Projekt Silent-Highend-PC

Hallo Zusammen,

ich wollte hier mal mein Projekt vorstellen. Ggf. kommt der Ein oder Andere dabei auch auf neue Ideen ;-)
Ich freue mich über Fragen, Kommentare und Anmerkungen.

1. Projektziel:
Es sollte ein Highend PC entstehen, der praktisch unhörbar ist. Selbst im Hochsommer unter Volllast.
Da am Schreibtisch nur begrenzt Platz ist, habe ich mich dazu entschieden, die Kühlung extern zu realisieren.
Das sorgt natürlich auch für bessere Temperaturen, da keine Gehäuse-Abwärme durch den Radiator gedrückt wird.
Des Weiteren sollte die Hardware sichtbar und einigermaßen "clean" aussehen. LED ist bei allen Komponenten vorhanden, wird aber nur einfarbig angesteuert. Es sollte kein "Las Vegas"-PC entstehen.

2. Hardware:
  • Gehäuse: LianLi Q58 (PCIe 4.0 Edition)
  • Netzteil: ASUS ROG Loki Platinum 850W SFX-L
  • Mainboard: ASUS ROG Strix B650E-I
  • CPU+Kühler: AMD Ryzen 7 7800X3D, TechN Waterblock Ryzen Black Copper RGB
  • RAM: G.Skill Trident Z5 RGB Kit 2x32GB DDR5-6000
  • GPU+Kühler: INNO3D RTX 4090 X3 OC, Alphacool Eisblock Aurora Reference 4090
  • SSD's: 1. Kingston KC3000 2TB, 2. Corsair Force MP510 4TB
  • Lüfter: 2x LianLi Uni Fan 140mm (Gehäuse), 4x Noctua NF-A20 (Radiator)
  • Pumpe+Sensorik: Aquacomputer D5 Next mit Aqualis 800ml + Durchflusssensor high flow next
  • Radiator: Watercool MO-RA3 420
  • Fittinge+Schnellverschlüsse: Alphacool Eiszapfen 13/10mm (gerade, 45°, 90°)

3. Aufbau externer Radiator:
Der Rahmen ist aus ITEM gebaut (40x40 + 80x40). Die Pumpe ist per Adapterplatte am ITEM-Rahmen montiert und doppelt entkoppelt. Das sorgt dafür, dass die Pumpe lautlos Ihren Dienst tun kann. Das Gestell steht auf Gummifüßen. Die Lüfter sind erstmal per Kabelbinder am Radiator befestigt. Da wird sicherlich in naher Zukunft nochmal eine professionellere Montage erfolgen. Versorgt wird das System mit einem externen Netzteil (Molex), da 5+12V gebraucht werden. Auf eine meterlange SATA-Verlängerung aus dem PC habe ich aus praktischen Gründen verzichtet. Einzig ein USB Kabel geht von der Pumpe zum PC.

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4. Aufbau PC:
Grundsätzlich ist das Gehäuse sehr montagefreundlich. Alles kann zerlegt werden und normales Werkzeug reicht vollkommen aus.
Besonders gefällt mir die Lüfter- und RGB Verteilerplatte. So spart man sich einige Kabelwege und bei dem ITX Board hätten mir sowieso einige Anschlüsse für RGB gefehlt.

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Die Montage der Grafikkarte war mit einigem Erfahrungsgewinn verbunden. Ich wollte die Schläuche hinter den GPU Kühler verlegen. Der Riser für die GPU ist deshalb um einen Slot weiter nach Außen versetzt worden. Leider passten die normalen Fittinge aufgrund ihrer Bauhöhe nicht auf die Kühlerrückseite. Das Riser Kabel wäre so stark gequetscht worden, dass es wahrscheinlich beschädigt worden wäre. Außerdem sollte der Durchflusssensor so plaziert werden, dass Ich das Display am Schreibtisch sitzend erkennen kann. Die Lösung waren letztlich "Alphacool HF-L Verbinder", durch die ich etwa 7mm Aufbauhöhe gespart habe.

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Für den Durchflussensor habe ich einen Aluwinkel schwarz lackiert und an der Gehäusemittelwand montiert.

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Die externe Kühlung ist per Schnellverschluss mit dem Gehäuse verbunden. So kann zu Wartungs- und Transportzwecken alles einfach getrennt werden.

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5. Temperaturen:
Ich habe das heiße Wetter genutzt und einen Volllasttest bei 26°C Raumtemperatur gemacht. Das System erzeugt dabei maximal 530W Abwärme, die der Radiator abführen muss. Die Reihenfolge im Kreislauf ist AGB->Pumpe->CPU->GPU->DFS->Radiator
Das bedeutet, die Wassertemperatur in der Pumpe ist Vorlauf (Kalt), die Wassertemperatur des Durchflusssensors ist Rücklauf (Warm).
Zwischen beiden Messpunkten sind unter max. 5.4°K Differenz, zwischen Luft- und Rücklauftemperatur 12°K.
Alle Werte sind absolut im grünen Bereich und der Geräuschpegel ist unverändert. Die höhere Pumpendrehzahl ist ebenso wenig wahrnehmbar, wie Die der Lüfter.
Ich hatte mir zwar niedrigere Temperaturen bei CPU und GPU erhofft, jedoch ist das der Architektur der CPU (3D-Cache) und der aberwitzigen Leistungsaufnahme der GPU geschuldet. Die verwendeten Wärmeleitpads/paste (Thermalright 12.8W/mK und Thermalgrizzly Kryonaut Extreme) gehören schon zu den "Guten".

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6. Zusammenfassung/Erfahrungen:
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das Ziel ist absolut erfüllt und die Kühlleistung bietet genug Reserve für zukünftige HighEnd-Hardware.
Es gibt sicherlich noch einige Baustellen (Lüftermontage am Radiator zb.), denn fertig ist man nie so ganz. Auch war das Ablassen des Wassers nicht sehr praktikabel. Eventuell setzte ich an passender Stelle noch einen Ablasshahn. Harttubes hätten mir auch gut gefallen, vor allem bei der CPU. Jedoch ging es zunächst um die Machbarkeit, ggf. realisiere ich das in nem 2. Step.
Das Netzteil hat mich vom Geräuschpegel unter Last leider nicht überzeugt und ist als einzige Komponente wahrnehmbar.
Der Durchflusssensor liefert unter Anderem auch einen Wert für die elektrische Leitfähigkeit. Die ersten Tests habe ich mit Leitungswasser gemacht. Dort betrug der Wert ca 50µS/cm. Nun ist das System mit destilliertem Wasser gefüllt, der Wert ist auf 4,5µS/cm gesunken. Daraus bildet die Aquasuite dann einen "Wasserqualitätswert" in %. Bis 50µS/cm ist der bei 100%, dann sinkt der Wert schrittweise. Eventuell ist das ein guter Indikator für einen anstehenden Wasserwechsel und eine Reinigung des Systems.

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Also erstmal eins vorweg: Nicer Build! Sehr gute Arbeit!:daumen:
Jetzt das Gejammer. :D
Mr.Courious schrieb:
Fittinge+Schnellverschlüsse: Alphacool Eiszapfen 13/10mm (gerade, 45°, 90°)
Gerade extern wäre ich auf 16/10er EPDM gegangen. Das hat 2 Gründe.
Einmal ist 16/10er Schlauch knickstabiler und lässt damit engere Biegeradien zu.
Außerdem holst du dir mit dem klaren Schlauch die Weichmacherseuche in den Kreislauf und das willst du nicht.
Mr.Courious schrieb:
Zwischen beiden Messpunkten sind unter max. 5.4°K Differenz
Ich bin beeindruckt. Ich habe die Werte gerade in meine schlaue Exceltabelle eingetippt und sie passen beinahe perfekt.
Mr.Courious schrieb:
zwischen Luft- und Rücklauftemperatur 12°K.
Kein Fehler, aber nimm dir lieber die Vorlauftemperatur als Referenzwert. Die gibt besser die Kühlleistung der Wakü an, eben weil es die Temperatur ist, die nach der Abkühlung im Radiator anliegt.
Mr.Courious schrieb:
Alle Werte sind absolut im grünen Bereich und der Geräuschpegel ist unverändert. Die höhere Pumpendrehzahl ist ebenso wenig wahrnehmbar, wie Die der Lüfter.
Gut, da würde ich jetzt nein sagen, aber wenn das für dich ok ist. :)
Mr.Courious schrieb:
Ich hatte mir zwar niedrigere Temperaturen bei CPU und GPU erhofft
Nö, die sehen ganz normal aus, bedenkt man Wassertemperatur, Durchfluss und Leistungsaufnahme.
Mr.Courious schrieb:
Der Durchflusssensor liefert unter Anderem auch einen Wert für die elektrische Leitfähigkeit. Die ersten Tests habe ich mit Leitungswasser gemacht.
Du hast die Wakü danach nicht gespült, oder?
Mr.Courious schrieb:
Nun ist das System mit destilliertem Wasser gefüllt, der Wert ist auf 4,5µS/cm gesunken.
Ja, und inzwischen wieder auf 40 gestiegen. Das könnte mittelfristig problematisch werden. Klar, ist noch weit im grünen Bereich, aber ein so rascher Anstieg gefällt mir nicht. Bei mir ist das Wasser seit... ähm... jedenfalls bestimmt einem Monat drin und ich bin von 8 auf 13 gestiegen. Ist halt nur destilliertes Wasser ohne Korrosionsschutz, weil ich zu faul bin, mal eben 2l abzulassen und bisschen DPU nachzukippen.
 
Danke für die umfangreiche Rückmeldung.
Vom Thema Weichmacher habe ich noch nichts gehört. Das ist mein 3. Custom WaKü-PC und bisher habe ich eher Grünspan beobachtet bei schlecht vernickelten Kühlern. Aber die externen Schläuche und Fittinge mittelfristig mal durchzutauschen ist ja nicht so aufwändig.

Sinusspass schrieb:
Gut, da würde ich jetzt nein sagen, aber wenn das für dich ok ist. :)
Was ist denn "gut" für dich? Ich kann ja nur die Umgebungstemperatur und Radiatorfläche verbessern, wenn ich die zu kühlende Abwärme nicht verringern möchte. Höhere Pumpen- und Lüfterdrehzahlen haben nur wenig Einfluss auf die Wassertemperatur.

Sinusspass schrieb:
Du hast die Wakü danach nicht gespült, oder?
Doch. Der Screenshot von HW-Info ist mit Leitungswasser. Danach habe ich 4x mit destilliertem Wasser gespült und bin bei 4,5µS/cm gelandet. Zwischenzeitlich ist der Wert auf 5,8µS/cm innerhalb von 3 Tagen gestiegen. Ich werde auf jeden Fall noch Korrosionsschutz dazu geben.
 
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Mr.Courious schrieb:
Vom Thema Weichmacher habe ich noch nichts gehört.
Da sind viele auch unaufmerksam und meinen dann irgendwann, sie hätten Algen im Kreislauf. Sind aber Schlieren ausgewaschener Weichmacher mit bisschen Grünspan. Sicher, nur mit destilliertem Wasser als Kühlmittel ist die Gefahr von Weichmacherauswaschungen geringer, aber dein Wasser wird warm genug. Oft sieht man von den ausgewaschenen Weichmachern auch nichts.
Mr.Courious schrieb:
Was ist denn "gut" für dich?
Ich bin bei der Lautstärke etwas pingeliger. Da ist die maximale Drehzahl für eine Pumpe 3000 und Lüfter dürfen nicht über 400. Das muss selbst mitten in der Nacht, wenn man die Armbanduhr ticken hört, unhörbar sein. Und zwar unter Volllast.
Mr.Courious schrieb:
Doch. Der Screenshot von HW-Info ist mit Leitungswasser
👍
Mr.Courious schrieb:
Ich werde auf jeden Fall noch Korrosionsschutz dazu geben.
Solange die Leitfähigkeit niedrig bleibt, musst du das gar nicht.
 
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Ich habe geteilte Meinungen zum Thema destilliertes Wasser und Leitfähigkeit gelesen. Manche berichten/behaupten, dass destilliertes Wasser sehr oxidierend wirkt (https://forum.aquacomputer.de/weitere-foren/english-forum/111658-high-flow-next-and-conductivity/).

Ich hatte eh schon Korrosionsschutz bestellt und bei der Investition kommt es auf 15€ auch nicht mehr an. Deshalb ist nun ein dest. Wasser/ Innovatek Protect Pro - Gemisch im Kreislauf. Die Leitfähigkeit ist dadurch wieder um 2.5 µS/cm nach unten gegangen. Ich bin gespannt, ob der Wert nun stabiler bleibt.
Ergänzung ()

Ich logge den Wert jetzt mal mit in der Aquasuite und schaue mir den Verlauf in ein paar Monaten mal an.
 
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Nun sind ja bereits einige Monate vergangen. Den Leitwert habe ich konstant in einer CSV-Datei mitgeloggt. Da der Leitwert unter anderem temperaturabhängig ist, ist eine gewisse Schwankungsbreite zu erkennen.
(Temperatur ↗ -> Leitfähigkeit ↘)
2,7 µS/cm war der beste Wert und 6,8 µS/cm der Schlechteste. Bei der konstanten Steigung in 4 Zeiträumen war die Wasserpumpe an, der PC jedoch nicht.

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Generell ist die Wasserqualität bezogen auf den Leitwert immer noch sehr gut. Den Durchfluss habe ich nicht aufgezeichnet, jedoch scheint der Wert nicht merklich schlechter geworden zu sein.
 
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