Volkswagen hat den GTI getötet, die Leiche ausgestopft, ihr Schottenkaro angezogen und verlangt 39.000 Euro für die Trauerfeier.
Elf Kilowatt. Das trennt den ID. Polo GTI vom Basismodell. Elf Kilowatt, ein Sportlenkrad und eine Retro-Anzeige die an den Golf I erinnern soll - vermutlich damit man vergisst, dass der Verbrenner-Polo GTI den man gerade ersetzt hat schneller war. 0-100 in 6,8, Abriegelung bei 175. Ein Golf II GTI wäre dabei eingeschlafen. 50 Jahre GTI-Geschichte, und das Ergebnis ist ein Firmware-Update, das sich als Sportwagen verkleidet hat.
39.000 Euro. Für einen Viermeterzehn-Kleinwagen. Der erste Golf GTI kostete inflationsbereinigt 21.000. VW verlangt das Doppelte und liefert die Hälfte. Wer das nicht obszön findet, hat entweder zu viel Geld oder zu wenig Taschenrechner.
Man zahlt natürlich nicht für das Auto. Man zahlt für 30 Milliarden Dieselskandal-Strafen. Für CARIAD, das Milliardengrab einer Softwareabteilung die so brillant gescheitert ist, dass ein 130-Milliarden-Konzern am Ende einem defizitären amerikanischen Startup Geld dafür bezahlt hat, ihm beizubringen wie Code funktioniert. Für zwölf Konzernmarken die dasselbe Auto unter verschiedenen Logos verkaufen - der Cupra Raval ist technisch identisch und kostet nochmal 4.500 mehr, weil irgendjemand in Wolfsburg das Wort "Markenpositionierung" in eine PowerPoint geschrieben hat. Für sechs nicht ausgelastete deutsche Werke die nicht geschlossen werden können weil der Betriebsrat im Aufsichtsrat sitzt. Für den Rauswurf des einzigen CEOs der die Wahrheit gesagt hat, weil die Wahrheit den Betriebsfrieden störte. Für zehn Jahre verlorene Zeit, in denen BYD vom Batteriebauer zum größten E-Autohersteller der Welt gewachsen ist während VW auf Strategieklausuren debattiert hat, ob das jetzt Submarke heißt oder Brand-Cluster.
Und hier die Pointe: BYD Atto 2, mehr Platz, besser ausgestattet, dreifache Garantie - unter 25.000 Euro. Ab Sommer zollfrei aus Ungarn. Made in EU. Für den Preis eines ID. Polo GTI kriegt man anderthalb davon. BYD kontrolliert die Wertschöpfungskette von der Mine bis zum fertigen Auto. VW kauft Zellen von CATL, Software von Rivian, und Hoffnung auf Kredit.
Der ID. Polo GTI ist kein schlechtes Auto. Er ist ein 25.000-Euro-Auto das 39.000 kostet, weil der Konzern dahinter 39.000 braucht um seine eigene Dysfunktionalität zu finanzieren. Der Preis reflektiert nicht den Wert des Produkts - er reflektiert den Verfall des Herstellers.
1976: GTI als Demokratisierung der Fahrfreude.
2026: GTI als Erbschaftssteuer auf die Fehler eines sterbenden Konzerns.
Ein letzter Abschiedsbrief aus Wolfsburg.