Kyouko schrieb:
Restriktive mieterrechte, erschweren zusätzlich die Entscheidung gerade bei privaten vermietern überhaupt freie Wohnflächen in den markt zu geben...
Ich gebe "freie" Wohnfläche in den Markt ... allerdings kommt man da (wie an so vieles) nur durch Vitamin-B dran.
Ich nehme eine Miete deutlich unter der örtlichen Vergleichsmiete ... weil ich es mir leisten kann (komisch, bei schlappen 1000,- netto im Monat).
Mein Mieter bewohnt ca. ein Drittel der Fläche, trägt aber 75% der Laufkosten. Er bezieht momentan Bürgergeld, und zumindest im letzten Jahr hätte ich ihn auch 100% tragen lassen können ... das Amt hätte das ohne Murren gezahlt. Ich mag aber diese "Mitnahmementalität" nur sehr bedingt.
Wenn das alle privaten Vermieter so handhaben würden (einfach mal nicht so viel, wie der Markt halt hergibt, raus holen), hätten die Mieten nie in diese astronomischen Höhen steigen können. Warum nicht? Markt und so! Zwei Drittel der Wohnungen am Markt sind eine Macht und ein weniger attraktiver Mietmarkt lockt auch nicht ganz so viele Spekulanten an, die nur deswegen in Vermieterkongllomerate Investieren, weil man in Deutschland auch für eine üble und unsanierte Bruchbude ziemlich viel geld verlangen kann ... der Markt gibts halt gerade her und im Sinne des Kapitalismus wäre es doch dumm, da nicht alles mitzunehmen.
Einige andere User haben es ja auch schon versucht, aber ich löse trotzdem mal mein Versprechen ein.
Das Beispiel nochmal zur Erinnerung.
100 Gesamtaufkommen, 10 Einzahler, einer zahlt 55 die restlichen 9 zahlen je 5.
Der arme gebeutelte Reiche zahlt also 11 mal so viel, wie die anderen (die ohne ihn nichtmal einen Job hätten). Das kann man jetzt ungerecht finden ... aber zum Glück gibts da noch den Hintergrund, der etwas schwammig bleibt, wenn man NUR das Umlagesystem betrachtet. Genau das ist aber geschehen, weil sich das Beispiel ja bei den 55% des Steueraufkommens von den obersten 10% bedient.
Ich bin jetzt mal ganz gemein, und gehe davon aus, dass alle 10% ihres Einkommens gezahlt haben, wir es also mit einem "biblischen" Steuersystem zu tun haben.
Das gibt dann etwas andere Zahlen auf der Einkommensseite.
Gesamteinkommen 1.000. Wieder 10 Teilnehmer.
Einer hat 550 davon zur Verfügung, und die restlichen 9 teilen sich die übrigen 450.
Und trotzdem fühlt sich der eine ungerecht behandelt, wenn er 55 abgeben soll, während die anderen von ihren je 50 ganze 5 abgeben müssen.
Ich bin bis jetzt extrem freundlich mit deinem Beispiel umgegangen. Jeder zahlt 10% von dem was er bekommt - eigentlich OK.
Aber jetzt kommt die Realität mit ihren Lebenshaltungskosten und macht das schöne Bild kaputt.
Der Sueperreiche kann zu den selben Konditionen Lebensmittel, Energie und Wohnraum bekommen, wie der kleine Arbeiter. Bei dem gehen (irgendwer hatte die Zahl zwei mal genannt) etwa ein Drittel der Einkünfte für Wohnraum, drauf. Von den genannten 45 Zählern (5 sind ja für die Einzahlung schon weg) wären das 15.
Gesetzt den (unwahrscheinlichen) Fall, dass der Superreiche keine höheren Ansprüche an seinen Wohnraum stellt, hat er die gleichen Kosten zu erwarten.
Dann noch vielleicht ein weiteres Drittel, welches für Lebensmittel und Freizeitaktivitäten drauf geht.
die 9 haben jetzt von ihren je 45 noch 15 übrig.
Beim Einen sind es trotz der nominell viel höheren Abgaben noch immer 465 ... die kann er investieren ... oder er kann einfach das selbe Anlegen, wie der arme, und dann die selbe Anzahl Zähler wie alle anderen zusammen insegesamt hatten, einfach "irgendwie" auf den Kopf hauen.
Falls du es nicht erkannt hast ... am Ende hat der eine die 300fache Summe dessen übrig, was die 9 anderen haben .. und das nicht "obwohl" alle das gleiche gezahlt haben., sondern gerade WEIL. Obwohl er doch "nur" 11 mal so viel bekommen hat ... wie kann das denn sein?
Du darfst nicht nur betrachten, was gezahlt wurde, sondern musst auch betrachten, wovon das gezahlt wurde, und was davon sonst noch bezahlt werden muss.
Leistung sollte sich lohnen (und dieser Spruch sollte nicht von Liberalen missbraucht werden ... man sollte das schon ernst meinen). aber muss sie sich so stark lohnen, dass sie zu einem Leben in purem Luxus und dennoch ohne Sorge, dass mal irgendwann für irgendwas nicht genug Geld da sein könnte, berechtigt?
Aktuell ist das damit möglich, und das ist auch OK (die Rahmenbedingungen für Superreiche sind gerade supergut). Die Frage ist nur, ob das so bleiben muss.
Meiner Meinung nach sollte man nicht gerade jemandem in die Tasche greifen, der eine kleine GmbH aufgebaut hat, oder in dritter Generation den großväterlichen Handwerksbetrieb weiterführt. Es geht mir mehr um die wenig greifbaren und global agierenden Wirtschafts- und Finanzkonglomerate. Da werden Milliarden an allen Staaten vorbei verdient und man spielt die Staaten sogar gegeneinander aus.
"Ey ... in Irland zahl ich 0,5% ... was bietet ihr?".
Wenn man dann sagen muss "leider etwas mehr" dann ist das eben "schlecht für den Wirtschaftsstandort".
Aber so ist das eben, wenn alles (inklusive Menschen und Staaten) als Ware betrachtet wird.