Die systematischen Probleme liegen m.E. nicht bei den prozentualen Hürden, sondern bei den fehlenden oder unbedeutenden Konsequenzen bei Missbrauch im Amt und bei der fehlenden bzw. ineffektiven Teilhabemöglichkeit der Gesellschaft. Alle paar Jahre gibt der Mensch seine Stimme ab und schaut dann bis zur nächsten Wahl nur noch zu. Wenn es ihm gefällt, klatscht er, wenn es ihm nicht gefällt, jammert er. Er reagiert nur, und das nacheilend. Er agiert nicht. Außerdem ist das Amt bzw. die darin befindlichen Mechaniken finanziell und extrovertiert viel zu attraktiv, sodass es förmlich dazu einlädt, Menschen ihren Drang nach Aufmerksamkeit oder finanziellen Wohlstand zu befriedigen.
Einiges lässt sich in Teilen lösen, in dem grundsätzlich Bürgerentscheide eingeführt bzw. die Menschen in politische Entscheidungen miteinbezogen werden. Lässt man das weg, müssen alternativ spürbare Konsequenzen in das Amt eingeführt werden. Ansonsten ändert sich nichts und eine Regierung hat de facto immer einen Freifahrtsschein. Alle paar Jahre den Freifahrtsschein an die gleiche oder eine andere Partei (oder mehreren) zu geben; Das ist nicht das, was "Alle Macht geht vom Volke aus" im Ursprung bezwecken möchte. Einfach alle paar Jahre wählen klappt auch bei Diktaturen und ist lediglich nur ein Artefakt einer Demokratie, keine demokratische Gesellschaft.
Axxid schrieb:
2. Wer es nicht einmal schafft 5% der Bevölkerung von seinen Ideen zu überzeugen, hat IMHO keine Regierungsbeteiligung verdient.
Ich verstehe, was du damit sagen willst, aber den Satz in dieser Form würde ich so nicht unterschreiben. Insbesondere das Wort "verdient" ist hier völlig fehl am Platz. So, wie ein reicher Mensch mit viel Geld immer größere Hebel für mehr Geld bekommt, ist das auch im politischen Kontext so. Klein- oder Kleinstparteien haben das Problem der Sichtbarkeit, der Mittel und der kleinen Hebel. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie schlechte Ideen haben oder dumm sind. Umgekehrt bedeutet eine große Partei auch nicht, dass es nur gute Ideen hat und nur aus schlauen Köpfen besteht.
Ich denke dir ist das alles bewusst und genau deshalb ist dein Satz an der Stelle pauschal verkehrt. Es suggeriert, als wäre die geringe Größe ein Resultat von mangelnder Überzeugung oder unterschiedlichen Sichtweisen der zu regierenden Bevölkerung.
Relak schrieb:
Demokratie bedeutet auch dass nicht immer jeder zufrieden ist. Wenn die eigene Meinung bzw die eigenen Wünsche an Politik eben nicht denen der Mehrheit entsprechen, hat man halt leider Pech gehabt.
Unterschreibe ich sofort, weil es die Realität ist, nicht aber, weil es etwas positives sei. Denn das gilt schließlich in alle Himmelsrichtungen. Wenn du "pech" hast, wird die Demokratie in eine Diktatur überführt, weil auf demokratische Weise die Sicht der Mehrheit sukzessive dazu geführt hat. Pech für die einen betrachten die anderen als Glück an dieser Stelle. Jetzt kann man mal reflektieren, ob das generell sinnig ist, Mechaniken in einem System zu verteidigen, welche die Türen zu zivilasotrischen Rückschritten grundsätzlich offen halten (offene Frage in die Runde).