Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt vollends. (Otto von Bismarck)
Die Frage ist doch wollen wirklich alle "Vermögen" wirklich aufbauen und was definieren sie als eben dieses?
Einigen ist es wichtig DAS Eigenheim zu besitzen, andere definieren sich über Konsumgüter wie Auto, Smartphones (jedes Jahr Pro Max Ultra Lightspeed) oder die neuste Traumreise.
Dann ist es wiederum DAS Vermögen was man besitzt. Aber sind jetzt 250.000 € auf dem Konto mehr wert als eine geschätzt Immobilie im gleichen wert? Was nützt mir das Geld rein technisch auf dem Konto, gebe ich es für Konsum aus ist es umgewandelt "weg". Die Immobilie ist es nur "wert" wenn ich sie verkaufe, was mich wiederum zum Barvermögen führt. Andererseits bedeutet die Immobilie (vermietung) ständiges "Risiko" und ständige Einnahmequelle.
Finde ich es schlimm das die "Schere" zwischen arm und reich (was ich per se schon mal schwer zu definieren finde bis zu welchem Punkt man arm ist und ab welchem punkt man reich ist) auseinander geht? Grundsätzlich nicht. Können und sollten wir was an beiden enden etwas tun? Auf jeden Fall.
Wenn wir das Prinzip Kapitalismus und Marktwirtschaft (ob sozial oder nicht) verfolgen, wird es immer Menschen geben die darin aufgehen und darin untergehen. Das ist dem Grundsatz geschuldet. So wie es im reinen Sozialismus keinen Klassenkampf gibt, weil alle gleich viel und gleich wenig haben.
Ein Mindestlohn wird nie vor Altersarmut im Kapitalismus schützen. Setzt man ihn bei 60% des Medianlohns fest und ziehen die anderen Löhne an, wird er notgedrunken immer von unten nachsteuern und die anderen vor sich her hochtreiben.
Aber anstatt die Frage zu stellen "wie kann ich von meinem Lohn ein Vermögen aufbauen?" sollten wir uns eher die Frage stellen, "warum tut es das nicht jetzt schon". Wir wissen das die Hauptausgaben in den unteren Einkommensgruppen Miete / NK und Lebensmittel sind. Lebensmittel wird einigermaßen schwer, ja 7% oder 0% könnten helfen, bringen aber total gesehen keine großen Beträge (50-70€ im Monat maximal, wirklich maximal). Miete und NK dagegen schon.
Ich verstehe z.b. nicht den gern genannten Punkt nicht "Es fielen im letzten Jahr 26.000 Wohnungen aus der Sozialbindung.". JA technisch tun sie das, müssten sie aber nicht. Der Gesetzgeber könnte ohne weiteres hier einschreiten und die Wohnungen weiterhin günstig anbieten (staatliche oder staatsnahe Gesellschaften). Mit WBS und Mietendeckel etc. . Wenn das richtig läuft denke ich haben die wenigsten Menschen etwas dagegen.
Dafür bin ich auch gerne bereit Steuern zu bezahlen, damit ärme Menschen eine günstige Wohnung bekommen. Warum nicht.
Aber mit ehemaligen Sozialwohnungen nun Geld zu verdienen und dann den privaten Investor auffordert bitte Geld zu geben, damit er in 30 Jahren anfangen kann Renditepläne zu erarbeiten ist heute nicht wirklich ein Pullfaktor.
Es ist auch richtig das wir Vermögen unterschiedlich besteuern. Dabei muss man aber auch bestimmte Hintergründe beachten. Bei Kapitalvermögen war es 2009 der genial kniff 25% zu erheben um an die Schweizer Vermögen zu kommen. Super Idee damals. Es hat sich aber danach niemand mehr getraut an diesem Übergangsmodell weiter zu arbeiten. Mit dem heutigen Datenabgleich wäre das alles kein Problem mehr auch Kapitalerträöge mit dem persönlichen Steuersatz zu belegen. Ob man da SV Beiträge drauf entrichten möchte geschenkt. 7-8-9 Steuererhebungen (Schaumweinsteuer z.b.) streichen, dafür bei der bewussten Steuerhinterziehung gezielter eingreifen bringt auch was. Selst eine Vermögenssteuer halte ich für leicht überflüssig, wenn wir bei der Unternehmsfortführung etwas gezielter besteuern.
Den Soli in einen Umweltsoli umwandeln, der gezielt dazu genutzt werden kann, das "arme" Familien damit entlastet werden, wenn sie bestimmte Kosten haben (Balkonkraftwerk, eigenheim umbau etc)
Sprich der Staat (unsere Politik) hat bereits das Wissen und Mechaniken um gezielt ärmeren Menschen zu mehr Vermögen oder zumindest den Grundlagen dessen zu kommen. Einzig er möchte es wohl nicht wirklich. Ob das jetzt gezielte Politik von bestimmten Parteien oder Politikern ist oder entsprechender Lobbismus, das ist mir egal. Zumindest herrscht nicht der ganzheitlicher Wille dahinter das wir diesen Umbruch wollen.
Was mich wieder auf das Zitat zurück kommen lässt. Selbst wenn wir es denn wirklich wollten, was wäre denn die Folge? Würden bei allen geschaffenen Voraussetzungen die Leben aller besser werden? Würde es nicht immer noch ein "gefälle" geben, welches als Negativ betrachtet werden würde? Das hält mich nicht davon ab den Status Quo als akzeptabel zu erachten. Ich bin nur der Überzeugung das wir als Gesellschaft selbst nicht untätig sein sollten, die "Schuld" nur auf auf Politik und Reiche abzuladen und sich selbst aus dir Affäre zu ziehen ist die billigste Lösung. Wir sollten auch mal wieder vermeintliche "einfache " Arbeit wieder viel mehr wertschätzen. Gastronomie , das also jemand FÜR UNS kocht ist etwas besonderes. Das sollte uns viel mehr wert sein. Dienstleistungen die wir regelmäßig in anspruch nehmen (Bäckereien, Friseur, Medizin etc) ist in gewisserweise Luxus. Diese Berufe sollten mehr verdienen, sowohl an Anerkennung als auch in barer Münze. Nicht in dem Bereich wo es die ärmere Hälfte der Gesellschaft betrifft, sondern in dem Bereich der sich das locker leisten kann. Allzuoft erlebe ich es wie abwerten Leute auf solche "niedere" Berufe schauen. "Wer nichts wird wird Wirt"..... Was soll so was? Warum kämpft wohl diese Branche mit Fachkräftemangel? Warum ist die Bezahlung schwierig? Weil es uns (die es sich locker leisten könnten) wohl nicht mehr das wert ist.
Wenn wir das Vermögen von oben nach unten "verschieben", wird sich nichts daran ändern, das wir die gleichen Probleme der aktuellen Wirtschaft weiter behalten. Ich gehe sogar davon aus, dass es in Zukunft noch schlimmer wird.