Nero Atreides schrieb:
Jetzt können sich die ganzen "Degrowth" Schreihälse mal ansehen, was passiert.
Ich glaube, die "Degrowth"-Befürworter wissen nahezu allesamt, dass wir dafür ein anderes Wirtschafts-Modell und somit in Teilen auch ein anderes Gesellschafts-Modell brauchen.
In einer auf ewiges Wachstum ausgerichteten Wirtschaft und Gesellschaft ist "Degrowth" schlicht eine Rezession. Das ist völlig banal und logisch und kann ohne jede Emotion so attestiert werden.
Wenn wenigstens ein paar Ökonomen mal daran forschen würden, ein Wirtschaftssystem zu entwickeln, welches nicht völlig einseitig und extrem reduktiv auf eine Kennzahl - dem BSP - ausgerichtet ist, sondern versucht, die komplexe Realität einer komplexen Gesellschaft in ein komplexes Modell einzubetten... dann könnte das immerhin ein Anfang sein.
Aktuell richtet sich ein Großteil der Gesellschaft enorm nach dem BSP aus. Finanzmärkte, Politiker, Banken, Versicherungen, etc. Und um nun auch mal kurz emotional zu werrden: Sobald dieses negative Zahlen liefert, laufen eher die Wachstums-Schreihälse wie aufgescheuchte Hühner rum und machen irrationale Panik-Verkäufer und anderen Wahnsinn.
Und genau damit müssen wir auch die nächsten ein/zwei Jahre als "Crash" rechnen. Also NICHT, dass der Auslöser der Knappheit verschwinden würde - also LLMs. Das wäre eine absurde Annahme. Aber dass eben durch die immer extremer werdenden Schieflagen die schreihalsigen, kopflosen Finanzmarkt-Leute irgendwie panisch herumflattern und damit die Realwirtschaft mal wieder nachhaltig beschädigen.
GrooveXT schrieb:
Am Ende verschiebt sich der Markt halt zu KI
Keine Ahnung, was Du mit "am Ende" meinst... aber aktuell ist es eindeutig so, dass sich "der Markt" (was immer das sein soll) eben NICHT "verschiebt". "KI" bzw. eben aktuell LLM ist eine Produkt-Ergänzung - keine Markt-Verschiebung.
Ich glaube natürlich, dass die grossen Hersteller das unbedingt wollen, weil sie hunderte Mrd in LLMs stecken. Und da sind wir bei dem Problem: Ein paar superreiche Konzerne wollen etwas und scheinbar wollen relativ viele Kunden dies nicht - und noch weniger dafür bezahlen.
Hier findet also eine Wette einiger großen Konzerne statt - soweit, so normal. Diese Wette beeinträchtigt aber sehr wichtige, bestehende Märkte durch den Wegkauf von Ressourcen und eben nicht durch die Überzeugung ausreichend vieler Kunden. Das wiederum ist nicht so ganz normal.
Aber in KI schlummert sehr viel gutes Potential für alle.
Das Problem waren noch nie die Technologien, sondern die Konzerne und was die daraus machen - sowie die Politik und die Gesellschaft, was die fordern und wie irrsinnig wir als Konsumenten die schädlichsten Produkte trotzdem "wollen".
Im Autoverkehr sind in den 70ern in Deutschland knapp 20.000 Tote pro Jahr in Kauf genommen worden, bis endlich diverse Regeln und Gesetze eingeführt worden, um hier was zu ändern (Gutpflicht, Crash-Tests, Knautschzonen, verkehrsberuhigte Zonen, etc etc).
Das heisst nur durch eine Anstrengung von Politik als Gesetzgeber gegen die Wünsche der Kunden und Konzerne (!!!) wurde hier ein massives Problem deutlich reduziert. Wobei ja noch immer deutschlandweit mehrere Tausend jedes Jahr zu beklagen sind.
Eine Gesellschaft kann sich selber auch gut was in die Tasche lügen, ob ein "Potential" wirklich "gut" und erst recht "gut für alle" ist.
Das können wir bei Alkohol, Tabak und anderen Drogen, bei Tourismus und dessen Auswirkungen, bei Industrie-Landwirtschaft und der dadurch verursachten Zerstörung, bei sozialen Medien und der Zerstörung jedes sachlichen Diskurses, etc etc.
Wenn ich mir anschaue, wie WIR Technologien herstellen und konsumieren... da verstehe ich wirklich nicht Deinen Optimismus. Ist es Zweckoptimismus? Oder einfach so, dass Du selber eben davon profitierst und alles andere ignorierst. Das wär wiederum völlig normal.