FidelZastro schrieb:
Worauf ich hinaus wollte war eigentlich die Tatsache, dass Intelligenz, Kreativität und eine neugierige, spielerische Art, an unbekanntes heran zu gehen - meiner Meinung nach zwingende Vorraussetzungen für sinnvolle wissenschaftliche Arbeit - nun einmal prinzipiell vollkommen unabhängig vom Elternhaus auftreten.
Ich denke an dem Punkt anders.
Zwar stimmt es, dass diese Talente zu einem gewissen Teil auch genetisch bedingt sind, über die genau Gewichtung weiß die Wissenschaft bis heute ja noch sehr wenig, doch denke ich, dass in erster Linie die Erziehung des Kindes maßgebend für die Entwicklung von Talenten und vor allem die sinnvolle Nutzung eben jener ist.
Es ist heute mehr oder weniger erwiesen, dass man Intelligenz trainieren kann. Und gerade bei Kindern liegt hier noch ein enormes Potential.
Auch auf die Gefahr hin nun klischeehaft zu klingen möchte ich doch hervorheben, dass meist jene Eltern sich intensiv mit der Förderung ihrer Kinder befassen die selbst ein hohes Maß an Intelligenz mit bringen. Ebenso wie das klischeehafte Bild der Hartz IV Familie welche ihre Kinder vor dem Fernseher versauern lässt leider viel zu oft Realität wird.
Der Staat kann hier, so denke ich, einfach nicht die volle Verantwortung übernehmen. Es brächte auch nichts derart schlecht geförderte Kinder für ein paar Stunden am Tag in staatliche Obhut zu nehmen wenn sie danach dann wieder vor dem Fernseher versauern.
FidelZastro schrieb:
Es geht ja nicht darum, dass irgend jemand für die Faulheit anderer Verantwortung übernehmen soll. Es geht um Chancengleichheit die an vielen Stellen nicht bzw. eingeschränkt gegeben ist.
Und genau das sehe ich komplett anders!
Nehmen wir mal die Superreichen raus, die sich 2 Nannies leisten welche ein Studium im Bereich Kinderpsychologie hinter sich haben.
Betrachtet man die breite Masse der deutschen Familien so ist doch noch immer die elterliche Erziehung maßgebend bei der Förderung der Potentiale eines Kindes. Und dafür Bedarf es nun mal vor allem eins: "Hingabe!"
Ich komme aus einer normalen bürgerlichen Familie. Mein Vater Alleinverdiener und 2 Geschwister. Betrachte ich nochmal meine Kindheit und die Schulzeit, so haben meine Eltern an keiner stelle Geld ausgeben müssen, was sich eine Hartz IV Familie nicht hätte leisten können. Vor allem in Zeiten der prägenden Kindheit.
Doch es gab ein paar einfache Grundsätze:
- Die Eltern haben sich gekümmert
- Fernsehen war gerade im Kindesalter nur wenig erlaubt und wenn dann meist im Beisein der Eltern
- Meine Eltern haben mich und meine Geschwister gedrängt viel draußen im Freien zu spielen
- Unterstützung und Hilfe bei den Hausaufgaben in den Anfängen der Schulzeit
- ... (all die noch so folgenden Dinge kosteten kaum Geld)
Und aus mir ist, dass kann ich heute behaupten, ein durchaus intelligenter Mensch geworden was dann auch den beruflichen Erfolg mit sich brachte.
Und ganz ehrlich:
Ich denke dass keine Schule der Welt gut machen kann, was die Eltern in den ersten 6 Jahren ihres Kindes versaut haben.
Du sprichst von Fähigkeiten, die man braucht, um beruflich erfolgreich zu sein. Ich gebe zu, ich neige zum Zynismus, aber das klingt mehr nach der Fähigkeit, sich bestmöglich zu verkaufen, [...]
Sich gut zu verkaufen ist essentiell für beruflichen Erfolg. Dabei sind aber eben auch soziale Kompetenzen ein wichtiger Faktor. Gut verkaufen kann ich mich nämlich nur, wenn ich dazu in der Lage bin auf meinen Mitmenschen einzugehen und zu erkennen, was er wünscht.
Auch braucht mal ein gerüttelt Maß an fachlicher Kompetenz (welche ja meist auch Intelligenz erfordert) um sich gut verkaufen zu können.
[...]Ich kenne niemanden der trotz Arbeit nebenher sein Studium in der Regelstudienzeit abschließen konnte (das bedeutet weitere Kosten und Nachteile am Arbeitsmarkt) und die Möglichkeit einer KfW-Finanzierung gerät zur Farce in Zeiten wo Zinsen in die Höhe schießen und der Verdacht nahe liegt, dass so unter anderem die Fehler gewisser Idioten aus der Chefetage refinanziert werden sollen.
Also bei uns war der Abschluss seines Studiums in Regelstudienzeit eigentlich üblich. Und das obwohl ein großer Teil der Leute Nebenher oder in den Semesterferien gearbeitet hat.
Das die Zinskosten für Studienkredite in Folge der Wirtschaftskrise steigen würden habe ich bisher noch nicht beobachten können. Gerade deswegen gibt es ja die Unterstützung durch die KFW, so soll garantiert werden, dass eben nicht Marktwillkür diesen Sektor der Kreditvergabe dominiert.
http://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/studiendarlehen.php#f3
Für begabte Studenten gibt es nebenbei noch diverse andere Finanzierungsformen die auch erst seid Einführung der Studiengebühren wirklich populär wurden. z.B.
http://www.studienkredit.de/studienkredite-uebersicht/bildungsfonds/
Und Möglichkeiten für Stipendien u.ä. gibt es auch viele.
Hier ist in meinen Augen auch die Wirtschaft gefragt. Und ich erkenne immer mehr, dass diese ihre Verantwortung auch erkennt. Nimm hier allein die ständig steigende Zahl an Dualen Studiengängen bei der ein Unternehmen den Studenten anstellt, ihm meist ein Gehalt zahlt und zusätzlich alle Studienkosten übernimmt.
http://www.vhu.de/vhu/vhuhomepage.n...163A1F989390742EC12574AB0036D941?OpenDocument
Betrachtet man all diese Möglichkeiten so kann ich mir kaum vorstellen, dass in Deutschland wirklich Leute vom Studium abgehalten werden welche das Potential zu einem guten Abschluss haben.
Wenn du gegenteilige Informationen hast würde ich mir die gerne zu Gemüte führen.
Aber schlussendlich bewirken Studiengebühren an den Hochschulen eine Auslese nach der Größe des Bankkontos. Nicht mehr und nicht weniger.
Nein genau das kann man so einfach nicht stehen lassen.
Die Zahl der Möglichkeiten auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel ist heute größer denn je. Und am Rande sind die Studiengebühren nur ein Bruchteil der Kosten die für ein Studium anfallen.
Ich denke viel mehr, dass die Studiengebühren für eine andere Auslese sorgen:
Sie filtern einen Teil der Studenten heraus die ein Studium beginnen ohne eine wirkliche Perspektive zu haben was sie mit diesem Studium erreichen wollen.
Dies wird, in meinen Augen, vor allem durch die Quelle belegt die ich im Post vorher verlinkt habe.
Vom Ebay-Händler der nciht geliefert hat lässt du dich ja auch nicht mit dem Verweis abspeisen, dass du ja noch mal kaufen kannst (Ja ich weiß, der Vergleich hinkt. Aber auch nicht so sehr wie es auf den ersten Blick scheint).
Doch der Vergleich hinkt schon sehr ...
In wie fern haben die Banken denn "nicht geliefert"? Die Krise ist doch unter anderem deswegen entstanden, dass man Kredite ausgegeben hat die heute nicht mehr zurück gezahlt werden können.
Studienkredite gibt es heute noch immer. In den Verträgen sind die Zisen in aller Regel fix und es kann nicht passieren, dass man hinterher sein blaues Wunder erlebt.
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Natürlich haben es Kinder aus reichen Familien leichter. Keine Frage.
Sicher ist es bequemer einfach jeden Monat von Mama und Papa 2000€ überwiesen zu bekommen um das Studium zu bestreiten.
Doch macht sie das besser? Haben wir deshalb eine Ungleichheit der Chancen?
Oder haben es sich die Eltern dieser Kinder durch ihre Arbeit nicht auch irgendwie verdient, dass sie ihren Kindern diesen "Luxus" gönnen können?
Wie will man überhaupt absolute Chancengleichheit herstellen wenn die Eingangsvoraussetzungen derart unterschiedlich sind? Ist dieser Versuch nicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt?