Tomislav2007 schrieb:
Ich wiederhole mich: Bei 100€ Ramschartikeln vergleichen die Menschen stundenlang Preise im Internet, durchwühlen mehrere Portale und fragen Freunde, aber bei Ärzten klappt das nicht ?
Eventuell hat das damit zu tun, dass Ärzten noch mehr Vertrauen entgegengebracht wird ... ausserdem hat es der Arzt im Gegensatz zu einem Händler viel öfter mit echter Not zu tun ... jemand der einen 100,- Ramschartikel stundenlang mit anderen Angeboten vergleicht, und sich eventuell erst nach Tagen für ein Angebot entscheidet, der braucht diesen Artikel offensichtlich nicht so dringend, wie der Patient die Behandlung akuter Beschwerden.
Du vergleichst also Äpfel mit Birnen.
Die Forderung nach Kontrolleuren ist eine allgemeine gewesen ... sobald etwas geregelt wird (egal wie) muss die Einhaltung der Regeln kontrolliert werden, solange es die Menschen nicht von selbst schaffen, sich dran zu halten.
Nimm die Kontrolle aus dem Hartz4-System und du hast ein BGE ... mit all den Problemen, die man darin sehen mag.
Deswegen habe ich den Konjunktiv benutzt ... man "bräuchte" Kontrolleuere, genau wie man mehr Polizei bräuchte, um Verstöße gegen unsere Gesetze aufzuklären oder einfach öfter entdecken zu können.
Genu in die Richtung eghen auch die letztlichen gedanken zu Betrug. Wenn man genau drüber nachdenkt, und dabei berücksichtigt, dass es (auf Grund von Kontrollmangel) die Möglichkeit des Betrugs gibt, dieser auch profitabel sein kann, dann wäre es vom Standpunkt des Einkommens her "dumm" diese Möglichkeit nicht auch zu nutzen.
Viele Menschen wissen das offensichtlich, und bringen daher dem Gegenüber ein gehöriges Maß an Misstrauen entgegen ... denn von einem Betrug zu profitieren ist nahezu allen Menschen weitaus lieber, als durch ihn Nachteile zu erleiden.
Eine Falsche Abrechnung an der Supermarktkasse ... und dann bekommt man auf einen Fünfziger Wechselgeld, obwohl man mit einem Zwanziger bezahlt hat. Du kannst mir glauben, dass es schon ein bisschen Überwindung kostet, das zu korrigieren ... gerade wenn man ständig in dem Bewusstsein lebt, dass das Geld knapp ist.
Bisher habe ich das meist getan ... aber theoretisch könnte ich mich ja auch auf den Standpunkt stellen, dass es ja nicht mein Problem ist, wenn die Kassiererin einen Fehler macht ... das Geld in der Tasche fühlt sich nämlich auch ganz gut an.
Kein Betrug, aber eine Situation die zeigt, wie man praktisch ständig zwischen sich bietenden Möglichkeiten
und dem kant'schen Imperativ hin und her gerissen wird ... nicht weil man Böse ist, oder ein Betrüger, sondern einfach weil man einen Vorteil aus der Möglichkeit ziehen kann.
Die Gesetze sind lediglich die willkürliche Festlegung der Grenze, jenseits der es dann nicht mehr OK ist, diese Möglichkeiten auch tatsächlich zu nutzen. Zwischen "legal" (gesetzlich erlaubt) und legitim gibt es einen gewaltigen Unterschied ... und ob man sich betrogen fühlt, oder nicht, das hat mit einem eventuellen Richterspruch in der Sache nicht zwingend was gemein. Recht und Gerechtigkeit sind zwei paar Schuhe.
Am Dieselskandal kannst du aber wunderbar sehen, warum es auch Betrug sein kann, wenn es scheinbar im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten passiert ... den deutschen Prüfkriterien hat die Betrugssoftware standgehalten, auch weil die Betrugssoftware eben auch auf die Gesetze abgestimmt wurde ... leider nur auf die Bestimmungen der EU.
Nochmal. Ich halte nicht alle Kapitalisten für Betrüger. Wenn es hoch kommt, dann kann ich vielleicht 10% davon dieses Etikett geben ... mindestens 90% der arbeitenden Bevölkerung ist ehrlich (manche sogar in fast ungesundem Ausmaß), aber die wenigen Betrugswilligen machen eben auch was mit denen, die einfach nicht betrogen werden wollen.
Das du so gegen Hartz4-Empfänger wetterst kommt ja auch nicht von irgendwo her, sondern dürfte was damit zu tun haben, dass es in dem Bereich eben Betrugsfälle (Sozialschmarotzer) gibt ...
Ich behaupte nur, dass es die in allen Gesellschaftsschichten gibt (die Betrüger, bei den Sozialschmarotzern bin ich mir unsicher) ... nicht viele, aber genug für ein generelles gegenseitiges Misstrauen bei JEDEM Geschäft ..
Wegelagerei war ein zu harter Begriff ... im Grunde ist es wieder ein utopischer Wunsch nach Wahrhaftigkeit, die die eigenen ethischen Werte nicht einem Profit- oder Wohlstandsstreben unterordnet, und mit diesen beiden letztlich jedes Mittel heiligt .. inklusive Betrug, Mord u.s.w..
In seiner eigenen Perspektive dürfte sich wohl jeder Drogendealer als Geschäftsmann sehen ... sein Geschäftsmodel ist nur leider illegal, aber das ist eher ein marginaler Unterschied (auch wenn er dich in den Knast bringen kann).
Du wirst doch auch nicht müde, standhaft zu behauoten, es wäre dumm, nicht alle Möglichkeiten unseres System zu nutzen, so gut man eben kann.
Betrug ist eine dieser Möglichkeiten -> also wäre es wohl auch dumm, nicht zu betrügen, wenn man glaubt, das straffrei und unentdeckt tun zu können.
Ich Betrüge nicht, weil ich nicht betrogen werden möchte (einfachste Form des kant'schen Imperativ: "Was du nicht willst, das man dir tu ...." oder auch "wie man in den Wald ruft ..."), aber auch ich rechne bei nahezu jedem Geschäft mit einem Betrugsversuch und damit, dass nur ICH ein Interesse daran habe, das zu vereiteln.
Zum Beispiel (Omas Fernseher). Ein Betrug wird daraus, wenn der Händler einen billigst-TV einfach in das Gehäuse eines teureren Geräts eingebaut hat, um den höheren Preis für seinen Ramsch verlangen zu können. Es muss nichtmal der Händler sein, bei dem Oma gekauft hat, eventuell wurde auch der betrogen ... vielleicht fand der eigentliche Betrug schon in der Firma statt, die Geräte von teuren UND billigen Herstellern in der gleichen Fabrik montiert.
Bei manchen Produkten macht eh nur der Markenname den Preisunterschied ... kann das gleiche, ist das gleiche drin, kostet aber mehr, weil z.B. ein angeknabberter apfel drauf ist.
Du verstehst meine Beispiele scheinbar absichtlich maximal falsch ... mache ich das bei anderen genauso?