Die erste Frage die man sich stellen muss lautet: Aus welcher Perspektive betrachte ich das Gesamtsystem?
Gehe ich vom best case Szenario aus, d. h. ich schaue mir Tage an, an denen EE-Quellen den Energiebedarf decken und richte danach mein Gesatsystem aus? Kann man machen, aber dann muss man eben in Kauf nehmen, dass an Tagen mit Unterdeckung es zu Leistungsbeschränkungen kommt. Das kennt man aus Entwicklungsländern, dort wird das z. B. durch eine rollierende Lastabschaltung realisiert. Auch dort leben die Menschen, das ginge also vom Prinzip her.
Geht man vom worst case Szenario aus, d. h. kaum Wind und PV plus eine Großstörung und geht nach wie vor von einer 8760h pro a sicheren Versorgung aus (entspricht den bisherigen Planungsgrundsätzen und den Ansprüchen der Gesellschaft), dann benötigt man neben den EE-Quellen ein Backupsystem. Dies kann aus technisch-betriebswirtschaftlichen Gründen derzeit zum größten Teil nur aus thermischen Kraftwerken bestehen.
Gutes Beispiel der gestrige Tag...
https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&c=DE
(Die Seite ist vom Fraunhofer-Institut und wird mit den Daten der ÜNBs gespeist)
Die EE-Quellen (plus Pumpspeicher) konnten um die Mittagszeit ca. 18 GW an elektrischer Leistung bereitstellen, die Gesamtlast betrug ca. 70 GW. Die Unterdeckung von ca. 52 GW konnte nur mit thermischen Kraftwerken gedeckt werden. Die EE-Quellen hätten für 18/70 = ca. 25 %. gereicht. D. h. bei einer rollierenden Lastabschaltung hätte jeder Verbraucher 6 Stunden Strom zur Verfügung gehabt, die restlichen 18 Stunden wäre er abgeschaltet worden. Dabei ist noch gar nicht betrachtet, dass es industrielle Verbraucher gibt, die man wegen des Produktionsprozesses gar nicht abschalten kann und dass das Netz ohne die Kurzschlussleistung sowie der Blindleistungsbereitstellung der thermischen Karftwerke gar nicht betrieben werden kann.
Sich mit geförderten PV- und Kleinspeicheranlagen die Rosinen rauszupicken und keinerlei Verantwortung bzgl. der Stabilität ud Sicherheit des Gesamtsystems tragen zu wollen, aber gleichzeitig jeder Zeit das vorhandene Netz nutzen zu wollen (wenn die eigene Anlage nicht reicht), stellt keine Lösung dar.