Dieser Begriff kommt ja aus dem Urheberrecht und das wiederum kommt aus dem Bedürfnis, "geistiges Eigentum" zu schützen, um u.A. Künstler einen rechtlichen Schutz vor Plagiaten gewähren zu können. Insofern misst "Schöpfungshöhe" auch erst einmal gar nicht die ästhetische Qualität eines Werks, sondern nur, ob eine ausreichend individuelle geistige Leistung eines Menschen dahintersteht, damit etwas überhaupt als "Werk" im urheberrechtlichen Sinn gilt.
"KI" ist ein Werkzeug, der Schutz (Schöpfungshöhe) fällt z.B. bei Videospielen aber auf die Konzepte, Designs, Level‑Gestaltung, Steuerung des Prozesses usw. Nutzt ein Entwickler ein ML/LLM-Verfahren nur, um dieselbe optische Konsistenz günstiger zu erreichen, ändert das doch in Folge nichts an der "Schöpfungshöhe" der Spielgestaltung. Das ist technologischer Fortschritt in der Produktionskette, etwa so, wie man früher mit neuen Render-Engines oder Shader-Techniken denselben Stil effizienter erreichte.
Der Algorithmus berechnet eine Darstellung, aber die kreative Entscheidung - welches Setting, welche Stimmung, welches Spielgefühl wir mit dieser Darstellung erzeugen wollen - bleibt doch bei den Designern, Entwicklern und Künstlern. Die Schöpfungshöhe liegt im Konzept, in der Level-Gestaltung, im Narrativ, in der Charakterisierung und in der manuellen Steuerung der Tools, nicht darin, welches konkrete Tool nun einzelne Texturen oder Effekte erzeugt.
Wenn ich also ein ML/LLM-basiertes Rendering-Tool in einem Spiel nutze, um dasselbe visuelle Ergebnis mit weniger Rechenaufwand zu erzielen, ist das doch erstmal nur technologischer Fortschritt, solange die Kreativität und Steuerung klar menschlich bleibt und das Ergebnis keine Behauptung über "Realität" macht, also kein Fake-Anspruch vorgetäuscht wird (da bin ich voll bei dir).
Kunst, im engeren Sinn, ist dann eher etwas, was über diese Schöpfungshöhe hinaus auch einen ästhetischen oder kritischen Anspruch hat - unabhängig davon, ob ein Bild per Brush-Tool, Photoshop-Filter, Shader oder ML-Modell gerendert wurde.
Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, ob "KI" Kunst erschaffen kann (oder konkreter gesagt ein Mensch, der ML/LLM-basierte Tools nutzt), sondern ab wann der menschliche Anteil in diesem Schöpfungsprozess so gering wird, dass das Ergebnis zur bloßen "seelenlosen" Simulation kreativer Handlung verflacht.
PS: Mir fällt grad auf, dass ich mich hier inhaltlich mehr auf die "kann KI Kunst/was ist Kunst" Diskussion in den DLSS5 Threads beziehe bzw. dort anknüpfe. Ich lasse das aber mal so stehen, weil letztlich läuft es ja inhaltlich auf dieselbe Diskussion hinaus. ^^