Erkekjetter schrieb:
Und ich sage, so kann man das nicht beurteilen.
Die Erfahrung sagt, daß Nachhaltigkeit konstruiert wird.
Das sehe ich in neuen Produkten immer weniger.
Beim Akkuwechsel bei Handys zum Beispiel sieht es ganz düster aus.
https://geizhals.de/?cat=umtsover&pagesize=30&sort=p&promode=true
Von den ca. 5.400 gefundenen Geräten in dem Preisvergleich sind nur ca. 500 (9.3%) Geräte (mit wechselbarem Akku kaufbar.
Niemand läßt sich ein Gerät mit 100 oder 180.- EUR Restwert nach 5 Jahren den Akku für 100.- EUR wechseln.
Da fliegt die Touchbeule in den Müll.
Man hat gar keine Wahl.
Entweder der Tausch der Teile geht gar nicht oder ist ökonomischer Blödsinn.
Der Kunde kann eben nicht immer selbst bestimmen, ob er nachhaltig ist.
Mein TV hat ein defektes Mainboard gehabt mit diversen, schweren Fehlern.
Natürlich 3 Monate außerhalb der Garantie.
Ein fabrikneues Board hätte im Großmarkt 500.- EUR gekostet.
Das war der Restwert des TVs oder sogar noch mehr.
Dann habe ich ein Gebrauchtteil für unter 100.- EUR bekommen von einem Service-Fachbetrieb.
Das hab ich dann mit Videoanleitung und jahrelanger Erfahrung selber eingebaut.
Der TV läuft seit einem Jahr problemlos damit.
Das kann aber ein unerfahrener Amateur ohne langjährige Reparaturpraxis nicht.
Also fliegt die Kiste in den Elektronikschrott.
Man Der Hersteller will nicht, daß die Kiste repariert wird.
Das wird irgendwie verhindert, technisch oder finanziell mit aberwitzigen Ersatzteilpreisen.
Beim Auto ist es genau so schlimm.
Ein Scheinwerfereinsatz für einen Golf 2 kostete um die 18.- EUR Industriepreis, sagen wir mal 40.- EUR Endkundenpreis. Vier schrauben raus / rein, Birne wechseln und Kappe drauf.
10 Minuten Arbeitszeit die jeder, der die Motorhaube öfnnen konnte, ausführen kann.
Beim Xenon-Brenner war das schon wesentlich komplizierter.
Erst mal ist der Motorraum beim Golf 7 ff, so voll, daß man nur mit Handschuhen arbeiten kann, um sich die Hände nicht aufzureißen.
Dann kommt man auch viel schwerer an den Brennereinsatz heran.
Und man mußte sicherstellen, daß die Hochspannung wirklich abgeschaltet war.
Die allermeisten Werkstätten lösen dafür das Massekabel von der Batterie.
Was die Rücksetzung der Steuergeräte bedeutet, weiß jeder hier.
Ein Xenon Brenner kostet um die 200.- EUR das Paar, Xenon-Scheinwerfer einige hundert Euro beim Ersatz, die neuesten LED-Scheinwerfer bis zu 2.000 EUR pro Stück.
Beim Ersatz eines Scheinwerfers muß die gesamte Stoßstange abmontiert werden.
Das zeigt eindeutig, daß die Industrie gar nicht daran interessiert ist, nachhaltig zu produzieren.
"Schmeiß weg - Kauf neu" ist die Konstruktionsdevise.
Und mit den Ersatzteilpreisen wird das eindeutig dokumentiert.
Ein Xenonbrenner ist rein konstruktionmäßig eine plumpe Gasentladungslampe.
Die besteht aus einem Quarzglasrohr mit zwei eingeschmolzenen Elektroden und etwas Xenon.
Fast noch einfacher, als eine H7-Birne, wo noch das Vakuum stabil sein muß, damit das Wolfram nicht abbrennt.
Wo da die 100.- EUR Herstellungkosten in millionenfacher Massenproduktion herkommen, kann mir mal jemand erklären, wenn ein Hochleistungs-V-MOS Transistor IXFT320N10T2, der 1.000W bei 100A Drainstrom schaltet, so um die 19.- EUR kostet.
Der ist ein kleines bißchen komplizierter herzustellen mit Reinstsilizium, Epitaxial-Planar-Technik und Ladungsträgerimplantation.
Der Kunde hat gar keine Wahl, weil es ausnahmslos alle Firmen so machen.
Ja, es gibt Bereiche, wo man wählen kann, aber oft geht das auch nicht.
Deswegen muß man die Industrie zwingen, servicefreundlich - also nachhaltig - zu produzieren und nicht nur auf den Verbraucher einprügeln, der oft nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat.