Digitalisierung gut oder schlecht?

saggeran

Cadet 4th Year
Registriert
Juni 2019
Beiträge
84
Moin, ich möchte einfach mal gemischte Meinungen zur Digitalisierung hören. Ist die Digitalisierung eurer Meinung nach gut oder schlecht für die zukünftige Arbeitswelt?
 
Ich sehe es gemischt, das Leben wird einfacher und bequemer, allerdings steigt unsere Abhängigkeit und auch die Möglichkeiten für Missbrauch signifikant an.
 
Dafür müsstest Du genauer erläutern, was Du eigentlich mit Digitalisierung wirklich meinst.
Immerhin ist das ein Prozess, der, auch im Berufsleben, bereits seit mehr als 30 Jahren im Gange ist.

Sehr vieles davon ist echter Fortschritt, der auch stumpfe und stupide Arbeiten wegfallen lässt.
Kann sich jemand noch an Büroboten erinnern?
Dafür entstehen neue Jobs.
Das ist aber eine ständiger Prozess, der nicht nur mit Digitalisierung sondern allgemein mit dem stetigen Fortschritt einher geht.
Alte Dinge entfallen. Neue Dinge entstehen.
Der Mensch muss umlernen, ständig.
 
Als Nachhilfelehrer stehe ich der Digitalisierung ganz allgemein eher kritisch gegenüber ... ich sehe da gerade eine Generation heranwachsen, die ohne Google vielleicht nichtmal einen Hauptschulabschluss schaffen würde.
Sogar bei Inhalten, die sie eigentlich drauf haben, fühlen sie sich ohne online-Bestätigung unsicher.
Die meist ziemlich guten Artikel zu mathematischen Inhalten bei Wikipedia versteht ohnehin nur ein Bruchteil der Abiturienten.

Bei der Arbeit entfallen stumpfe Tätigkeiten und das ist erstmal nichts schlechtes ... und dabei entstehen auch neue Tätigkeitsbilder ... es sind aber weit weniger, als benötigt werden (denn die Maschine ersetzt mehr Arbeiter, als für sie Wartungspersonal benötigt wird).

In der IT-Branche sieht man aber wohl vor allem die Vorteile ... ist ja auch klar ... ich fänds auch richtig geil, wenn die Leute im Alltag wieder Kopfrechnen können müssten ... oder wenigstens verstehen, was ihr Rechensklave da macht.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Samson999
DerOlf schrieb:
Bei der Arbeit entfallen stumpfe Tätigkeiten und das ist erstmal nichts schlechtes ... und dabei entstehen auch neue Tätigkeitsbilder ... es sind aber weit weniger, als benötigt werden (denn die Maschine ersetzt mehr Arbeiter, als für sie Wartungspersonal benötigt wird).

Das hat man in den (etwa) 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits behauptet, als im Automobilbau die ersten vollautomatischen Fabriken erfunden wurden.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Fu Manchu
hamju63 schrieb:
Das hat man in den (etwa) 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits behauptet, als im Automobilbau die ersten vollautomatischen Fabriken erfunden wurden.
Das ist nicht vergleichbar, da es damals einen wachsenden Dienstleistungsbereich gab, der viele aufgenommen hat.
Genau in diesem Bereich findet gerade die Digitalisierung statt ... Industrie 4.0 bietet zum Ausgleich nur ein paar hunderttausend Stellen in der IT-Branche.
Zu Beginn der industriellen Revolution war es der Landwirtschaftliche Sektor, aus dem massenweise Arbeitskräfte abwandern konnten, WEIL die Industrie eben tausende Arbeiter brauchte.
Die Automatisierungswellen haben dann den bedarf der Industrie gesenkt ... und einen Dienstleistungssektor aufgeblasen, der den Menschen Arbeit gab (bringing in each others wash).

Frage ... in welchen Bereich werden die Fahrer der Logistikbranche wechseln, wenn die Branche keine Fahrer mehr braucht? Lageristen braucht man dann auch keine mehr (oder nur sehr wenige).
Wohin werden die Steuerfachangestellten und Bürökaufleute wechseln, wenn sie durch Algorithmen ersetzbar werden ... oder die Rechtspfleger?
Sollen die alle Case-Manager beim Jobcenter werden?
Der Bereich, der da im moment automatisiert wird, ernährt fast 50% von uns.

"Ach, da wird sich schon irgendwas finden" ist mir irgendwie zu wischi-waschi, denn dafür sind die Auswirkungen von Industrie 4.0 etwas zu weitreichend.
 
Zuletzt bearbeitet:
hamju63 schrieb:
Das hat man in den (etwa) 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits behauptet, als im Automobilbau die ersten vollautomatischen Fabriken erfunden wurden.
Nur vergleich mal eine Montagehalle aus den 80ern/90ern mit heute. Da wirst du deutlich weniger Personal vorfinden, weil vieles automatisiert abläuft. Auch durch die Elektromobilität wird das ein oder andere Berufsbild nach und nach wegfallen. Aber das ist ein anderes Thema.

Grundsätzlich stehe ich der Digitalisierung offen gegenüber. Ich stehe auf allerlei technischen Schnickschnack und hab in der Hinsicht auch nicht wirklich Berührungsängste. Ich muss zwar nicht jeden Trend gleich von Beginn an mitmachen. Aber mMn kommt man früher oder später nur ins Hintertreffen, wenn man sich gewissen Technologien auf Dauer versperrt. Wenn ich nur daran denke, wofür ich früher noch auf irgendwelche Ämter/zur Bank hab gehen müssen und was ich heute alleine vom PC zu Hause aus erledigen kann.
 
Tharamur schrieb:
Wenn ich nur daran denke, wofür ich früher noch auf irgendwelche Ämter/zur Bank hab gehen müssen und was ich heute alleine vom PC zu Hause aus erledigen kann.
Das ist natürlich superpraktisch ... funktioniert aber auch nur dann so richtig gut, wenn du den zugrundeliegenden Normen auch entsprichst.

Versuch mal bei Elster Nebeneinkünfte aus 5 leicht verschiedenen Tätigkeitsbereichen korrekt abzurechnen ... da wirste blöd bei ... das geht handschriftlich sogar inklusive Fußweg zum Finanzamt und kurzem Gespräch mit einem der dort beschäftigten Berater einfach schneller (ich mache das allerdings auch schon seit fast 15 Jahren so ... vielleicht geht es auch dadurch bei mir schneller).

Ich stehe der Digitalisierung auch nicht komplett ablehnend gegenüber ... ich sehe aber auch die probleme, die das mit sich bringt.

Fortschreitende Normierung ist eines.
Überwachung ein anderes.
Digitale Demenz ist das dritte.

Es ist nicht so sehr die Technologie, die ich kritisch sehe, sondern eher die Folgen ihres Einsatzes im Privatbereich ... aber das ist natürlich auch nur meine Meinung.

Ich nutze das ja auch selber ... meine Kompositionen für Orchester hätte ich ohne DAW und MIDI nichtmal selbst hören können. Nur um zu wissen, wie eine Passage klingt, ist mir ein Orchester auch einfach etwas zu teuer.
Ich kann die Noten am Klavier spielen, aber Orchester ist einfach nochmal was ganz anderes.
Diesen Höreindruck kann ich ohne viel Geld oder die entsprechenden Kontakte nur digital erzeugen ... und für diese Möglichkeiten bin ich sehr dankbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
die digitalsierung ist doch längst da. jeden tag erlebt man sie irgendwo. parken in den städten braucht kein parkscheinticket mehr aus dem automaten. man bezahlt via internet und kann überall parken für die bezahlte zeit. ganz früher musste man groschen in eine parkuhr werfen, entsprechent viele parkuhren standen in der strasse.

ob man eine digitale sprechstunde braucht weiss ich nicht, in deutschland gehen die leute ja für jede kleinigkeit zum arzt. da kann so was sehr nützlich sein. in frankreich, wo jeder arztbesuch 25 euro kostet geht man nur zum arzt wenn es wirklich sein und dann ist eine persönliche vorstellung doch besser.
 
DerOlf schrieb:
Das ist natürlich superpraktisch ... funktioniert aber auch nur dann so richtig gut, wenn du den zugrundeliegenden Normen auch entsprichst.

Negativbeispiele gibt es immer. Alleine schon wenn man sich mit Computern ansich schwer tut oder sich nach wie vor keinen Internetanschluß anschaffen will/kann, liegt man heutzutage bei so manchem Dingen im Hintertreffen. Man darf dabei aber auch nicht die Chancen, die damit einhergehen, aus den Augen verlieren.

DerOlf schrieb:
Ich stehe der Digitalisierung auch nicht komplett ablehnend gegenüber ... ich sehe aber auch die probleme, die das mit sich bringt.

Fortschreitende Normierung ist eines.
Überwachung ein anderes.
Digitale Demenz ist das dritte.

Es ist nicht so sehr die Technologie, die ich kritisch sehe, sondern eher die Folgen ihres Einsatzes im Privatbereich ... aber das ist natürlich auch nur meine Meinung.

Eine gewisse Grundskepsis ist ja auch nicht verkehrt. Das Kritische ist halt, wie so oft, der Mensch und wir er die neue Technik nutzt und mit ihr umgeht. Wo dann mMn auch wieder die soziale Verantwortung bei gewissen Themen mit reinspielt. Ich hab auch keinen Bock auf die totale Überwachung, wie man sie aus dem ein oder anderen SiFi-Streifen her kennt. Aber ich denke, daß wir da schon weiter sind, als sich manch einer wirklich vorstellen kann.
 
Ich mag keinen neuen Fred auf machen und hier passt das Thema auch irgendwie rein.

Digitalisierung wird ja all über all gefordert - so auch in Schulen (ich bin ja der Meinung, das es dringendere Probleme - im Zusammenhang mit Schule gibt und es nicht hilft, jedem ein iPad hinterher zu werfen. Aber gut...).

Natürlich ist die schlechte Ausstattung ein Thema. Aber ich Frage mich, wie das sein kann. Vielleicht liege ich auch einfach Falsch, mit meiner Einschätzung.

Was muss ein Computer leisten, um digitales lernen zu ermöglichen?
Das, was am meisten Rechenleistung erfordert, könnte das streamen eines (Lern-)Videos sein. Wie schaut es mit VoIP aus? Hiermit kenne ich mich absolut nicht aus. Ab wann, ist VoIP realisierbar? Ab wann fängt es an zu ruckeln? Ab wann funktioniert es so, das man sich darüber keine Gedanken mehr machen muss?

Spaßeshalber, habe ich mal nachgeschaut, wie viel ein PC kosten würde.
Ein Barebone + RAM und SSD kostet unter 140 €! Mit Peripherie würden noch 80€ hinzu kommen.

Für schulen sollte das kein Thema mehr sein.
Aber klar, wenn wir in die Familien schauen, wo es auf wirklich jeden Euro ankommt (iPhone ist aber vorhanden) - soll es doch auch hierfür eine Lösung geben?
 
Das Problem an den Schulen ist aus meiner Sicht ein rein organisatorisches/politisches Problem und kein Hardwareproblem. Jede Schule kocht ihr eigenes Süppchen, jeder Gemeinde, jeder Kreis und jedes Bundesland. Dadurch gibt es kaum/sehr selten quasi einen richtigen "Admin", der dann einige Schulen zentral betreut. Wenn der Server zumindest von einem kommunalen Dienstleister betreut wird, ist das schon ein Highlight. So bleibt halt vieles auch an den Lehrern hängen, die aber dafür gar nicht das Knowhow haben (und auch nicht brauchen sollten). Selbst wenn die Schulen toll ausgestattet sind, müsste dies auch alles gewartet und administriert werden.
 
Gaugler schrieb:
Aber klar, wenn wir in die Familien schauen, wo es auf wirklich jeden Euro ankommt (iPhone ist aber vorhanden) - soll es doch auch hierfür eine Lösung geben?

Es soll nicht nur, es muss !
Wenn an dieser Stelle nicht für alle Schüler die gleichen Bedingungen gelten, kannst (und musst) Du die ganze Nummer knicken, wenn Du nicht bei der Schulbildung das nächste Fass der Ungleichbehandlung aufmachen willst.
Intelligenz und Lernwillen haben eben nichts mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Familie zu tun.

Deswegen hasse auch ich den Begriff 'sozial schwach'
Nein, viele Familien sind eben nicht sozial schwach.
Sie sind lediglich wirtschaftlich schwach und die Kinder werden von Anfang an benachteiligt.

Und dazu kommt dann eben noch unser föderalistisches System, in welchem ein Großteil der Schulpolitik Ländersache ist.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dideldei, Discovery_1 und sedot
Gaugler schrieb:
Spaßeshalber, habe ich mal nachgeschaut, wie viel ein PC kosten würde.
Ein Barebone + RAM und SSD kostet unter 140 €! Mit Peripherie würden noch 80€ hinzu kommen.
Die Hardwarekosten sind meiner Meinung nach das geringste Problem. Deshalb halte ich es auch für falsch das nun wohl großzügig Hardware verteilt werden soll. Was bringt das wenn niemand* die technischen und administrativen Aufgaben zur Verfügung steht? Lehrer sind hier die falsche Wahl, das ist schlicht nicht deren Job und Kompetenz.

*Ich hab nirgendwo gelesen das hier in auch in Fach-Personal investiert werden soll. Berichtigt mich gerne falls ich etwas übersehen habe.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: BeBur und Aduasen
Sehe ich ähnlich.
So eine Schule ist dann quasi ein IT-Unternehmen, welches auch dafür sorgen muss, dass hunderte Mobilgeräte mit der Software ausgestattet sind (und eben auch NICHT ausgestattet sind - Stichwort Spiele, DSGVO usw.), die drauf muss.
Und alle in den gleichen Versionen.

Ich habe zwar keine Kinder aber ich habe noch von niemandem gehört, der oder die angeben würde, IT-Admin in einer Schule zu sein.

Die Aufgabe von Lehrern kann das nicht sein.
Bei denen gehört die gleiche Software auf die Geräte.

Und da fragt man sich dann schon, wie es mit dem IT Budget der Schulen ausssieht.
Da darf man nicht nur die Hardware sehen.
Du kannst es auch nicht den Schülern überlassen, sich mit dem Support von MS usw. rumzuschlagen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: BeBur
@Idon

Klar.
Aber es braucht eine Abteilung die den ganzen Krempel administiert.
Und das bitte mit Profis.

Nur schaffen es Schulen doch nicht einmal, ausreichend Lehrer für ihre Hauptaufgabe zur Verfügung zu stellen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dideldei und BeBur
Meistens darf sich doch der Informatik-Lehrer mit der IT Administration kümmern. Ist zwar eigentlich nicht seine Aufgabe - da er Lehrer ist - aber hey, der kennt sich ja mit diesen "grauen Kisten" aus ...

Sinnvoll wäre es doch, wenigstens je Bundesland ein Systemhaus zu haben, welches sich um alle Schulen kümmert .... oder ein Unternehmen welches hierfür extra gegründet wird. Dann haben wir nur 16 verschiedene Lösungen ... jetzt sind es so viele Lösungen wie es Schulen gibt. Echt eine kranke Welt. :freak:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dideldei und Aduasen
Zurück
Oben