Cool Master schrieb:
Ich wäre durchaus bereit auf Wasserstoff zu setzen aber das Problem für mich ist die Tankstelle. Die liegt wie gesagt einfach viel zu weit weg damit es Sinn ergibt. Würde es eine Tankstelle in ca. 25 KM Umkreis geben wäre ich deutlich bereiter Richtung H2 Auto zu gehen.
Grundsätzlich bin ich bei dir und favorisiere die Brennstoffzelle ebenfalls. Wirklich daran glauben tue ich aber nicht mehr. Sowohl die Bundesregierung als auch die Industrie haben sich vollumfänglich zum Batteriefahrzeug bekannt. Ein Technologiemix, so sinnvoll er auch sein mag, ist nicht gewünscht. Es wird derzeit dermaßen viel Geld in die Ladeinfrastruktur und die Entwicklung von SuperAkkus sowie extreme Schnelllademechanismen - nicht selten proprietär - gesteckt, dass für die Brennstoffzelle keine Gelder übrig sind.
Das Problem dabei: Batteriefahrzeuge können nur einen Teil der Anwendungsfälle eines Verbrenners abdecken. Vorwiegend Stadtverkehr und Menschen mit eigener Lademöglichkeit oder zB einem Supermarkt mit ausreichend Ladesäulen in der Nähe.
Jenseits des Stadtverkehrs ist ein E-Auto hingegen weniger geeignet. Die Lade- und somit Standzeiten machen dem einen Strich durch die Rechnung. Es hilft in meinen Augen nicht, wenn die Hersteller damit werben, dass die Hersteller ihr Super-Schnell-Ladesystem propagieren, das in 30 Minuten 80% Akku lädt, wenn dementgegen ein Verbrenner steht, der in 5 Minuten wieder 100% hat. Ganz abgesehen davon, dass es dann ja auch darauf ankommt ob Fahrzeug und Ladesäule sich auch sauber auf den hohen Ladestrom einigen können.
Genau hier wäre der Einsatz der Brennstoffzelle
als Ergänzung zum reinen Batteriefahrzeug im Technologiemix sinnvoll, da sie
sowohl Kurz-
als auch Langstreckenszenarien bedienen können. Das würde aber voraussetzen, dass auch bei Wasserstoff die Infrastruktur ausgebaut wird. Stand 2020 waren aber von knapp 14000 Tankstellen in Deutschland ganze 100 mit Wasserstoff. In Hamburg gibt es derzeit laut
dieser Karte ganze 4 und eine 5. ist im Bau. Juhu, Hamburg ist mit fast 2 Millionen Einwohnern ja nur die zweitgrößte Stadt Deutschlands..
An dieser Situation wird sich so schnell nichts ändern, egal wie sinnvoll es aus technologischer wie auch auch aus Anwendersicht sein mag. Das liegt natürlich zum einen daran, dass zur Zeit enorme Summen in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und Fördergelder fließen, sondern auch daran, dass die Regierungen rund um den Erdball harte Ziele verfolgen wie zB "Kein Verkauf von Verbrennern ab 2030-2050 (je nach Land)". Das ist angesichts des aktuellen Stands des Angebots an Fahrzeugen mit Brennstoffzelle sowie deren praktisch nicht existenter Tankinfrastruktur nicht machbar - und dann macht man es eben gleich gar nicht, also so richtig nicht, keine Förderung, kein Ausbau, selbst wenn man dafür ein Datum jenseits des Verbrennertods anpeilen würde.
Mich erinnert diese Situation ein wenig an DSL vs FTTH. Die Bunderegierung hat Jahrzehnte in Kooperation mit der Telekom weiterhin Milliarden in Kupfer investiert obwohl längst klar war, dass Glasfaser die Zukunft ist. Deswegen steht Deutschland im internationalen Vergleich auch ganz mies da was Glasfaser angeht. Genauso überzeugt bin ich, dass die Brennstoffzelle die Antriebstechnologie der Zukunft ist, weil sie weitestgehend die Vorteile des elektrischen Antriebs mit dem Anwendungskomfort eines Verbrenners vereint. Diesmal setzt aber die ganze Welt auf eine Teil-Lösung oder schlimmstenfalls gar eine Brückentechnologie.