@mo schrieb:
Ich hätte es nur nicht schon zu einem so frühen Zeitpunkt so deutlich erwartet.
Voriges Jahr hatte Pogačar das Gelbe sogar schon nach Etappe 4 und fast eine Minute Vorsprung auf Vingegaard, der trotzdem nicht aufgab und nach seinem Etappensieg Hoffnung auf mehr weckte. Andere Vorzeichen, klar, und die Luft war nach zwei Wochen raus, aber ich würde nicht schon jetzt alles schlecht reden.
In früheren Jahren gab es Klagen über einen zu langweilen Start mit vielen Sprint-Ankünften. Dieses Jahr bringt der Parcour viele Klassiker-ähnliche Rennen. Die Siegfahrer sind dann die gleichen, sofern sie am Start stehen. Kleinere Teams tun sich hier schwer und das könnte auf Dauer in der Tat ein Problem werden. Aber aus Zuschauersicht kann ich bisher kein mangelndes Interesse feststellen. Mir kommt es im Gegenteil so vor, als ob der Hype kaum je höher war. Der 100. Sieg von Pogačar im Weltmeistertrikot im Sprint gegen van der Poel in Gelb mit Vingegaard im Schlepptau. Wie gemalt.
Zu viel Erfolg mag erdrückend wirken (und Fragen aufwerfen), aber speziell Pogačar fährt in seinen eigenen Sphären um Rekorde für die Ewigkeit, da setze ich andere Maßstäbe an (und erfreue mich zudem an der kämpferischen Fahrweise, die auch schon nachteilig für den Erfolg war). Die üblichen Kategorien greifen da zu kurz. Auch wenn die Kritik von den unterlegenen Teams, dass für sie nichts mehr bleibt, nachvollziehbar ist und auf Dauer auch problematisch werden könnte, wenn sich Sponsoren zurückziehen. Oder das öffentliche Interesse nachlassen sollte, falls sich eine totale Dominanz ohne ernsthafte Herausforderer einstellen sollte.
Aber ich denke, die Tour wird auch dieses Jahr wieder Geschichten schreiben, die nicht nur die Großen in den Mittelpunkt stellen.
Die heutige Etappe hat leider keine Spannungskurve erbracht. Wieder ein zu erwartender Favoritensieg und leider keine überragenden Leistungen von Vingegaard + Jorgenson. Visma wird weiter versuchen anzugreifen. Das spielt Pogačar in die Karten. Aber noch ist alles drin und die eine oder andere Überraschung können wir noch erleben.