Um mal meine Meinung als Pflegekraft in leitender Position kund zu tun:
Kurzfristige Ausfälle machen zwar den Großteil der Krankmeldungen aus, über das Jahr gerechnet kommen aber dabei ähnlich viele Krankheitstage zusammen, wie bei den Langzeitkranken, die 4 Wochen+ krank sind.
Aktuell habe ich drei Mitarbeiter krank, einmal zwei Wochen, einmal drei Wochen und einmal vier Wochen und optional alle noch mit Verlängerung, weil es sich um orthopädische Probleme handelt, die gerne mal länger dauern.
Von anderen Kollegen aus der Leitungsebene habe ich ähnliche Berichte, was auch zugenommen hat sind psychische Probleme, insbesondere Burnout/Depression, was durchaus auf die zunehmende physische und psychische Belastung in meinem Berufsfeld zurück zu führen ist.
Was unsere Regierung aber nicht bedenkt: das kann jetzt in ganz unterschiedliche Richtungen gehen:
Die einen gehen weniger zum Arzt, schleppen sich krank zur Arbeit, infizieren Kollegen oder machen bei ihrer Arbeit Fehler, die Produktivität sinkt und es ist abzusehen, bis weitere Mitarbeiter erkranken und dann eine AU erhalten.
Oder die Arbeitnehmer gehen (weil es gefordert wird) wegen jeder kurzfristigen Erkrankungen zum Arzt und in vielen Fällen wird der den Patienten länger krank schreiben, als mit der aktuellen drei Tage Regelung, am Ende haben wir dann längere Ausfälle mit der AU am ersten Tag.
Abgesehen davon:
Ich bin jetzt mit niedergelassenen Ärzten recht gut vernetzt und die schlagen bereits alle ihre Hände über dem Kopf zusammen.
Denn wenn man das jetzt mal richtig schwarz malt und jeder, der ein bis drei Tage krank ist, zum Arzt tingelt für eine AU, sind die Praxen damit maßlos überfordert.
Eine ehemalige Ärztin aus unserer Klinik ist relativ aktiv auf Instagram mit 140tsd Followern und die berichtet viel aus ihrer Praxis, dem Alltag und verknüpft das mit aktueller Politik, die hat mal hochgerechnet, das sie dafür theoretisch eine/n zusätzlichen ärztlichen Kollegen/in der Praxis bräuchte, um die anfallende Arbeit zu bewältigen.
In Zeiten, wo insbesondere Ärzte in Hausarztpraxen, vor allem in Strukturschwächeren Gebieten Mangelware sind, vollkommen utopisch, von der Finanzierung mal ganz abgesehen.
Als weitere Gedankenanregung sind die klassischen 1 Tages Erkrankungen: Kopfschmerzen (insbesondere Migräne oder Clusterkopfschmerzen), kurzfristige Durchfälle oder einfache Sportverletzungen.
Im akuten Migräneanfall zum Arzt gehen verschlimmert die Symptome, verzögert die Rekonvaleszenz und aus (häufig) einem Tag werden 2 oder 3.
Habe ich Durchfall und gehe damit zum Arzt, ist man auch ruck zuck länger krank geschrieben, bei Durchfall theoretisch 48h nach letzten Symptomen, so handhabt das auch unser Kindergarten. Zwei Tage Dünnpfiff und danach biste dann noch mindestens zwei Tage zuhause, schon ist die Woche voll.
Bin beim Sport umgeknickt, Knöchel tut weh und ist dick? Wenn man nicht direkt in die Traumaspirale kommt, erstmal ne Woche nicht belasten, wäre vielleicht auch am nächsten Tag schon besser, wenn man es direkt hochgelagert und gekühlt hätte.
Ich hab vollstes Verständnis dafür, das man Leute, die gezielt einzelne Tage blau machen herausfiltern möchte, aber dagegen hilft doch nicht, die gesamte arbeitende Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen und dabei unglaublich viel Zeit und Ressourcen zu verschwenden.
Nur um am Ende diejenigen, die blau machen doch nicht zu erwischen, denn die lassen sich so oder so krank schreiben.
P4ge schrieb:
Laut WHO ließen sich 80% aller Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Diabetes Erkrankungen wenn wir eine gesündere Ernährung,hätten mehr Bewegung treiben und Tabak verbieten würden. Willst du mir sagen, das all diesee Krankheiten von der Politik verornet sind?
Das ist jetzt schon sehr offtopic, wenn du darüber diskutierenmöchtest, bitte einen separaten Thread eröffnen:
Verordnet nicht, aber es wird auch relativ wenig getan, um eine gesündere Ernährung zu fördern.
Die stärkere Lobby haben hochverarbeitete Lebensmittel, nicht der Kohlrabi vom lokalen Landwirt.
Dann der Preisunterschied: gesunde Lebensmittel sind in der Regel kostspieliger als Fertigfutter, was kostet die Pizza beim Discounter? 3,59€ Margherita im 3er Pack bei Aldi, wenn ich mir die Zutaten einzeln kaufe, wird es schon schwer, das zu unterbieten.
Wenn Geld knapp ist (was es in Zeiten steigender Kosten in nahezu allen Bereichen ist), ist auch weniger Geld für gesunde Lebensmittel vorhanden.
Ein anderes Beispiel wäre die Zuckersteuer, bei uns vor über 30 Jahren abgeschafft, haben England oder Irland die Steuer vor nicht einmal 10 Jahren wieder eingeführt und das mit sehr positivem Effekt.
Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, wie sie hier betrieben wird, liegt auch hinter dem gerwünschten Ziel zurück.
Warum das so ist, liegt auf der Hand, Zucker aktiviert das körpereigene Belohnungssystem, schüttet Dopamin aus, dazu fördert er Heißhungerattacken, was im Endeffekt den Konsum entsprechender Produkte steigert.
Dazu gibt es auch einen interessanten Beitrag vom
Max-Planck-Institut.
Soll jetzt nicht heißen: Bitte lieber Staat, schreib mir vor, was es Morgen zu Essen gibt.
Aber ähnlich wie Meta und Co. ihre Feeds psychologisch optimieren, um ein suchtähnliches Verhalten anzustreben, so ähnlich funktioniert die Lebensmittelindustrie in Teilen auch, da ist eine Überlegung, im Sinne der sozialen Marktwirtschaft, staatlich zu regulieren.