas entspannen.

Bowflex hat diese Funktion derzeit exklusiv auf den Max Trainer M9 gebracht. M6 und M8 können sie derzeit nicht nutzen. Dass die automatische Widerstandsanpassung über ein Update auch für die alten Geräte über das Tablet des Benutzers kommt, ist aber nicht ausgeschlossen, wie Bowflex gegenüber ComputerBase erklärt.

Die noch beim Max Trainer M8 kritisierte Integration von „Explore the World“ (ETW) in JRNY hat Bowflex somit aber auch vollständig vorgenommen. Absolvierte Trainingseinheiten in ETW werden in den Trainingsverlauf aufgenommen und ETW ist kein losgelöstes, ausgelagertes Angebot mehr, sondern fester Bestandteil der Plattform. Auch der Probleme des starken Ruckelns des Videos in Kurven hat sich der Hersteller angenommen und sie abgestellt. Zudem passt die Geschwindigkeit, mit der die virtuellen Strecken durchlaufen werden, nun besser zur Trainingsintensität des Nutzers auf dem Max Trainer.

Videos ohne automatische Anpassung

Der Tab „Videos“ hält die von Trainern geführten Workouts vor, von denen Bowflex seit dem Test des M8 einige hinzugefügt hat. Für die Max-Trainer-Serie gibt es so derzeit 125 Video-Workouts mit Trainern. Alle Video-Workouts für den Max Trainer stehen sofort ab Kauf zur Auswahl. Es kommen also keine schwereren hinzu, wenn man häufiger trainiert und Fortschritte gemacht hat. Für die verschiedenen Max Trainer stehen zudem dieselben Video-Workouts zur Verfügung, hier gibt es bislang keine Unterscheidung anhand der Geräte.

Die Video-Workouts mit Trainern sind zwar generell gut umgesetzt, allerdings zunehmend steril, da Bowflex inzwischen auf farbige Hintergründe setzt, während alte Videos beispielsweise noch in einer Halle durchgeführt wurden. Das setzt zwar farbliche Akzente, aber eine Umgebung etwa in einem Fitnessstudio stünde den Videos durchaus gut zu Gesicht. Zudem zeigt Apple Fitness+ (Test), dass ein solches Trainingsvideo durchaus davon profitieren kann, wenn mehrere Trainer das Training parallel absolvieren und miteinander interagieren – gerne auch etwas weniger überschwänglich als bei Apple.

Bowflex Max Trainer M9: Einrichtung und Oberfläche

Der größte Kritikpunkt an den Video-Workouts mit Trainern und zudem auch dem gesamten Max Trainer M9 liegt aber darin, dass die automatische Widerstandsanpassung aus „Explore the World“ noch nicht auf die Trainervideos übertragen wurde. Denn in den Trainingsvideos sagen die Trainer immer wieder an, auf welchen Widerstandswert man den Max Trainer stellen soll. Da JRNY und Max Trainer aneinander gekoppelt sind, ist eine identische Einstellung möglich und man absolviert genau das Training, das auch der Trainer durchläuft – anders als bei Apple Fitness+, bei dem Trainer und Nutzer eben gerade nicht identische Geräte nutzen. Die Ansagen der Trainer zum Widerstand muss der Nutzer bislang aber immer selbst auf dem Max Trainer M9 einstellen, eine automatische Anpassung erfolgt nicht. Bowflex sollte sich hier die Mühe machen und ein Mal alle Trainervideos durchgehen, um entsprechende Metadaten zur automatischen Widerstandsanpassung einzupflegen – so wie Apple es bei Fitness+ beim Einblenden der Herzfrequenz und Ringe gemacht hat, die immer passend zu den Ansagen der Trainer hervorgehoben werden. Dass es technisch möglich ist, steht außer Frage – das hat Bowflex mit „Explore the World“ bewiesen. Für den Nutzer entfällt dann der Griff zum Drehknauf, um den Widerstand anzupassen, was den Rhythmus immer leicht stört.

Bowflex könnte eine automatische Anpassung in den Trainer-Workouts zudem überschreibbar machen, so dass der Nutzer auch innerhalb eines Workouts jederzeit manuell einen höheren oder niedrigeren Widerstand wählen kann, wenn ihm das Training zu schwer oder zu leicht ist. Und ein einmaliges Tippen auf die Widerstandsanzeige auf dem Display könnte die automatische Anpassung für das Workout jederzeit komplett ausschalten.

Wenn Bowflex hier die Verzahnung mit der Maschine auch in den Videos überführen könnte, wäre das ein echter Pluspunkt – auch im Vergleich zu Angeboten wie Apple Fitness+ –, da der Hersteller Trainingsgerät und Videos aus einer Hand liefert.

Denn beim Max Trainer M9 gilt ebenso, zumindest subjektiv, dass die Video-Workouts mit Trainern die motivierendste Kategorie sind, mit der das Training am meisten Spaß macht.

Favorites

Aus den drei zuvor genannten Kategorien lässt sich jedes Video als Favorit markieren. Die so markierten Programme, Strecken oder Video-Workouts landen dann in dem Favoriten-Tab, um sie in Zukunft schnell wiederzufinden.

Bowflex Max Trainer M9: Oberfläche
Bowflex Max Trainer M9: Oberfläche

Learn

Im Tab „Learn“ sind hingegen Videos hinterlegt, die die Plattform und das Gerät erläutern. Im Alltag greift man auf sie nicht mehr zurück.

Zwei Radioprogramme von Bowflex

Abseits der Möglichkeit, eigene Musik über ein gekoppeltes Gerät auf dem M9 wiederzugeben, kann während der Trainingsprogramme, Video-Workouts und Explore-the-World-Strecken auch der integrierte Musikdienst von Bowflex genutzt werden, wobei der Nutzer zwischen zwei Radioprogrammen wählen kann (EDM und Pop). Die Lieder in diesen Radioprogrammen sind so ausgewählt, dass sie zum Training passende Beats pro Minute aufweisen. Zudem können einzelne Stücke mit einem „Like“ oder „Dislike“ versehen werden, was die zukünftige Musikauswahl der Plattform für den Nutzer beeinflusst, um sich dessen Geschmack anzupassen.

Serien und Filme von Netflix, Disney+ und Prime Video

Und wo verstecken sich die beworbenen Streamingdienste, die man während des Trainings nutzen können soll? Sie kommen erst ins Spiel, wenn man im Tab „Programs“ ein Training auswählt, also einen Inhalt abseits von „Explore the World“ oder den Trainervideos, die selbst ein Video einblenden. Diese adaptiven Programme erlauben beim Starten die Auswahl eines Streamingdienstes, um sie mit einer Serie oder einem Film zu untermalen. In Deutschland kann aktuell zwischen Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video gewählt werden.

Bowflex Max Trainer M9: Einrichtung und Oberfläche
Bowflex Max Trainer M9: Einrichtung und Oberfläche

Wird einer der drei Dienste zum ersten Mal ausgewählt, muss man sich mit seinem Benutzerkonto beim jeweiligen Anbieter anmelden – ein Abo/Konto für die einzelnen Dienste ist somit Voraussetzung, um sie zu nutzen. Die Ansicht gleicht dabei der jeweiligen App auf einem Android-Tablet. Man kann auf alle Inhalte der drei Anbieter zurückgreifen, auch auf gekaufte Inhalte bei Disney+ und Prime Video.

Trainingsleiste überdeckt Eingabefelder

Das Trainingsprogramm und die Trainingsdaten rücken deutlich in den Hintergrund. Eine dünne Leiste im unteren Bereich ist über die Apps gelegt. Dies ist fast immer unproblematisch, bei der Eingabe der Benutzerdaten bei den Diensten kann die Leiste aber genau über der Tastatur liegen und wichtige Tasten verdecken. Mit viel Fingerspitzengefühl kann man sich hier aushelfen und die richtigen Tasten trotzdem drücken. Wenn man die Leiste über die Einstellungen auch am oberen Rand positionieren könnte, ließen sich solche Probleme jedoch besser umgehen.

Die Trainingsleiste während der Serien- und Filmwiedergabe zeigt folgende Daten an:

  • Zeit: Gesamtdauer des Trainings
  • Intervall: Das aktuelle Intervall und die Gesamtzahl der Intervalle
  • Kalorien: Gesamtkalorienverbrauch im aktuellen Training
  • Burn Rate: Aktueller Kalorienverbrauch pro Minute
  • Heart Rate: Herzfrequenzanzeige der Handsensoren oder eines verbundenen Gurtes
  • RPM: Aktuelle Pedalgeschwindigkeit in Umdrehungen pro Minute
  • Resistance: Derzeit gewählter Widerstand

Eine Widergabe der Streamingdienste ohne ein Training zu starten, ist jedoch nicht möglich – angesichts des fest installierten Displays am M9 aber ohnehin nicht sinnvoll.

Gelegentlich blitzt Android durch

Es gibt ein paar Stellen auf dem JRNY-Launcher des M9, bei denen das darunterliegende Android durchblitzt und man versuchen kann, den Launcher zu verlassen. Dies war etwa bei der Lautstärkeanpassung der Fall, wenn man nicht nur den Regler bedient, sondern versucht wurde, das Menü zu öffnen. Das Anklicken des Menüs führte zu einem Neustart des gesamten Geräts. Bowflex sind diese Probleme bekannt und gegenüber ComputerBase wurde versichert, dass man an ihrer Behebung arbeite. Dass es regelmäßig Software-Updates gibt, kann ComputerBase bestätigen. Der Absturz über das Lautstärke-Menü war so zum Ende des Tests bereits behoben.

Etwa bei der Eingabe über die On-Screen-Tastatur lässt sich das System aber noch mit einem Klick auf das Zahnrad und dem kurz darauf eingeblendeten Menü für die Einstellungen der Tastatur zum Absturz bringen.

JRNY-App mit vielen Workouts abseits der Geräte

Bowflex hat die JRNY-App in den letzten Monaten zudem sukzessiv um weitere Trainingsarten ergänzt, die nicht an den Max Trainer oder ein Laufband des Unternehmens gekoppelt sind. Bei diesem freien Training ohne Geräte werden beispielsweise Yoga, Pilates und Krafttraining in geführten Video-Workouts geboten. Dieser Bereich soll auch künftig weiter ausgebaut werden und steht allen Abonnenten der App zur Verfügung. Die Video-Workouts zum Max Trainer und zu den Laufbändern sind hingegen immer an den Erwerb eines passenden Geräts gekoppelt und werden in der App überhaupt erst sichtbar, wenn man ein passendes Gerät für die Übungen besitzt.

Bowflex Max Trainer M9: Oberfläche
Bowflex Max Trainer M9: Oberfläche

Auf dem Max Trainer M9 sind dabei nicht nur die Programme und Workouts für den M9 selbst sichtbar. Nachdem die „Whole-Body-Workouts“ aus der JRNY-App zum Beginn des Tests am unteren Ende der Workouts für den M9 angezeigt wurden, sind sie inzwischen in einen eigenen Tab je Kategorie gerutscht, wobei dieser nur bei den Videos auch mit entsprechenden Inhalten gefüllt ist. Insgesamt rund 260 Video-Workouts stehen in dieser Kategorie mittlerweile zur Verfügung, das Angebot ist also durchaus umfangreich.

Über den Sinn oder Unsinn davon kann man allerdings streiten, da das Display des M9 nicht verstellt oder abgenommen werden kann. Hantel-Training in der Nähe des M9 mag sich so noch mit Blick auf das Display durchführen lassen, Yoga auf einer Trainingsmatte ist aber nicht sinnvoll möglich.

Synchronisation zwischen Max Trainer M9 und Health-Apps

Wie beim Vorgänger werden Trainings, die auf dem M9 absolviert wurden, automatisch in die JRNY-App übertragen, so dass man sie auch jederzeit auf dem Smartphone oder Tablet einsehen kann. Wird ein Training abseits des M9 auf dem Tablet durchgeführt, wird es ebenfalls in das Journal eingepflegt. Die Historie ist somit auf allen Geräten stets abgeglichen. Ergebnisse lassen sich über die App auch mit Freunden teilen.

Datenaustausch mit Apple Health und Google Fit

Weiterhin problemlos funktioniert zudem der automatische Datenaustausch mit Apple Health. Ein auf der JRNY-Plattform absolviertes Training wird auch in Apple Health angezeigt, wenn man beide Plattformen koppelt und den Datenaustausch gewährt. Die Apple Watch kann aber weiterhin nicht als Lieferant für die Herzfrequenz während des Trainings dienen.

Neben Apple Health können die Trainingsdaten über die JRNY-App auch mit Fitness-Apps wie Under Armour, My Fitness Pal und Google Fit synchronisiert werden.