Vielleicht mal kurz ein wenig Hintergrundinfo zu Kettenschaltungen, anhand denen man den für sich besten Kompromiss finden kann.
Die 1x Schaltungen, also Schaltung mit 1 Kettenblatt vorne, machen das System etwas weniger komplex. Kein Umwerfer vorne, keine Gedanken nötig, ob man zum nächsten Schalten nur hinten oder nur vorne oder beides Schalten muss. Außerdem spart man den Umwerfer und den zugehörigen Schalthebel sowie die Wartung eben dieser.
Der Nachteil bei der Sache: Man muss wählen, ob man eine große Spreizung und entsprechend große Spünge zwischen den Gängen oder eine kleinere Spreizung und feinere Abstufungen möchte. Dazu sind gerade bei 12fach die Teile deutlich teurer als z.B. 10 fach, die Ketten können nicht genietet werden sondern brauchen ein Kettenschloss, das auch nur bei Shimano 12 passt. Dazu sind die Ketten recht filigran.
Ich fahre auf dem MTB eine 1x12 Schaltung, da ist vorne ein 30er Kettenblättchen drauf und hinten geht das von einem Pizzateller mit 50 oder 51 Zähnen auf 10. Damit komme ich sowohl Rampen im Dreck mit 15% Steigungen hoch und kann in der Ebene etwas über 30 Fahren.
Ich hab einige E-Bikes von meinen Nachbarn in Pflege, die haben sich teilweise Räder mit der gleichen Schaltung aufschwatzen lassen. Die sind 65+ und bestenfalls so Mittelfit. Aber selbst wenn die mal an der Mosel unterwegs sind, fährt von denen keiner auf den großen Ritzeln.
Auf der anderen Seite verleitet aber das System dazu große Gänge mit sehr geringer Kadenz zu fahren. Entsprechend hoch ist die Belastung für den Kettentrieb, weil vergleichsweise lang übersetzte Gänge gefahren werden und entsprechend wenige Zähne des Ritzels im Eingriff sind -> Verschleiß.
Meine Kette auf dem MTB hält in der Regel eine größere Kilometerleistung, als die E-Bike-Ketten meiner Nachbarn. Die fahren aber nicht primär im Schlamm und schon gar nicht im Weinter. Mein persönlicher Rekord: Fahrrad durch putzen 2,9kg leichter machen.
Als ganz grober Faustwert: Ein nicht völlig untrainierter Mensch erreicht eine Dauerleistung von etwa 150W. Ein Pedelec in der EU darf 250W Dauerleistung abgeben. Motor und Akku zusammen wiegen aber deutlich weniger als ein Mensch. -> Deine Spreizung der Gangstufen kann entsprechend kleiner ausfallen. Durch die größere Systemleistung aus Fahrer und Motor kannst du ohne weiteres bei gesunder Kadenz für Mensch und Maschine mit 15-20 km/h den Berg hochfahren, wo du mit einem richtigen Fahrrad 6-9 km/h fahren würdest.
Ich persönlich würde bei einem E-Bike keine Kettenschaltung, bzw möglichst keine Kette haben wollen. 1-fach Ketten sind deutlich langlebiger als alle Schaltketten und dabei deutlich billiger. Dafür können die aber sogar in einen Kettenkasten. Unsexy, aber praktisch, speziell bei Ganzjahresbetrieb.