Natürlich .... was ist für den Menschen "natürlich"?
Ist es das romantisierende Bild, wlches wir uns gerne von den Jäger und Sammler Kulturen machen?
Wenn ja, dann sollte doich klar sein, dass diese "Natur" uns abhanden gekommen ist (zumindest n den hochentwickelten Industrienationen).
Für diese Art des Lebens fehlt uns sehr sehr sehr viel Wissen. Wie baut man ein Haus mit den Dingen, die man im Wald findet? Wie baut man das nötige Werkzeug (ebenfalls aus Dingen, die man im Wald findet)?
Bei vielen, die ein "natürliches Leben" fordern habe ich das Gefühl, dass ihnen überhaupt nicht klar ist, was das bedeuten würde.
In diesem Leben wäre NICHTS einsetzbar, was man in einem Geschäft kaufen kann ... Internet, Telefon ... no way ... Strom ... Solar, Windkraft kann man ja eigentlich fasst überall nutzen (Wasserkraft nur an Gewässern), WENN man das know how UND die ressourcen zur Verfügung hat, um diese anlagen zu bauen und zu betreiben.
Die moderne durchtechnolöogisierte Lebensweise ist auf "natürliche" Weise für die allermeisten von uns nicht umsetzbar (wahrscheinlich für keinen).
Allein schon die Gesundheit ... welche Pflanzen kann ich essen, welche Kombinationen sind schädlich (durch chemische Reaktionen), und was hilft gegen Vergiftungserscheinungen ... schon die Information, woher die Erscheinungen kommen, können huete viele menschen nur spekulativ angeben (ich glaube, ...).
Und selbst, wenn dies umsetzbar wäre, in Deutschland gibt es seit Ende des Gemeindelands (Acker und Waldflächen zur allgemeinen Nutzung - kein Privatbesitz) keinen Quadratzentimeter Land, auf dem man so leben könnte ... denn dieses "natürliche" Leben braucht nunmal Platz ... und in einer Welt des Privateigentums kostet das Geld, welches sich aus diesem Natürlichen leben nur schwer generieren lässt.
Wir haben "natürlich" schlicht und ergrefend verleernt, weil es seit Jahrhunderten (oder -tausenden) einfach nicht mehr nötig war ... je speziaisierter unsere Gesellschaft wurde, desto weiteer hat sie sich nicht nur von diuesem romantischen Ideal "natürlichkeit" verabschiedet, sondern desto unmlöglicher wurde auch ein Rückkehr.
Wir haben es schlicht verlernt, natürlich zu leben ... und ich denke, dass die Forderung wohl eher daraus entsteht, dass man etwas anderes für natürklich hält.
Nichts von dem, was Menschen heute tun (und wie sie es tun) ist wirklich natürlich ... auch die ganzen Vorzüge des modernen Lebens sind unnatürlich.
Wenn ich über Vögel oder Ratten nachdenke, dann denke ich auch öfter mal, wie gut die Viecher es doch haben ... klar, sie müssen auch zusehen, dass sie was zu futtern bekommen, aber das liegt allein in ihrer eigenen Verantwortung ... die Futtersuche ist darauf ausgelegt, so viel Futter heranzuschaffen, dass das Überleben gesichert ist ... und hier unterscheidert sich das doch sehr von menschlicher Arbeit, denn die ist nicht auf "genügend" ausgelegt, sondern immer auf "so viel wie möglich ... lieber noch etwas mehr".
Und in diesem Bezug, ist unsere Arbeitswelt tatsächlich unnnatürlich, denn bei Tieren ist die arbeit beendet, wenn der Magen gefüllt ist ... der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches weit über diesen Zustand hinaus arbeitet, und das für normal hält.
Die Kehrseite eines natürlichen Lebens ist aber die absolute Unsicherheit ... denn bei jedem Spatzen, Wolf oder Hirsch ist klar, dass das Leben von jetzt auf gleich beendet sein kann ... auch ein Mensch muss in der Natur damit rechnen, dass ein anderes Tier in ihm kein "intellektuell überlegenes Wesen" sieht, sondern einfach eine Mahlzeit. Bären machen vielen von uns schon Angst, wenn sie eine Schrotflinte dabei haben ... "natürlich" wäre das eher ein spitzer Stock ... Lust auf einen "infight" mit mehreren hundert Kg Bär?
Ich weiß, dass ich kein "natürliches" Leben führen kann ... da kann mir auch egal sein, ob ich das gerne könnte .... denn mit diesem "möchte gerne" bekomme ich kein Essen in den Topf, was mich nicht umbringt (schon der Topf ist ein Problem), kein dichtes Dach über dem Kopf (von vernünftigen Wänden ganz zu schweigen) und wenn sich irgendwie mal was entzündet, wüsste ich nichtmal, welche Pflanzen entzündungshemmend wirken (gut, Kamille würde ich schon finden) ... mein Kräuterwissen reicht lang nicht aus, um auf mich allein gestellt in der Wildnis zu überleben.
Und wenn das Internet "widernatürlich" ist, dann kann Google eben auch nicht weiterhelfen, wenn man auf "widernatürliches" verzichten will ... das ist ein "Life-Hack" der in der Wildnis NICHT zur Verfügung steht.
Am Ende noch was zu benutzten begriffen:
"Widernatürlich" ist so ziemlich das übelste Normativ, was die Diskursgeschichte kennt. Es gaukelt die Erkenntnis des "natürlichen" vor und dient lediglich der herabwürdigung eines Zustandes, dem man das Etikett "widernatürlich" gibt.
Homosexualität gilt vielen noch heute als widernatürlich ... teilweise werden einzelne sexuelle Orientierungen sogar als pathoogische Störung betrachtet .... ursprünglich wohl, weil irgendwo in der Bibel stellen so interpretiert werden konnten ... als die Kirchen in Europa an Bedeutung verloren, haben dann die neu entstandenen Wissenschaften den Faden aufgenommen ... und aus einer Straftat (homosexueller Sexualakt) aufgrund "widernatürlicher" (nicht gottgefälliger) Neigungen wurde ein Krankheitsbild .... eine pathologisxche Störung ... in dieser Kategorie taucht Homosexualität in den ersten zwei DRM's der APA auf, nach der jahrelang weltweit psychische Erkrankuingen diagnostiziert wurden.
Der "Fortschritt" bestand in dem Fall darin, dass man nun nicht mehr die Handlung problematisierte (für die wurde im 16. Jahrhundert einfach hingerichtet), sondern die "veranlagung" zu ihr ... für die veranlagung kann man zwar niemanden hinrichten, aber lebenslang wegsperren und allen möglichen Therapien aussetzen.
Im 16 Jahrhundert hatten Richter und Henker durch Homosexalität ab und zu mal ein bisschen arbeit ... nach der wissenschaftlihen Aufarbeitung" als Störung konnten davon ganze Heere von Psychoanalytikern, Pflegern, und Schließern von leben, dass ein paar Menschen eben "gegen den willen Gottes" handeln möchten.
Aus einer situativen Zuwiderhandlung eines Menschen haben die aufstrebenden Wissenschaften "Medizin" und "Psychologie" einen "Defekt des Individuums" gemacht.
Sigmund Freud wurde scghwer angegangen, weil er Schriften widerrufen sollte aus denen eine nicht gebundene menschliche Sexualität abgeleitet werden konnte ... denn es hätte der Rethorik des widernatürlichen die Basis entzogen, wenn man sich hätte eingestehen müssen, dass sexuelle Energie zunächst nicht an etwas bestimmtes gebunden ist.
Das dumme ist nur, dass es sich bei diesen Schriften eigentlich um die Grundlagen der Psychoanalyse handelte.
Mal als Quelle, bevor mir wieder vorgeworfen wird, ich würde das als meins verkaufen wollen.
Die Geschichte der Homosexualität und des Diskurses um sie ist von Michel Foucault in seinem werk "Sexualität und Wahrheit" engehend betrachtet worden ... daraus stammen im großen und ganzen auch meine Gedanken dazu (nicht nur, aber zu einem großen Teil).
"Widernatürlich" soll nur eine Verhaltensweise, die man selbst nicht zeigt, als etwas schlechtes darstellen, und damit allem anderen eine höhere Wertigkeit zuweisen.
Ähnliche Vokabeln sind "entartet" oder "unwert" ... auch sie dienen nur dazu, einen Unterschied zu betonen und ihn dabei zu überhöhen. Diese Begriffe dienen der Wertsteigerung des eigenen Verhaltenscodizes ... denn in Absetzung zu den Verhaltensweisen oder Handlungen, die man als widernatürlich, entartet oder unwert bezeichnet, sind die eigenen Handlungen natürlich mit den geichen adjektiven ohne negativ-Präfix (wider-, un-) zu beschreiben ... man verhält sich aber nicht deswegen "natürlich", "artig" oder "wert", nur weil man anderen Verhaltensweisen diese abwertenden Etiketten verpasst.
Das hier ist das Reich der Werte ... und hier gibt es kein "gut" oder "schlecht" .... nur Willkür und gesellschaftliche Übereinkünfte.