Also ich sehe den Thread sehr zwiegespalten. Ich muss dazu sagen, ich bin natürlich auch die "jüngere" Generation <40Jahre und meine Eltern werden selbst in wenigen Jahren in die Rente eintreten. Dazu sind noch Großeltern >80J vorhanden.
Bei einer Seite ist es nun so, dass dies einen landwirtschaftlichen Hof betrifft und dieser vor ca. 25 Jahren an meine Eltern weitergegeben wurde. Damals war die Bedingung für die Weitergabe aber eine sehr große Verpflichtung, für den Unterhalt und Pflege im Alter aufkommen zu MÜSSEN.
Das hat man nicht gemacht, weil es alle Beteiligten so super fanden, sondern weil es schlicht und ergreifend nötig war, das die übergebende Generation überhaupt versorgt war.
Das ist aus meiner Sicht etwas, was heutzutage völlig aus der Praxis genommen wurde, früher aber häufig der normale Standard war. Da wurde sehr detailiert geregelt, was der Erblasser erhält und welche Pflichten der Erbe hat. Das geht über Fahrdienste zu Ärzten und Bereitstellung von Telefon und Internetzugang bis hin zur Festlegung, wieviele Lebensmittel zugänglich gemacht werden müssen.
Ja, natürlich ist es als junger Mensch megageil, viel Erben zu können und so ein entspannteres Leben zu haben. Nicht wenige in meinem Umfeld haben sogar schonmal angedeutet, dass sie bei einem entsprechenden Erbe nur noch Teilzeit arbeiten wollen oder das Geld für Reisen etc. verwenden möchten. Von Vermögensaufbau oder ähnlichem war seltenst die Sprache.
Und dann tut es mir Leid, aber wenn ich solche Dinge höre, bin ich völlig dabei, dass zukünftig erstmal solche Erbmassen aufgebraucht werden bevor wieder die Gemeinschaft zahlen soll.
Diese Erwartungshaltung kennen wir doch von den Unternehmen (Gewinne privatisieren, Verluste verallgemeinern) zu genüge und kritisieren das auch. Warum muss man nun immerwährend die privaten Erbmassen schützen und die Kosten allen aufdrücken, nur damit die Erben ein lockeres Leben führen können?
Es gilt ja der Grundsatz, Eltern haften für ihre Kinder. Nun, Kinder sollten eben auch für ihre Eltern haften (um es recht provokant auszudrücken)
Daher ganz klar meine Meinung: Wer ein Erbe will, der soll sich auch gefälligst um seine Erblasser kümmern. Sei es finanziell oder durch eigenen Einsatz als Pfleger/Kümmerer. Nicht jede Unterstützung ist sofort eine 24/7 Pflege mit schwerer Bettlägerigkeit. Und eben nicht das Erbe mitnehmen und die Bürde dem Staat aufdrücken.
Wenn z.B. mehrere Kinder da sind, kann die Last entsprechend auf alle verteilt werden, oder, wenn sich eine(r) bereiterklärt, das zu übernehmen, auch nur auf eine Person, diese erhält dann aber auch im Erbfall das gesamte Erbe.
Gibt da sicher spannende Familienstreits, wenn einzelne Kinder sich zwar keinesfalls an Pflege oder Betreuung beteiligen, dennoch aber vom Erbe was abhaben möchten.
Wenn aber keines der Kinder die Last möchte, warum soll dann jemand einen Bonus bekommen?
Abschließend ist daher meine Meinung: Ich finde es völlig gerechtfertigt, dass Vermögen zur Deckung von Pflegekosten herangezogen werden darf. Egal, ob das Barmittel, Kunstwerke oder Immobilien sind.
Die aktuell 10 Jahre Rückforderungszeitraum finde ich aber ausreichend, alles davor kann geschont werden. (Wer hier schlau ist, überschreibt z.B. Immobilien und große Wertgegenstände frühzeitig,z.B. zum Beginn der eigenen Rente, jedoch weiterhin mit allen Nutzen und Lasten bei den Gebern. Ist auch eine wichtige, noch verfügbare Möglichkeit bzgl. Schenkungssteuer..., da will u.a. die SPD ja auch ganz gern dran gehen)
Ein Erbe darf gerne auch eine Verpflichtung sein.