TheManneken schrieb:
Wenn mir irgendwann endlich mal jemand ein konkretes Beispiel nennen kann, was mir in Bezug auf meine Daten - wenn auch nur theoretisch - passieren könnte, weil ich Windows 10 benutze... ja, darauf werde ich wohl ewig warten können.
Ich konstruiere mal was! Ob das realistisch ist, bin ich mir zwar nicht sicher, aber theoretisch möglich ist das imho schon.
Also, nehmen wir mal folgendes
Szenario an:
Du recherchierst auf einem/deinem Rechner nach Scheidungsrecht/Scheidungsanwälte oder Escort-Service. Du willst natürlich nicht, dass davon irgendwas auf dem Rechner nachvollziehbar ist. Lässt also keine entsprechenden Daten zurück, löschst im Browser Chronik, Cache und Cookies obwohl du vorsichtshalber eh schon Startpage und nicht Google genommen hast. Was du allerdings nicht einkalkuliert hast ist, dass Windows auch noch mitliest, vielleicht weil es mit den "deafult"-Einstellungen eingerichtet wurde. Bei einer der nächsten Sitzungen wird dann irgendwo ein dezenter Hinweis auf das neuste Standardwerk zu Scheidungsrecht oder ein neuer Begleitservice geschaltet. Dummerweise sitzt aber jetzt deine Frau an dem Rechner und die weiß wie solche Einblendungen zu Stande kommen können..........!?
...... ja, darauf werde ich wohl ewig warten können.
Die Ewigkeit kann mitunter recht kurz ausfallen. (SCNR!)
Allgemeine Betrachtung:
Vielleicht sollte man die Gesamtproblematik mal von hinten aufrollen. Es gab mal eine Zeit, das ist jetzt gar nicht so lange her, da gab es eine Firma Microsoft, die Software verkauft. Es gab eine Firma, Google, die ihr Geld als Suchmaschine verdiente, eine Fa. Apple, die Hardware verkaufte und eine Fa. Facebook, die Social Media vermarktet.
Alle auf ihre Weise sehr erfolgreich. Was natürlich die jeweils anderen auf den Plan rief, doch bitte auch etwas von den Kuchen der anderen abzubekommen. Also fing Google an Software zu entwickeln, Smartphones zu verkaufen, Multimediaplattformen zu betreiben, MS vertickte Rechner und Smartphones und betätigt sich auch als Datenkrake, Apple steigt auch bei Multimedia ein und Facebook betreibt alle Formen von Social Media und Messenger Diensten, woran sich die anderen natürlich versuchten. Alle bieten darüber hinaus z.B. Cloud- Dienste an. Apple ausgenommen sind alle auf fast allen Rechnern präsent. D.h. die Geschäftsinteressen sind durch das ursprüngliche Geschäftsmodell nicht mehr gegeneinander abgegrenzt sondern fließend. Der Nutzer daher von allen Seiten "bedroht".
Was aber das perfide an Microsoft ist, dass deren Kunden für das Produkt zahlen müssen. Bei Google oder Facebook ergibt es sich aus dem primären Geschäftsmodell, dass mit der Datensammlung bzw. deren Vermarktung Geld verdient wird, da das Produkt selbst kostenfrei ist. Microsoft macht den/seine Kunden aber zur eierlegenden Wollmilchsau, indem es diese für das Produkt zahlen lässt, und das nicht zu knapp, sammelt deren Daten und bietet diese in anonymisierter Form als Datenbestand zur Analyse an oder kann gezielt personenbezogenen Daten zu Marketingzwecken anbieten. Der Kunde also, zahlt dafür, dass seine Daten vermarktet werden. Streng genommen, sollte es eher umgekehrt sein.
Micrsoft hat hier eine Grenze überschritten, die ihm zwar neu Geschäftsfelder öffnet, aber eben auch den Sündenfall geschaffen, indem es Vertrauen verspielt hat. Man braucht sich ergo nicht zu wundern, wenn das vielen gegen den Strich geht. MS vertraut einfach auf die Gewohnheiten der Nutzer, die ihm durch das Fastmonopol auf den Desktop zu einem hohen Prozentsatz ausgeliefert sind, da vielen die Alternativen entweder zu teuer (Apple) oder zu mühselig (Linux) sind. Und ist damit letztlich erfolgreich.
MS hat zwar auf nahezu allen Betriebssystem basierenden technischen Anwendungen gegenüber Linux den Kürzeren gezogen, welches somit universell fast omnipräsent ist, auf dem Desktop aber seinen Platz an der Sonne verteidigt und mit etwa 90% Marktanteil das eben angesprochene Fastmonopol, das es ihm erlaubt so zu agieren.
In Sachen IT-Sicherheit war Windows meist eine wandelnde Katastrophe. Man hat es einfach hingenommen, dass sich jeder nach Belieben mit Schadsoftware auf dem BS austoben konnte, was zu der grotesken Situation geführt hat, dass man einer weiteren fremden Institution, der Antiviren-Software, erlauben musste, auf definitiv alle Daten und Bereiche zugreifen zu dürfen, ohne wirklich zu wissen, was die eigentlich so alles treibt. Hier ist MS nun eigentlich auf einem guten Weg verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen, durch die nunmehr bordeigene, funktionelle Antivirussoftware, und die, wie bei Linux selbstverständlichen eigenen Softwarequellen, man verspielt aber eben diesen Vertrauen dadurch, dass man nun selbst in großem Umfang Daten/Informationen sammelt und wiederum keiner so genau weiß, was nun die damit machen.
Topic:
Bei W7 zu bleiben mit Netzanschluss ist trotzdem keine sinnvolle Alternative. Linux wäre für mindestens einen mittleren 2stelligen Prozentsatz der privaten Nutzer eine Alternative. Sie bedingt aber eben eine gewisse Lernphase, was viele für unzumutbar halten und lieber weiter über MS fluchen, resignieren oder gar nicht drüber nachdenken.
L.G.