Ich finde, daß es legitim ist die Produkte nach ihrem technischen Aufwand zu vergleichen.
Und der ist IMHO bei 2900 XT >= 8800 GTX. Der Stromverbrauch ist erheblich höher, und die Siliziumfläche vermutlich auch. Zudem sind wesentlich mehr parallele Funktionseinheiten eingebaut, vom 512Bit-Bus ganz zu schweigen.
Jetzt gibt es zwei Denkmöglichkeiten:
a) Das Design der ATI ist schlecht, was bedeutet, daß es irgendwo intern ineffizient ist. Das kann sogar heißen, daß die Compiler Code ausspucken, mit dem der Chip nicht zurecht kommt. Man erinnere sich an die FX5900, die war technisch geil, aber der Code schmeckte ihr nicht.
b) Das Design ist gut, aber die Treiber sind noch nicht so weit, und der Produktionsprozess ist auch noch nicht optimiert.
Zu beidem möchte ich kurz noch was anmerken:
ad a): Wir sind wieder ungefähr da, wo wir zu DX7-Zeiten waren: Es gibt nicht "das" Design. Gerade bei so etwas neuem wie DirectX 10 und der inzwischen wirklich wahnwitzigen Komplexität gibt es viele Möglichkeiten, in die man entwickeln kann. Vielleicht ist einfach nur das Design von ATI flexibler und die Karte bei DX10 dann auf einmal deutlich leistungsfähiger? Kann sein. Irgendwo muss der Strom ja hin.
Nur der Ringbus - der hat schon in der ersten X...-Generation den Stromverbrauch nicht gerade positiv beeinflußt.
ad b): Treiberentwicklung ist MONSTERKompliziert geworden. Gerade Vista bindet enorme Ressourcen und Geld, die man nicht mehr in die Verbesserung des Produkts stecken kann. Einen Universaltreiber zu entwickeln ist so gut wie unmöglich geworden.
Ohne Vista wären wir ganz bestimmt weiter.
3DCenter schrieb einmal bei der Vorstellung der 6800, in Sachen "Rechenleistung" habe sich Nvidia einen großen Vorsprung erarbeitet. Inwieweit ATI das mit der X...-Serie aufgeholt hat, kann ich nicht sagen, da ich nichts vergleichbares wieder seitdem gelesen habe. Es mag ja sein, daß ATI diesen Riesenaufwand, den sie machen, gehen muss, weil es entweder am genialen Design oder an den Patenten mangelt, die sie bräuchten.
Vielleicht hat ATI aber auch eine etwas andere Blickrichtung als Nvidia. Auch wenn sie mit ihrem Demo und ihrer Werbung die absolut technikgeilen Hardcore-Gamer ansprechen (irgendwoher müssen die Einnahmen ja kommen), so lassen die Avivo-Einheit, die HDTV-Fähigkeiten mit HDMI-Sound-Übertragung und die Tesselation (DirectX 11-Feature!) doch eine zusätzliche Flexibilisierung erkennen. Ob die beim Gamen nützt, sei mal dahingestellt.
Ich persönlich denke aber, daß bei Nvidia doch die Hard- und Softwareentwicklung besser harmonieren könnte. NVidia hat seit Jahren einen Vorsprung bei der OpenGL-Leistung, vor allem im CAD-Bereich, und ATI ist bis heute nicht mehr daran herangekommen. In den 90ern war ATI die Riesenfirma, bis NVidia dann mit dem TNT2 das Ruder in die Hand nahm. Wenn Nvidia stringenter an der Rechenleistung gearbeitet haben sollte, dann könnte es erklären, warum sie inzwischen (seit der 6800) ihren Vorsprung nicht mehr abgegeben haben.
Nochwas, vorm Schlafengehen: Auch bei der Halbleiterei geht es nur ums Geldverdienen. Hat Nvidia mehr Rechenleistung pro mm², verdienen sie mehr, das ist die goldene Grundregel. Was beide Firmen technisch realisieren, orientiert sich IMMER an einer finanziellen Roadmap. Was wirklich möglich ist, entscheidet heutzutage die Produktion (z.B: TSMC), und das Geld (Grafikhardware für Militär). Der Rest ist Werbung und Politik.