Studiengebühren, wie hoch sollten sie maximal sein?

Wie hoch dürften Studiengebühren pro Semster sein?


  • Umfrageteilnehmer
    221
Hört sich alles recht toll an, dass Ihr die Studiengebühren in den Investitionen an den Uni`s und FH`s spürt, allerdings dürfte sich, bei gutem wirtschaftlichen Umgang mit den Steuergeldern, ein entsprechnedes System zur Bildungsfinanzierung finden lassen. Ich bin einfach der Meinung, dass der Staat genügend Einnahmequellen hat und auch reichlich in die Kassen gepült wird, wenn aber inkompetente Regierende das Geld zum Fenster verheizen es im Endeffekt auch nicht langt, wenn sie doppelt so viel einnehmen würden. Würde ein Unternehmen so wirtschaften wie der Staat, hätte es überhaupt keine Chance zu überleben. Jedem faulen Sack wird das Geld monatlich in den Rachen geworfen, aber für Bildung soll kein Geld da sein? Und im Endeffekt geht es ja nicht darum die Langzeitstudenten von den FH`s und Uni`s zu entfernen. Diese Studenten sind schon genügend mit der späteren Ausredensuche bestraft ;), weshalb das Studium so lange gedauert hat.
 
Die Frage ist doch wer die Studienbildung bezahlen soll.

Sollen wirklich alle Steuerzahler, also auch all jene die nicht direkt von den Unis oder FHs profitieren, zur Kasse gebeten werden um Akademikern ihre Ausbildung und damit auch ihre besseren Startbedingungen ins Berufsleben zu subventionieren?

Oder sollten lieber jene stärker zur Kasse gebeten werden die hinterher auch von dieser Ausbildung profitieren? Die Studiengebühren führen hoffentlich zu einer Regulierung die dazu führt, dass der angehende Student sich schon überlegt ob er mit seinem Studiengang hinterher auch Geld genug verdient um die angefallenen Kosten auch zurück zahlen zu können. Es ist also gut, wenn in dem ein oder anderen Studienfach die Studenten durch die Kosten von einem Studium abgeschreckt werden und dafür vllt. lieber eine Ausbildung machen bei der ihre Jobaussichten besser wären.

Es nutzt unserer Gesellschaft nämlich rein gar nichts, wenn es einfach nur viele Studenten gibt.
Diese Studenten müssen auch das studieren, was in unserer Wirtschaft gebraucht wird und sie müssen die Qualifikationen erlangen die der Gesellschaft hinterher von Nutzen sind.

Studenten im Ingenieurwissenschaftlichen Bereich haben heute die Chance schon mitten im Studium ein Jobangebot zu bekommen. Nahezu 100% der Studienabgänger finden binnen kürzester Zeit eine Anstellung. Die Löhne in diesem Bereich sind fast immer deutlich über denen eines Facharbeiters. Eine Rückzahlung des Kredites der für die Zahlung der Studiengebühren aufgenommen wurde ist also ohne weiteres möglich...

Das Argument, dass man Schülern aus finanzschwachen Familien durch die Studiengebühren das Studieren unmöglich machen würde kann also so einfach nicht stehen bleiben. Zumal die KFW die Vergabe von Studienkrediten fördert und sie nahezu jeder Student für sein Erststudium bekommen kann. http://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/studienkredit_kfw.php
 
Adam_Smith schrieb:
Es nutzt unserer Gesellschaft nämlich rein gar nichts, wenn es einfach nur viele Studenten gibt.
Die Studenten nützen der Gesellschaft nichts. Die Akademiker danach aber um so mehr.
Ich habe es schon mehrmals geschrieben:
Die einzige nennenswerte Ressource in Deutschland war/ist schon immer die Bildung bzw. das daraus resultierende Wissen. Eine Investition in die Bildung/Wissen ist also enorm wichtig und unabdingbar! Bildung und Wissen hat Deutschland zu dem gemacht, was es ist.
Von daher ist deine Argumentation "Arbeiter finanzieren Akademiker ihre Ausbildung" nicht sehr weit blickend.
Und willst du jetzt haben, dass jeder nur noch für das zahlen muss, was ihm auch direkt nutzt bzw. jeder muss so viel zahlen, wie er auch nutzen daraus zieht? Dann versuche das mal bei der Krankenversicherun einzuführen. Wer sich "entscheidet" einmal wirklich schwer krank zu werden oder einen Unfall zu haben, darf dann bis an sein Lebensende richtig dafür blechen. Ist ja nur fair denen gegenüber, die in ihrem Leben nie ernsthaft krank geworden sind...

Jemand der mehr verdient, zahlt außerdem auch mehr Steuern. Also nutzt er der Gesellschaft schon ab dem ersten Tag seines (auch nicht immer) höheren Verdienstes etwas.

Es gibt außerdem auch genug Beispiele von Hochschulabsolventen, die zwar gebraucht werden, aber trotzdem keinen finanziellen Vorteil gegenüber nicht Akademikern haben. Beispiel: Grundschullehrer.
Sie durchlaufen eine lange "Ausbildungszeit" und haben keinen finanziellen Nutzen (vor allem wenn man die Kosten des Studiums und den Verdienstausfall berücksichtigt).
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja die Mähr vom total schlecht bezahlten Grundschullehrer scheint sich ja schön zu halten...

Also ein Grundschullehrer wird, zumindest in zwei der bevölkerungsreichsten Bundesländer Deutschlands (NRW und Niedersachsen) in der Regeln schnell nach dem Berufseinstieg verbeamtet. Dort werden sie in der Regel mit der Besoldungsgruppe A12 eingestellt. Da fängt man mit mindestens 2000€ Netto/ Monat an (die private Krankenkasse, veranschlagt mit 200€/Monat ist da schon drinne).

Bei einer Familie mit 2 Kindern und dem Grundschullehrer als einzigen Verdiener (Steuerklasse III) sowie einer veranschlagten privaten Krankenkasse von 400€/Monat bedeutet das in Niedersachsen ganze 2300€ Netto.

Mit steigendem Dienstalter steigen die Bezüge bis auf 3100€ Netto.

Dazu einen Kündigungsschutz auf Lebenszeit...

-------------------------

Die einzige nennenswerte Ressource in Deutschland war/ist schon immer die Bildung bzw. das daraus resultierende Wissen. Eine Investition in die Bildung/Wissen ist also enorm wichtig und unabdingbar! Bildung und Wissen hat Deutschland zu dem gemacht, was es ist.

Ich stimme dir zu. Doch die Frage ist ob hunderte BWL Absolventen die hinterher auf der Straße stehen Deutschland weiter bringen ... vielleicht würde es hier auch reichen, wenn so viele Leute das Studium absolvieren wie auch wirklich benötigt werden. Aber das nur am Rande.

Es ist ja auch nicht so, dass die Allgemeinheit wegen der Studiengebühren auf einmal gar keine Kosten mehr trägt ...

Dennoch sollte die Frage gestattet sein ob man nicht jene stärker zur Kasse bittet, die direkt von der erbrachten Leistung profitieren vor allem da sie es sich ja leisten können. Würden sie es sich nicht leisten können so wäre das alles sicher eine andere Geschichte.

Insofern ist der Verweis auf die Krankenkassen nicht statthaft, da dies eine Solidargemeinschaft ist welche vor allem jene schützen soll die aufgrund der Kosten zur Behandlung ihrer Krankheiten in den Ruin getrieben werden würden wenn es diese Solidargemeinschaft nicht gäbe.

Das Argument der höhrern Steuern habe ich dir über das Beispiel der Meisterschule ja bereits widerlegt. Hier zahlen die Leute schön selber für ihre weitere Qualifikation und bezahlen hinterher dennoch mehr Steuern...
Wenn ich mich nach der Erreichung des ersten akademischen Titels weiterbilde, dann zahle ich dafür meist auch selbst. Dennoch zahle ich mehr Steuern, wenn ich später aufgrund der Zusatzqualifikationen ein höheres Einkommen erhalte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Über das Gehalt von Grundschullehrer lässt sich vortrefflich streiten. Habe selbst einen in der Familie ;).

Das Studium ist wie eine Ausbildung, die erste (mehr oder weniger stark) berufsorientierte Weiterbildung.
Jede Weiterbildung, wie du auch schon richtig bemerkt hast, kostet Geld (und das in jedem Bereich).
Bekommen Ausbildende Unternehmen keine Unterstützung vom Staat?
Der Auszubildende muss nicht mal für seine erste Ausbildung zahlen, nein, er bekommt auch noch Geld für seine Ausbildung. Warum sollte dann ein Student also für seine Ausbildung unbedingt zur Kasse gebeten werden?

Warum sieht man dann nicht auch nicht die Investition in die Bildung unter dem Punkt der Solidargemeinschaft? Nur eben im positiven Sinn (also der Gemeinschaftspool dient zur Förderung und nicht zum Auffangen von andernfalls Mittellosen).

Es ist natürlich ein Problem, dass viele einfach nur studieren, damit sie "halt studiert haben". Das trifft leider häufig auf Geisteswissenschaftler zu (man merkt, ich komme nicht aus diesem Bereich ;)).
Wenn man jetzt das Studium so gestaltet, dass der finanzielle Aspekt stark im Vordergrund steht (möglichst viel Verdienen, damit sich das Studium trotz des Verdienstausfalls und der Kosten gelohnt hat), dann gräbt man diesen Studiengängen das Wasser ab (die aber trotzdem auch gebraucht werden. wenn auch nicht in der Masse, wie es Leute studieren).

Dass es speziell in nicht zulassungsbeschränkten Studiengängen viele Absolventen gibt, die keinen Job finden, ist ein Problem. Dann muss man einfach stärker im Studium aussieben oder strengere Kriterien für die Zulassung aufstellen. Das kann man aber nicht mit höheren Studienbeiträgen lösen.

Ich wäre eher für eine leistungsbezogenere Gestaltung des Studiums:
- Studium in der Regelstudienzeit bleibt kostenlos oder kostet nur einen geringen Betrag (z.B. 200€)
- Regelstudienzeit verkürzen (kein Mensch braucht für den Stoff von Geographie und Geschichte 10 Semester... (außer man will natürlich im Sommer jeden Nachmittag ins Freibad und im Winter auf den Weihnachtsmarkt...)) und optimieren
- Beim Überschreiten der Regelstudienzeit kostet es deutlich mehr (z.B. 1000€ pro Semester)

So motiviert man die Leute, möglichst schnell die Uni wieder zu verlassen, senkt die Kosten und trotzdem wird niemand finanziell daran gehindert, ein Studium zu beginnen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du vergisst das der aktive Auszubildende fuer die Firma auch Leistungen erbringt, z.B. KFZ Mechaniker (oder ist es Mechatroniker?). Man lernt in der Schule autos zu reparieren und wendet das dann unter Anleitung vom Meister in der Ausbildung dann an und tut somit was fuer deN Laden. Bei einer rein schulischen Ausbildung zum Kaufmann fuer ein Fachabitur bekommt man auch keinen Cent und muss sogar noch draufzahlen. Ist ja auch richtig so, man traegt ja auch nicht wirklich dazu bei das Kapital der Schule aufrecht zu erhalten oder zu erhoehen.
 
@ FreddyMercury

In naturwissenschaftlichen Studiengängen bringst du mit Pflichtforschungspraktika auch eine Leistung für den Lehrstuhl. Und das völlig gratis...
Warum sträuben sich viele Unternehmen dann so, Auszubildende aufzunehmen bzw. warum ist eine staatliche Unterstützung solcher Unternehmen dann überhaupt notwendig? Auszubildende kosten speziell am Anfang Geld und Zeit. Außerdem: Was ist in der Zeit in der Berufsschule? Da wird auch nichts geleistet, was dem Unternehmen nützt.

Edit:
Und schau doch einmal nach dem Studium. Was ist mit einem Referendariat bzw. dem praktischen Jahr.
Da bekommt die Gesellschaft top ausgebildete Leute zum Hungerlohn oder sogar Nulltarif (wenn auch nur für eine begrenzte Zeit)...
Da wird halt dann nach dem Studium etwas geleistet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin dafuer, die Studiengebuehren wieder abzuschaffen.
Denn mal ehrlich, durch die Studiengebuehren wurden die Zustaende an den Unis kein bisschen verbessert, das weiss ich durch Berichte von mit mir befreundeten Studenten.
Zudem empfinde ich diese deryeit hohen Gebuehren als teilweise diskriminierend f[r solche jungen Leute, die nicht aus wohlhabenden Familien kommen und so vielleicht Unterstuetyung durch die Eltern bekommen.

Mit einem Studium will man seine Jobchancen auf dem Markt erhoehen und im besten Fall eben dann einen Job bekommen in der Sparte wo man studiert hat und die einem gefaellt.

Das wird dann den Otto-Normal Sterblichen Studenten erheblich erschwert, ebenso wie Leuten, die aus der sogenannten Unterschicht kommen und durch ihr Studium vielleicht aus der Misere rauskommen wollen.

Bildung sollte fuer alle moeglich sein, auch ohne sich durch z.B. einen Studienkredit verschulden zu muessen.
Aber Bildung ist in DE schon lange nicht mehr kostenlos.

Klar, an den oeffentlichen Schulen muss man kein Schulgeld zahlen, aber wenn man mal ueberlegt, was da in einem Jahr an Kosten fuer sonstige Schulmaterialien zusammenkommen, kann einem schlecht werden.

Bildung ist wichtig, um spaeter im Berufsleben voran zu kommen, das gilt insbesondere fuer Kinder und Jugendliche, die aus der Unterschicht stammen.
Aber gerade auf dem Gymnasium gibt es im Jahr immer wieder mal Kosten, dafuer gibt es in den meisten Faellen auch keine Hilfe, das habe ich ja selbst erfahren, als ich in der Oberstufe auf dem Gymnasium war.

Da musste dann eben mal teures Material fuer den Kunstunterricht her oder es wurde mal eben ein teures Buch gebraucht fuer ca. 30 Euronen.

Durch meine Eltern war ich damals Inventar einer Bedarfsgemeinschaft und war abhaengig von Hartz 4.
Wir lebten extrem sparsam, und doch war es immer sehr hart an der Schmerzgrenze.
Hilfe fuer Schulbuecher gab es am Schuljahresanfang, jedoch war es eben haufig so, das die meisten Ausgaben mitten ins Schuljahr fielen, da bekam man dann keine Hilfe mehr.

Klar, jetzt koennte ein Aussenstehender sagen , man haette sich ja noch den Freibetrag von 120 Euro dazuverdienen koennen.
Ja, haette man, aber ich war als gewechseltye Realschuelerin durchgaenig damit beschaeftigt, mit dem Schulstoff mitzukommen.
Da war ein Nebenjob zeitlich wirklich leider nicht drin.

Bildung sollte fuer alle zugaenglich sein - deswegen bin ich fuer die abschaffung der Studiengebuehren.
Und - wie bereits erwaehnt den Unis brachten die Gebuehren sowieso nichts.
 
Adam_Smith schrieb:
Die Frage ist doch wer die Studienbildung bezahlen soll.

Sollen wirklich alle Steuerzahler, also auch all jene die nicht direkt von den Unis oder FHs profitieren, zur Kasse gebeten werden um Akademikern ihre Ausbildung und damit auch ihre besseren Startbedingungen ins Berufsleben zu subventionieren?

Selbstverständlich profitieren im Endeffekt die Steuerzahler von den Fachkräften, wenn ich mal allein als Grundlage die späteren Abgaben eines Akademikers nehme, da die meisten sich ja sicher sind, tausende von Euros mehr zu verdienen, wenn sie denn studiert haben. Und nicht zu vergessen, dass Akademische Fachkräfte ebenso Jobs schaffen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Am besten die gehören abgeschafft, kann ja nicht sein dass die in manchen Bundersländer gezahlt werden müssen und in manchen nicht. Bildung sollte ausserdem Sache des Bundes und nicht der Länder sein. Ist eine schwachsinnige Regelung die immer noch in unseren Gesetzen bestand hat.
 
Deutschland hat (abgesehen von ein paar alten Salzbergwerken in denen wir verbrauchte Brennstäbe lagern können) keine wirtschaftlich relevanten Ressourcen neben dem geistigen Kapital unserer Fachkräfte.

Die Ausbildung des ohnehin immer weniger werdenden Nachwuchses abhängig vom Elternhaus zu machen ist nicht nur wisenschaftlich höchst Problematisch (der Geldadel hat noch lange nicht die Intelligenz für sich gepachtet) und m.m.n. nicht mit unserer juristischen und ideellen Grundordnung vereinbar, sondern vor allem die größte politische Wahnsinnsphantasie seit der Zeit als man glaubte, dass Atomwaffen die Menschen schützen und nicht gefährden würden.

Auf lange Sicht ist diese Entwicklung nichts als der ökonomische Selbstmord unserer Volkswirtschaft!
 
Zuletzt bearbeitet:
FidelZastro schrieb:
Die Ausbildung des ohnehin immer weniger werdenden Nachwuchses abhängig vom Elternhaus zu machen ist nicht nur wisenschaftlich höchst Problematisch [...]

Ist es nicht so, dass dieser Zusammenhang (Ausbildung und Elternhaus) quasi zwingend ist? Das Elternhaus ist nun einmal prägend für die Entwicklung des Kindes. Daran kann und sollte der Staat nichts grundsätzliches ändern.

Insofern sind Studien die z.B. einen Zusammenhang zwischen den sozialen Verhältnissen der Eltern und dem Werdegang der Kinder herstellen immer recht problematisch.

Ich sehe es als falsch aus der Tatsache, dass z.B. Kinder aus Hartz IV Familien im Durchschnitt einen schlechteren Bildungsstand haben als Kinder von Arbeitnehmerfamilien, gleich einen Vorwurf für unsere Politik zu generieren.

Man darf eben auch nicht verkennen, dass Kinder von Eltern die langzeitarbeitslos sind oft auch einfach nicht die Dinge anerzogen bekommen die man für beruflichen Erfolg braucht. Das ist keine Pauschalisierung! Sicher gibt es auch anders gelagerte Fälle.

Ich habe selbst noch viel Kontakt zu Studenten. Und ich habe bis jetzt auch viele Studenten erlebt die trotz einer Familie mit einem geringen Einkommen ein Studium begonnen haben. Sie waren gerne bereit für die Semestergebühren noch mehr nebenher zu arbeiten oder ggf. einen von der KFW geförderten Studienkredit aufzunehmen.

Allerdings waren das allesamt Studenten eines Studiengangs der hinterher auch sehr gute Berufsaussichten versprach.

Für mich sind mit der Einführung der Studiengebühren zwei Fragen entscheidend gewesen:

1.) Bringt die Einführung eine signifikante Verbesserung bei der Finanzsituation unserer Hochschulen?

2.) Gibt es für alle jungen Leute die Studieren wollen diese Studiengebühren (ggf. auch über einen Kredit) zu finanzieren.

Bei beiden Fragen fallen die Antworten im Grunde doch eher positiv als negativ aus.
 
@Adam
Zu deinem 1. Punkt: NEIN! Bringt es nicht, die Studiengebühren werden irgendwie rausgehauen weil die FH Überschuss hatte.

Wo kann man eigentlich nachlesen (gut kann man suchen, aber vielleicht kennt jemand einen guten Bericht) wie die Einnahmen durch die Studiengebühren verteilt werden und inwiefern dadurch der Staat erleichter wird bzw. in dem Fall das Bundesland?
 
Nun ich schrieb explizit von meinen persönlichen Erfahrungen. Was nun an deiner FH geschieht kann ich nicht beurteilen.

Allerdings gibt es auch hier im Thread bereits die ein oder andere Schilderung die zeigt, dass seid der Einführung der Studiengebühren die Ausstattung bestimmter Hochschulen durchaus besser geworden ist.

/edit:

Ein Bericht über den Umgang mit Studiengebühren.

http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/166756/


Hier sieht man auch, dass die Studiengebühren nicht so stark negativ wirken wir gemeinhin behauptet wird.

Die Zahl derer die sich wegen der Studiengebühren gegen ein Studium entscheiden ist doch eher gering. Bleibt die Frage ob das nicht genau jener Prozentsatz ist, der das Studium nur angefangen hätte weil man sonst nichts anderes in Aussicht hatte und man so den Weg des geringsten Widerstandes gewählt hat. Soll jeder für sich selbst interpretieren.
http://www.internationalstudentsclu...n_1/global_recruiting/128.html?infoView=18139
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Adam_Smith und danke für deinen umfangreichen Beitrag!

Exemplarisch für die Grundattitüde deines ersten Beitrags möchte ich diese beiden Thesen aufgreifen:
Ich sehe es als falsch aus der Tatsache, dass z.B. Kinder aus Hartz IV Familien im Durchschnitt einen schlechteren Bildungsstand haben als Kinder von Arbeitnehmerfamilien, gleich einen Vorwurf für unsere Politik zu generieren.

Man darf eben auch nicht verkennen, dass Kinder von Eltern die langzeitarbeitslos sind oft auch einfach nicht die Dinge anerzogen bekommen die man für beruflichen Erfolg braucht. Das ist keine Pauschalisierung! Sicher gibt es auch anders gelagerte Fälle.

Ich habe bewusst nicht von beruflichem Erfolg geredet. Worauf ich hinaus wollte war eigentlich die Tatsache, dass Intelligenz, Kreativität und eine neugierige, spielerische Art, an unbekanntes heran zu gehen - meiner Meinung nach zwingende Vorraussetzungen für sinnvolle wissenschaftliche Arbeit - nun einmal prinzipiell vollkommen unabhängig vom Elternhaus auftreten. Natürlich werden bestehende Talente an vielen Stellen nicht oder falsch gefördert (auch das geschieht eigentlich weitgehend unabhängig vom "sozialen Status"), es mag auch sein dass dies in den von dir angesprochenen Schichten öfter der Fall ist.

Wenn hier eine strukturelle Ungerechtigkeit besteht, dann darf man dies auch nicht zu einem plumpen Vorwurf an 'die Politiker' machen, sondern dann herrscht in der ganzen Gesellschaft eine gewisse Schieflage. Es geht ja nicht darum, dass irgend jemand für die Faulheit anderer Verantwortung übernehmen soll. Es geht um Chancengleichheit die an vielen Stellen nicht bzw. eingeschränkt gegeben ist. Und rein aus der Perspektive der deutschen Gesellschaft als Ganzes betrachtet können wir uns schlichtweg nicht leisten, dass einige kluge Köpfe aufgrund bestehender Ungleichgewichte ihr Potential nicht ausschöpfen können. Und hierbei geht es nicht um den Neid auf den Gehaltsscheck der Eltern meines Banknachbarn der immer mit dem A6 zur Uni fährt sondern viel mehr um die Frage, was passiert wenn zig millionen starke Jahrgänge aus China und Indien gut ausgebildet auf den internationalen Arbeitsmarkt drängen.

Du sprichst von Fähigkeiten, die man braucht, um beruflich erfolgreich zu sein. Ich gebe zu, ich neige zum Zynismus, aber das klingt mehr nach der Fähigkeit, sich bestmöglich zu verkaufen, und nicht nach fachlicher oder menschlicher Kompetenz. Zm Thema Studienfinanzierung: ich behaupte ja nicht, dass Studiengebühren Kinder einkommensschwacher Familien von der Hochschulbildung ausschließen. Nichtsdestotrotz ist dies eine enorme Benachteilligung. Ich kenne niemanden der trotz Arbeit nebenher sein Studium in der Regelstudienzeit abschließen konnte (das bedeutet weitere Kosten und Nachteile am Arbeitsmarkt) und die Möglichkeit einer KfW-Finanzierung gerät zur Farce in Zeiten wo Zinsen in die Höhe schießen und der Verdacht nahe liegt, dass so unter anderem die Fehler gewisser Idioten aus der Chefetage refinanziert werden sollen.

Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz meinte einmal, dass an Studiengebühren kein Weg vorbei führe und die Aufgabe von Wirtschaft und Politik eher darin bestehe, für mindestens die Hälfte der Studierenden ein Stipendium anzubieten. Wenn dies jemals Realität wird bin ich vielleicht auch ein Freund von Studiengebühren. Unter diesen Aspekten ist die Einführung dieser mindestens verfrüht vonstatten gegangen. Auch Langzeitstudiengebühren wie sie heutzutage häufig gefordert werden halte ich im Kern für keine schlechte Sache.

Aber schlussendlich bewirken Studiengebühren an den Hochschulen eine Auslese nach der Größe des Bankkontos. Nicht mehr und nicht weniger. Ich möchte nicht unterstellen, dass dies Absicht oder Methode sei, aber es ist eine zwingende Folge aus der bestehenden Situation! Davor darf man sich nicht verschließen. Verweise auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten sind zwar nicht falsch, entbehren aber auch nicht eines unfreiwilligen Zynismus. Vom Ebay-Händler der nciht geliefert hat lässt du dich ja auch nicht mit dem Verweis abspeisen, dass du ja noch mal kaufen kannst (Ja ich weiß, der Vergleich hinkt. Aber auch nicht so sehr wie es auf den ersten Blick scheint).
 
FidelZastro schrieb:
Worauf ich hinaus wollte war eigentlich die Tatsache, dass Intelligenz, Kreativität und eine neugierige, spielerische Art, an unbekanntes heran zu gehen - meiner Meinung nach zwingende Vorraussetzungen für sinnvolle wissenschaftliche Arbeit - nun einmal prinzipiell vollkommen unabhängig vom Elternhaus auftreten.

Ich denke an dem Punkt anders.

Zwar stimmt es, dass diese Talente zu einem gewissen Teil auch genetisch bedingt sind, über die genau Gewichtung weiß die Wissenschaft bis heute ja noch sehr wenig, doch denke ich, dass in erster Linie die Erziehung des Kindes maßgebend für die Entwicklung von Talenten und vor allem die sinnvolle Nutzung eben jener ist.

Es ist heute mehr oder weniger erwiesen, dass man Intelligenz trainieren kann. Und gerade bei Kindern liegt hier noch ein enormes Potential.

Auch auf die Gefahr hin nun klischeehaft zu klingen möchte ich doch hervorheben, dass meist jene Eltern sich intensiv mit der Förderung ihrer Kinder befassen die selbst ein hohes Maß an Intelligenz mit bringen. Ebenso wie das klischeehafte Bild der Hartz IV Familie welche ihre Kinder vor dem Fernseher versauern lässt leider viel zu oft Realität wird.

Der Staat kann hier, so denke ich, einfach nicht die volle Verantwortung übernehmen. Es brächte auch nichts derart schlecht geförderte Kinder für ein paar Stunden am Tag in staatliche Obhut zu nehmen wenn sie danach dann wieder vor dem Fernseher versauern.

FidelZastro schrieb:
Es geht ja nicht darum, dass irgend jemand für die Faulheit anderer Verantwortung übernehmen soll. Es geht um Chancengleichheit die an vielen Stellen nicht bzw. eingeschränkt gegeben ist.

Und genau das sehe ich komplett anders!

Nehmen wir mal die Superreichen raus, die sich 2 Nannies leisten welche ein Studium im Bereich Kinderpsychologie hinter sich haben.
Betrachtet man die breite Masse der deutschen Familien so ist doch noch immer die elterliche Erziehung maßgebend bei der Förderung der Potentiale eines Kindes. Und dafür Bedarf es nun mal vor allem eins: "Hingabe!"

Ich komme aus einer normalen bürgerlichen Familie. Mein Vater Alleinverdiener und 2 Geschwister. Betrachte ich nochmal meine Kindheit und die Schulzeit, so haben meine Eltern an keiner stelle Geld ausgeben müssen, was sich eine Hartz IV Familie nicht hätte leisten können. Vor allem in Zeiten der prägenden Kindheit.
Doch es gab ein paar einfache Grundsätze:

- Die Eltern haben sich gekümmert
- Fernsehen war gerade im Kindesalter nur wenig erlaubt und wenn dann meist im Beisein der Eltern
- Meine Eltern haben mich und meine Geschwister gedrängt viel draußen im Freien zu spielen
- Unterstützung und Hilfe bei den Hausaufgaben in den Anfängen der Schulzeit
- ... (all die noch so folgenden Dinge kosteten kaum Geld)

Und aus mir ist, dass kann ich heute behaupten, ein durchaus intelligenter Mensch geworden was dann auch den beruflichen Erfolg mit sich brachte.

Und ganz ehrlich:

Ich denke dass keine Schule der Welt gut machen kann, was die Eltern in den ersten 6 Jahren ihres Kindes versaut haben.

Du sprichst von Fähigkeiten, die man braucht, um beruflich erfolgreich zu sein. Ich gebe zu, ich neige zum Zynismus, aber das klingt mehr nach der Fähigkeit, sich bestmöglich zu verkaufen, [...]

Sich gut zu verkaufen ist essentiell für beruflichen Erfolg. Dabei sind aber eben auch soziale Kompetenzen ein wichtiger Faktor. Gut verkaufen kann ich mich nämlich nur, wenn ich dazu in der Lage bin auf meinen Mitmenschen einzugehen und zu erkennen, was er wünscht.
Auch braucht mal ein gerüttelt Maß an fachlicher Kompetenz (welche ja meist auch Intelligenz erfordert) um sich gut verkaufen zu können.

[...]Ich kenne niemanden der trotz Arbeit nebenher sein Studium in der Regelstudienzeit abschließen konnte (das bedeutet weitere Kosten und Nachteile am Arbeitsmarkt) und die Möglichkeit einer KfW-Finanzierung gerät zur Farce in Zeiten wo Zinsen in die Höhe schießen und der Verdacht nahe liegt, dass so unter anderem die Fehler gewisser Idioten aus der Chefetage refinanziert werden sollen.

Also bei uns war der Abschluss seines Studiums in Regelstudienzeit eigentlich üblich. Und das obwohl ein großer Teil der Leute Nebenher oder in den Semesterferien gearbeitet hat.

Das die Zinskosten für Studienkredite in Folge der Wirtschaftskrise steigen würden habe ich bisher noch nicht beobachten können. Gerade deswegen gibt es ja die Unterstützung durch die KFW, so soll garantiert werden, dass eben nicht Marktwillkür diesen Sektor der Kreditvergabe dominiert.
http://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/studiendarlehen.php#f3

Für begabte Studenten gibt es nebenbei noch diverse andere Finanzierungsformen die auch erst seid Einführung der Studiengebühren wirklich populär wurden. z.B.
http://www.studienkredit.de/studienkredite-uebersicht/bildungsfonds/

Und Möglichkeiten für Stipendien u.ä. gibt es auch viele.
Hier ist in meinen Augen auch die Wirtschaft gefragt. Und ich erkenne immer mehr, dass diese ihre Verantwortung auch erkennt. Nimm hier allein die ständig steigende Zahl an Dualen Studiengängen bei der ein Unternehmen den Studenten anstellt, ihm meist ein Gehalt zahlt und zusätzlich alle Studienkosten übernimmt.

http://www.vhu.de/vhu/vhuhomepage.n...163A1F989390742EC12574AB0036D941?OpenDocument

Betrachtet man all diese Möglichkeiten so kann ich mir kaum vorstellen, dass in Deutschland wirklich Leute vom Studium abgehalten werden welche das Potential zu einem guten Abschluss haben.
Wenn du gegenteilige Informationen hast würde ich mir die gerne zu Gemüte führen.

Aber schlussendlich bewirken Studiengebühren an den Hochschulen eine Auslese nach der Größe des Bankkontos. Nicht mehr und nicht weniger.

Nein genau das kann man so einfach nicht stehen lassen.

Die Zahl der Möglichkeiten auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel ist heute größer denn je. Und am Rande sind die Studiengebühren nur ein Bruchteil der Kosten die für ein Studium anfallen.

Ich denke viel mehr, dass die Studiengebühren für eine andere Auslese sorgen:
Sie filtern einen Teil der Studenten heraus die ein Studium beginnen ohne eine wirkliche Perspektive zu haben was sie mit diesem Studium erreichen wollen.
Dies wird, in meinen Augen, vor allem durch die Quelle belegt die ich im Post vorher verlinkt habe.

Vom Ebay-Händler der nciht geliefert hat lässt du dich ja auch nicht mit dem Verweis abspeisen, dass du ja noch mal kaufen kannst (Ja ich weiß, der Vergleich hinkt. Aber auch nicht so sehr wie es auf den ersten Blick scheint).

Doch der Vergleich hinkt schon sehr ...
In wie fern haben die Banken denn "nicht geliefert"? Die Krise ist doch unter anderem deswegen entstanden, dass man Kredite ausgegeben hat die heute nicht mehr zurück gezahlt werden können.
Studienkredite gibt es heute noch immer. In den Verträgen sind die Zisen in aller Regel fix und es kann nicht passieren, dass man hinterher sein blaues Wunder erlebt.

-----------------

Natürlich haben es Kinder aus reichen Familien leichter. Keine Frage.
Sicher ist es bequemer einfach jeden Monat von Mama und Papa 2000€ überwiesen zu bekommen um das Studium zu bestreiten.
Doch macht sie das besser? Haben wir deshalb eine Ungleichheit der Chancen?

Oder haben es sich die Eltern dieser Kinder durch ihre Arbeit nicht auch irgendwie verdient, dass sie ihren Kindern diesen "Luxus" gönnen können?

Wie will man überhaupt absolute Chancengleichheit herstellen wenn die Eingangsvoraussetzungen derart unterschiedlich sind? Ist dieser Versuch nicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt?
 
Prinzipiell sind meiner Meinung nach ~ 100 € in Ordnung, wenn man am Ende davon auch selbst profitiert.
Allerdings sind Investitionen in die Bildung mehr als notwendig und in der Zukunft unumgänglich.
Wie es hier ja schon gesagt wurde, sind Studenten und deren "Wissen" mit der wichtigste Punkt in den nächsten Jahrzehnten und wohl für immer, aus dieser Sicht muss der Staat um jeden Studenten mehr froh sein. -> 0 €

P.S.
Ich selbst zahle jedes Semester 500 €
 
ich bin grundsätzlich gegen Studiengebühren.
Ein Kompromiß wäre das die gerade mal 20 Prozent Bafög-Empfänger (Studis aus sozial schwachen Familien) von den Gebühren komplett befreit werden.

ich hoffe auf bessere Zeiten für Deutschland, heutzutage würde ich aufgrund der Studiengebühren-Problematik mich sicher nicht mehr an der Uni einschreiben.
(war selbst Bafög-Empfänger mit dem Höchstsatz, zum Glück habe ich das Studium beendet noch kurz bevor die Studiengebühren in Bayern eingeführt wurden)
 
Zuletzt bearbeitet:
ich hab für 500€ gestimmt... das sind keine 100€ im monat, weniger als 3€ am tag... das sollte jeder hinkriegen!
 
@morphium

nicht zu vergessen das die 500 Euro auf einmal am Semesteranfang fällig sind. :freak:
nimmt man das Bafög+Bildungskredit+Studiendarlehen ist die Überschuldung nach dem Studium vorprogrammiert.
 
Zurück
Oben