@tarrabas: Wenn Du einen Vertrag mit einem Internet-Anbieter eingehst, steht im Vertrag auch klar geregelt, inwieweit Du die zur Verfügung gestellte Bandbreite sättigen, also dauerhaft benuzten darfst. Zu Beginn dieser 'Ära' war das nicht klar geregelt, heutzutage aber gibt es hierzu Verpflichtungen, die beide Seiten einzugehen haben. Da es sich um Privatwirtschaft handelt, kann der Anbieter diktieren, unter welchen Bedingungen seine Leistung erworben werden kann.
Und genau hier sehe ich mitlerweile die Hybris dessen, was mit der durch die USA 'erzwungene' Zerschalgung der Post und damit die Öffnung des Telekom-Marktes 1986 eingeleitet wurde. In vielen deutschen Köpfen spukt noch immer der alte Gedanke, das Post- und Fernmeldewesen sei Staatssache. Das war einmal! Wenn die BRD nach wie vor die völlige Hoheit hätte, auch im Bereich des Angebotes, wären diverse 'Gesetze' intakt, die zum Beispiel die Versorgung von strukturschwachen Regionen einbeziehen würde. Man könnte dann wiederum als Bürger und Wähler Einfluß auf das Angebot und den Ausbau nehmen, denn schließlich würden ja auch Steuern gezahlt. Die Argumente einer technischen Verbesserung durch Privatisierung, die noch 1986 ins Feld geführt wurden, waren Märchen! Die westliche BRD konnte und durfte zu jener Zeit keine verschlüsselungsfähigen digitalen Netzwerke unterhalten. In Koblenz lagen Anlagen brach, die seinerzeit volldigital den Telegrammdienst automatisieren sollten - zu jener Zeit weltweit eine Novität. Die Anlage konnte aus politischen Gründen nicht in Betrieb gehen, nach außen wurde die nie bestätigte Mär gestreut, die Hardware würde nicht funktionieren. Ich weiß aus erster Hand, daß die Anlage voll operabel war. Das sind politische Entscheidungen, die im Hintergrund ablaufen. Auf die hat der Otto-Normal-Verbraucher wenig Einfluß.
Wirklich bemerkenswert finde ich aber das Anrennen der 'Konsumenten', wenn sie etwas billig haben können und dreistdumme Argumente nachäffen, ohne weiter als das eigene Hemd zu denken. Findige Politiker (man beachte: jene Leute, die bei ihrer dienstlichen Vergatterung einen Eid auf das Wohl des deutschen Volkes leisten - oder, wie in NRW, diesen Passus auch wegstreichen lassen), haben in der Zeit des Wandels flugs die Pferde gewechselt. Mit Sonnenscheinbatterien und Kupferwalzwerken im Familienbesitz eines Postministers fing es eigentlich nicht (mehr) an ...
Das Debakel, das einige bemängeln, ist hausgemacht und dessen sollten sich die konsum- und preisbewußten Damen und Herren gewahr sein. Das Minimax-Prinzip ist längst ad absurdum geführt.
Zurück zur Musikindustrie. Sie kann verlangen, was sie will! Sie ist frei und ungebunden. Ebenso ist es der Kunde, er kann sich frei und ungezwungen auf dem Markt bewegen. Es geht hier um Luxusgüter, keine Grundnahrungsmittel. Wer was haben will, zahlt den gefrderten Preis - oder läßt es bleiben. Alles andere ist Betrug, jede andere Diskussion absurd und dumm.
Nun, wir hacken gerne auf dem Unsinn unserer europäischen Nachbarn herum. Allerdings sind dieKapriolen des eigenen Landes oftmals noch viel witziger. Wer kann sich denn noch an 'German stupid Money' erinnern? Letztlich finanzierte Hollywood mit deutschen Steuergeldern Filme. Noch besser ist es im Bereich der Filmförderfonds bestellt, die ja Ländersache sind. Allen voran das warm regierte Bundesland Berlin. Da wird lieber in B- und C- Filme in den USA 'investiert' (es sind Steuergelder, die für deutsche Künstler förderlich sein sollten, man beachte das!), die allenthalben in einigen Jahren per CD/DVD in die Viedeotheken gelangen, oder via Netzwerk gezogen werden können. Aber Berlin hat keine Mittel, um einen Film über eine deutsche Boxlegende zu (mitzu)finanzieren!
Nun ja ... solange man sich bewußt ist, mit einem Bein in der Illegalität zu stehen und seine Strafe mannhaft und ohne murren in Empfang nehmen kann, soll mir die Piraterie egal sein. Ekelhaft und dreist finde ich aber die Geifere, die unter dem Deckmantel der Moralität ihre Bedürfnisse befriedigen möchten ...