Samurai76 schrieb:
Ach, schon wieder dieses Grundproblem. Wieviele Lastabwürfe hatten wir die letzten 20 Jahre so in Deutschland? Wenn ich dich lese, verstehe ich so jeden Tag mindestens mal 3 oder mehr, weil ja immer irgendwo was fehlt (fehlen kann). Ich behaupte, unsere Energieversorgung ist so sicher, wie bislang NIE. Der meßbare Wert dafür war noch nie so niedrig in Deutschland und weltweit gibt es wenig Länder mit noch einem geringeren Wert (war das der SAIDI Index?)
Richtig, der SAIDI-Index für Endverbraucher. Schließt Industriekunden aber aus und es fließen nur technische Probleme mit ein, nicht wetterbedingte.
Viel spannender finde ich aber folgende Ergänzung dazu:
Um den SAIDI-Wert von rund 12 Minuten stabil zu halten, müssen die Übertragungsnetzbetreiber (TenneT, 50Hertz, Amprion und TransnetBW) im Hintergrund einen beispiellosen und rasant eskalierenden Aufwand betreiben.
Dieser Eingriff in den Betrieb von Kraftwerken heißt
Redispatch. Er wird immer dann notwendig, wenn im Norden zu viel Windstrom produziert wird, die Leitungen nach Süden verstopft sind und im Süden deshalb konventionele Kraftwerke künstlich hochgefahren werden müssen.
Die nackten Zahlen: Vom Ausnahmeereignis zum Dauereinsatz
Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass das deutsche Stromnetz heute nicht mehr ohne permanente, staatlich verordnete Eingriffe funktioniert:
- Vor der Energiewende (bis 2010): Redispatch-Eingriffe waren eine seltene Ausnahme, die etwa 2 bis 5 Mal pro Jahr vorkam. Das Netz war auf die Standorte der Großkraftwerke abgestimmt.
- Heute (2024–2026): Die Netzbetreiber müssen jeden einzelnen Tag im Jahr eingreifen – und das oft dutzende Male parallel. Statistisch gesehen finden mittlerweile weit über 10.000 einzelne Redispatch-Maßnahmen pro Jahr statt.
Das Volumen: Wie viel Strom wird künstlich verschoben?
Man misst die Schwere der Netzengpässe in der Energiemenge (Gigawattstunden, GWh), die am Markt vorbei zwangsgesteuert werden muss.
- 2014: ca. 5.000 GWh verschobene Energie
- 2023: ca. 31.300 GWh verschobene Energie
- 2024: ca. 33.100 GWh verschobene Energie
- 2025/2026: Das Niveau verharrt stabil auf diesem extrem hohen Niveau von über 32.000 GWh pro Jahr.
Zum Vergleich: Die Menge an Strom, die jährlich in Deutschland künstlich hoch- und runtergefahren werden muss, nur um das Netz vor dem Kollaps zu schützen, entspricht dem
gesamten Jahresstromverbrauch von Ländern wie Dänemark oder Irland.
Diese vermeintliche Stabilität ist damit auch nur ein Trugschluss, wir bekommen daheim nichts davon mit. Und damit ist das Risiko schlicht deutlich größer geworden dass es doch mal schief geht.