Deutschland in der Internetsteinzeit - Wie geht es weiter?

Oh schon eine lebhagfte Diskussion hier. :D

Um mal auf ein paar Punkte einzugehen:

Gut wenn hier welche schnelles Inet haben, aber viele haben das nicht. Selbst in Großsstädten wie München oder Berlin gibt es unterversorgte Gebiete, am Land sowieso. Im Jahr 2013 müssten in einem Land wie Deutschland 100% der Haushalte DSL mit mind. 10 Mbits haben. Stattdessen gibt es eben riesige "digitale Gefälle" wo Leute 384 Kbits haben und 500m weiter gibts 100 Mbits.
Darum solls gehen. Dass Millionen Haushalte in DE sehr schnelles Internet haben ist mir absolut bewusst, aber sehr viele eben auch nicht.

Der zweite Punkt, Internet wird als nicht so wichtig angesehen. Diese Haltung hab ich eben auch oft beobachtet, alle Jugendlichen können nicht mehr ohne, aber Leute die noch aus der Telefonzeit kommen, halten das Netz für entbehrlich oder sehen es als nettes Gimmick. Klar jeder hat das Recht, das so zu finden, aber ist das nicht ein begrenzter Horizont? Hat jemand schonmal versucht ein Abitur zu machen ohne Inet? Oder einen Job zu finden und diesen zu halten? Oder eine Firma zu führen, die keine Website hat oder als IT-Firma keinen FTTH-Anschluss?
Viele Leute können oder wollen halt nicht mehr ohne Internet leben und es muss für moderne Dienste möglichst schnell sein. In der Wirtschaft wirds sowieso gebraucht, für eher ländliche Wirtschaftsstandorte ist das ein klares Minus.

@BassT

Ich beziehe mich bei Vectoring vor allem auf die Aufrüstung der DSLAM. Das ist verbranntes Geld. Kupfer ist absolut am Ende. Ob ich da mit nochmaligen Milliardeninvestitionen auf 400 Mbits komme interessiert niemanden. Es ist eine Übergangstechnologie, nichts weiter.

50 Mrd sind viel? Mitnichten. Hätte man beispielsweise vor 10 Jahren damit angefangen und 2013 als Ziel erklärt, wären das 5 Mrd. pro Jahr gewesen. Das ist nichts für so ein wichtiges Projekt. Wenn da alle mit reinschmeißen (Telekom, die Bitstreamcarrier wie 1&1 und O2, KD etc.) und der Staat das fördert, ist das 0 Problem. Aber man will halt nicht. Dem Staat ist es egal bzw. ein ganz klares Nebenprojekt und die Telekom (die immerhin knapp 50% Marktanteil hat) will nur schön Geld drucken, mit ihren seit 1000 Jahren abgeschriebenen Kupferleitungen.

Man könnte auch gesetzlich festschreiben, dass jeder Bürger Anspruch auf einen FTTH Anschluss hat. Das ganze wird dann staatlich gefördert und mit 100€ Anschlussgebühr in der Stadt und 200 oder meinetwegen auch 500€ am Land kombiniert und tadaa das ganze funktioniert (Kosten pro Anschluss: Stadt 350€, Land 3500€, laut Wilhelm.Tel). Dann kostet so ein FTTH Anschluss halt 60€ im Monat und wer bereit ist das ganze zu zahlen, kriegt einen Anschluss. Aber anscheinen hat da niemand bei den Mächtigen Interesse dran?
 
Viel schlimmer als das Geheule über die Technik, finde ich die Content-Problematik. DA könnte ich viel deutlicher über Deutschland kotzen.

Schaut euch doch blos mal Steam oder Youtube über eine VPN nach UK/USA an. Da gibts immense Unterschiede was verfügbar ist und was nicht.



Einfach mal nach einem bekannten Musik-Star gesucht. Hier in Deutschland bekomme ich zu 99% User-Content, alle anderen können sich aktuelle Video-Clips und ganze Konzerte anschauen.
DA ist Deutschland im Mittelalter. Ansonsten ist es schon nicht so einfach 100MBit auszulasten^^
 
Hi,

@HisN

Sehr richtig, das ist mindestens genauso Banane. Nur: das kann man mit einfachsten Mitteln umgehen. Eine schnellere Internetverbindung kann ich mir aber nicht "installieren" ;)

VG,
Mad
 
Das ist ein weiterer gewichtiger Punkt, stimmt. Und natürlich auch irgendwie gekoppelt, weil man ja eben schnelles Internet braucht um die entsprechenden Inhalte (hochqualitativ) abrufen zu können.

Aber das ist ja nicht nur ein Problem in Deutschland. Weltweit ist die Contentindustrie kaputt, vielleicht auch nicht so sehr wie hierzulande. Das geht ja noch viel weiter als "nur" gesperrte YouTube Videos.

MMn ist das größte Problem, das in der gesamten digitalen Welt noch immer Leute was zu sagen haben, die aus ner anderen Zeit kommen und andere Ansichten vertreten. Die sehen das Internet und seine Besonderheiten und Chancen aus einem ganz anderen Blickwinkel. Deswegen ist es nem Abgeordneten in Berlin auch egal, ob du deine Filme in HD oder nur SD streamen kannst, aus Ermangelung an Bandbreite. Und dem Warner Boss genauso, ob du den Film überhaupt legal im Internet beziehen kannst oder ob du dafür zum nächsten Blödmarkt fahren musst, um dir die Blu-Ray zu kaufen.

Die Chancen dahinter, z.B. eben Contentvertrieb nur übers Internet zu fairen und zeitgemäßen Konditionen mit demselben Angebot wie sonst auch, die werden nicht gesehen. Die Musikindustrie ist ja auch einen langen weg gegangen, dass man heute DRM-freie Musik kaufen kann oder es Angebote wie Spotify gibt, war nie in deren Sinn.
 
Seth666 schrieb:
@xxMuahdibxx

Und du denkst, dass ein Schwellenland wie China mit Deutschland vergleichbar ist?

Auf dem Mond gibt es wahrscheinlich gar kein Internet. *roleeye*

Da wir hier von Großstädten reden die ca 10 Mio. Einwohner haben ... glaub ich nicht so recht das es Schwellenland sich nennen muss . Definitiv sind andere Länder auch weiter als Deutschland beim Ausbau des Netzes ... doch wir vergleichen gleich jedes kleine 100 Einwohnerdorf mit Großstädten .

Leider wird Technik nur bezahlbar wenn es für mehrere Kunden da ist .

keiner von euch will 100 € im Monat ausgeben und selbst 5-10 € Unterschied will niemand haben und geht somit von der Telekom weg .
Aber sich am Ende beschweren das es nicht schneller wird weil das Unternehmen was alles soweit aufbaut es nicht bezahlt .

Das schlimmste ist aber das geheult wird ohne wirklich eine Statistik zu nennen oder zu kennen .
 
Hi,

@xxMuahdibxx

Also ich glaube kaum, dass die aktuelle Protestwelle gegen die Telekom wegen "5 oder 10 Euro" losgegangen ist. Es geht viel mehr um die Politik, die die T-Com betreibt und wenn man da ein Zeichen setzen will kann man nur da anpacken wo solche konzerne es spüren: Kunden und Geld.

Selbst wenn ich bereit wäre mehr zu bezahlen (wäre ich z.B. durchaus, ich zahle auch 60 Euro im Monat für mein Handy) - wem soll ich das Geld geben? Es gibt nur die klassischen "29 Euro pro Monat", dann vielleicht noch "45 Euro mit Entertain" und dann geht es erst ab 400 Euro wieder weiter mit SDSL. Ich hätte gerne 50 MBit SDSL und wäre durchaus bereit, da bis zu 70 Euro zu bezahlen, nur bietet so etwas niemand an.

Ich bin jetzt zu Kabel Detuschland gewechselt. Der Service ist besser, die Leitung ist massiv schneller und der Preis ist der Gleiche. Und ich konnte der Telekom vielleicht zu verstehen geben, dass ich nichts von der gefahrenen Politik und der Kommunikation halte, die im Moment betrieben wird. Kabel Deutschland drosselt auch, das ist hier nicht das Thema. Es geht nicht immer um das "Ob", manchmal geht es mir einfach um das "Wie". Der Ton macht eben doch immer noch die Musik.

Das schlimmste ist aber das geheult wird ohne wirklich eine Statistik zu nennen oder zu kennen .

Ich habe doch Statistiken genannt - warum sind die nicht ausreichend? Oder wofür hättest du gerne Statistiken.

VG,
Mad
 
@ TE: Kannst du nachträglich noch nen Umfrage einbauen?
Diesmal nur ganz kurze Antwort: Ich wäre bereit, sogar um die 1000-2000 Euro einmalig für einen Anschluss auszugeben!
Und auch 60-70 Euro im Monat wäre es mir wert, es ist immerhin eine Investition in die Zukunft!

Ich seh das so; ich sitzt wenn ich daheim bin relativ viel vorm PC/Laptop/Tablet. Auch mal nur ganz kurz.
Wenn ich mir überlege, für was man sonst so Geld ausgibt wäre ich persönlich halt bereit dafür.
 
AMD-Mafiosi schrieb:
Vor 20 Jahren hätte der Ausbau die Hälfte gekostet, nun wird jedes Jahr, welches Gewartet wird der Ausbau Teurer.

Hast du dazu ne belastbare Quelle. Das wage ich nämlich mal arg zu bezweifeln. Glasfaser war vor 20 Jahren mit Sicherheit nicht billiger als heute. Kosten hätte man aber in der Zeit durchaus sparen können, wenn mal jemand festgelegt hätte, das bei allen Erdarbeiten auch Leerrohre verlegt werden. Hab ich grad bei meinen Eltern durch. Ganze Straße aufgerissen und neu gemacht, aber nicht ein Leerrohr verlegt. Da hätte ich wirklich schreien können.

Felixxz21 schrieb:
Im Jahr 2013 müssten in einem Land wie Deutschland 100% der Haushalte DSL mit mind. 10 Mbits haben.
Hat jemand schonmal versucht ein Abitur zu machen ohne Inet?

Quasi ja. Bis vor vier Jahren hatte ich ne 64kbit/s Anbindung. Da habe ich maximal Bilder für Vorträge gesucht. Informationen jedoch nie. Die kamen aus Büchern.

Felixxz21 schrieb:
Ich beziehe mich bei Vectoring vor allem auf die Aufrüstung der DSLAM. Das ist verbranntes Geld. Kupfer ist absolut am Ende. Ob ich da mit nochmaligen Milliardeninvestitionen auf 400 Mbits komme interessiert niemanden. Es ist eine Übergangstechnologie, nichts weiter.

Man kann über Kupferleitungen auch 10GBit/s übertragen. Die letzte Meile ist nicht zwangsläufig das Problem. Was nützt es mir, wenn in jedem Kleingarten Glasfaser liegt, aber der Verteilerkasten mit Kupfer angebunden ist? Richtig gar nichts. Deswegen ist der Ausbau von FTTC zu fokussieren. Korrodierte Kupferleitungen sind dann bei Bedarf auszutauschen. Warum sollten die Firmen das Geld verbrennen. Mit Vectoring sind dann über das Kupfer bis zu 100/40 Mbit/s möglich. Das ist ein vielfaches deiner Forderung nach 10Mbit/s. Die Bilanz scheint wohl für Vectoring zu stehen und brauchbare Datenraten sind damit erreichbar.

Felixxz21 schrieb:
50 Mrd sind viel? Mitnichten. Hätte man beispielsweise vor 10 Jahren damit angefangen und 2013 als Ziel erklärt, wären das 5 Mrd. pro Jahr gewesen. Das ist nichts für so ein wichtiges Projekt. Wenn da alle mit reinschmeißen (Telekom, die Bitstreamcarrier wie 1&1 und O2, KD etc.) und der Staat das fördert, ist das 0 Problem. Aber man will halt nicht. Dem Staat ist es egal bzw. ein ganz klares Nebenprojekt und die Telekom (die immerhin knapp 50% Marktanteil hat) will nur schön Geld drucken, mit ihren seit 1000 Jahren abgeschriebenen Kupferleitungen.

Und du garantierst dann, dass die 5Mrd. pro Jahr auch an Gewinn erwirtschaftet werden und die Anteilseigner auch noch ihre Dividende bekommen? Das wär mal ein toller Trick über 10 Jahre in die Zukunft zu schauen. Mal ein paar Zahlen, des Marktführers: Quartalszahlen Telekom

Ich sehe da keine 5 Mrd... Dazu kommt, das die Telekom selbst auch noch Schulden abzuzahlen hat. Außerdem bleiben bei deiner Idee auch noch die gleichen Nebeneffekte, die ich schon benannt habe: Wer stellt die Techniker? Wer macht die Planung? Wer gewährleistet den Betrieb? Wer Monitored die Leitungen und schickt jemanden raus, der prüfen kann? Wer erneuert die Infrastruktur? Ausbau heißt nicht mal eben in Baumarkt Glasfaser kaufen und nem Bauunternehmen sagen, die sollen das verbuddeln (ist nicht persönlich, aber viele scheinen diese Vision zu haben; hab ich leider schon zu oft erlebt; abgesehen davon, wärs natürlich sehr nett :) ). Das ist ein riesen Projekt in dem, wie in allen Projekten, das Kräftedreieck gilt: Kosten, Qualität, Zeit. In den meisten Projekten gilt dann: wähle eins davon, maximal zwei. Die Telekom dürfte die einzige Firma sein, die das stemmen könnte, hat dann aber auch alle Kosten zu tragen. Super Idee!!!
Der Staat wird hier übrigens nicht mit finanzieren. Die schaffen es ja nichtmal ohne die Dividende der Telekom auszukommen: Klick
Solange die Telekom also nicht tiefrote Zahlen schreibt, wird der Staat nicht eingreifen.

Ich kann ja den Wunsch verstehen und ich wünschte mir auch einen schnelleren Ausbau zumindest an die 50Mbit/s ran mit ordentlichem Upload. Man darf aber auch den Standpunkt der TK-Unternehmen nicht vergessen, die sich auch noch bei ihren Aktionären/Geldgebern rechtfertigen müssen.

VG
BassT
 
Madman1209 schrieb:
Es gibt nur die klassischen "29 Euro pro Monat", dann vielleicht noch "45 Euro mit Entertain" und dann geht es erst ab 400 Euro wieder weiter mit SDSL. Ich hätte gerne 50 MBit SDSL und wäre durchaus bereit, da bis zu 70 Euro zu bezahlen, nur bietet so etwas niemand an.

Jup 50 Mbit SDSL ... wofür brauchst du in beide Richtungen den Speed dann eigentlich wenns nicht Beruflich ist wohl eher gar nicht ...
 
"Zuhause steht der Heimserver mit großem Speicher und unterwegs greift man dann auf die Filme via Tablet zu."

Oder "man synchronisiert über den Heimserver Daten, die man auf mehreren Geräten jederzeit haben möchte. Einer anderen Partei möchte man die Daten wegen fehlendem Vertrauen nicht anvertrauen."


Das wären zwei Beispiele, wo eine synchrone Anbindung auch privat eine schöne Sache wäre. Wieso unterscheiden wir eigentlich zwischen privat und beruflich?
 
Hi,

@xxMuahdibxx

wenns nicht Beruflich ist wohl eher gar nicht ...

Wer sagt denn, dass ich es nicht beruflich nutze? ;) Ich bin Entwickler, arbeite gelegentlich auch von Zuhause aus, Daten Synchronisieren (Stichwort Cloud), Medien Streamen, SVN etc. Braucht alles Bandbreite. Aber auch privat spräche doch nichts dagegen oder?

@Smagjus

Wieso unterscheiden wir eigentlich zwischen privat und beruflich?

Keine Ahnung :) Ich tue das eigentlich nicht :)

VG,
Mad
 
@BassT

Natürlich musst du erstmal FTTC ausbauen aber das macht ja auch niemand. Außerdem sind die ganzen Stellen IMO schon mit Glasfaser angebunden, also HVT und DSLAM. Nur stehen eben in ländlichen und auch städtischen Regionen zu wenige davon. Die erzielbaren Datenraten mit Vectoring sind auf lange Sicht ein Witz.

Wenn ich 16 oder 50 Mbits habe und dann mit Vectoring auf 100 komme, hat die Telekom ordentlich Geld im DSLAM verbrannt, weil dir die Technik bei einem richtigen FTTH Ausbau in Zukunft nichts mehr bringt. Wenn ich nur DSL Light habe wird mit Vectoring wenn überhaupt nur wenig bringen.

Ein sinnvoller Ausbau würde genügend DSLAM so aufstellen, dass jeder Bürger im Umkreis von 1km einen hat. Damit hätte man schonmal ne gute Grundversorgung sichergestellt. Auf Vectoring könnte man hier gut verzichten. Von diesem Grundzustand ersetzt man dann nach und nach die alten Telefonkabel durch Glasfasern. Somit hat man das Geld optimal genutzt und rüstet das Land nach und nach sinnvoll auf.

Die 5 Mrd müssen ja nicht von einem Unternehmen gestemmt werden, wie ich schon schrieb. Staat und auch die Bewohner zahlen mit. Der Staat finanziert übrigens schon heute viele Breitbandprojekte, z.B. in unserer alten Gemeinde für ~ 200.000€.

Aber erstmal müsste man in jede Gemeinde Glasfaser legen und das hat man in den letzten 10 Jahren versäumt. Hätte heute jeder mind. DSL 6000 in DE würde sich niemand aufregen, auch wenns woanders mehr gibt. Aber das ist noch lange nicht der Fall.

Die Telekom entäuscht mich hier in besonderem Maße, da regionale Anbieter viel weiter sind. MNet z.B. hat fast ganz München mit FTTB versorgt, innerhalb von 3-4 Jahren. Das geht woanders auch (ewe, wilhelm.tel) und wäre auch vor 10 Jahren und auch von der Telekom aus gegangen.
 
xxMuahdibxx schrieb:
Naja man kann auch immer auf hohen Niveau heulen ...

Dem schliesse ich mich bedingungslos an, ohne die Seiten 2 und 3 des Gejammers noch durchzulesen.

Gegenueber meinem frueheren Alice light Anschluss zahle ich nun 20% mehr, und habe dafuer:
* Drosselung bei 55 GB
* 3000 mbps anstatt 6000 (theoretisch)
* 300 mbps (praktisch, sofern ich keine hauseigenen Angebote des Anbieters nutze).
* Fast taegliche Ausfaelle von mehreren Minuten
* Das einzig Positive - dank Glasfaser Upload=Downloadspeed.

Darueber, die deutsche Netzabdeckung mit Steinzeit oder Mittelalter zu titulieren koennte ich mich eigentlich herrlich amuesieren.
 
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