The Last Airbender oder Die Legende von Aang
Eigentlich müsste der erste Film dieser Trilogie "Avatar - Der Herr der Elemente" heißen. Doch hier hat wahrscheinlich James Cameron den Machern um Regisseur, Produzent und Drehbuchautor M. Night Shyamalan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Shyamalan selbst hatte seinen Durchbruch mit "The Sixth Sense", aber schon die letzten Filme wie "Das Mädchen aus dem Wasser" oder "The Happening" haben gezeigt, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer war.
Der Realfilm "Die Legende von Aang" basiert auf der Comicserie "Avatar", die sehr erfolgreich auf Nickelodeon lief und die ich selber gerne gesehen habe. Man kann die Serie den Genres Fantasy und Abenteuer zuweisen, zwei Genres, von denen mindestens
Fantasy zu M. Night Shyamalan passt. Allerdings wurde ein wichtiger Aspekt der Serie im Film völlig fehlinterpretiert, denn Humor ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, der Avatar im Mix mit den Fantasy- und Abenteuer-Elementen einfach zu etwas Besonderen hat werden lassen.
In der Serie ist zum Beispiel Sokka, Kataras Bruder, ein rechter Tollpatsch. Er albert gerne herum und überschreitet dabei nicht selten Grenzen. Gibt es etwas zu essen, stürzt er sich ohne Rücksicht auf Verluste darauf und Frauen gegenüber ist er extrem unsicher und schüchtern. In Shyamalans Verfilmung spielt Jackson Rathbone den Sokka wie einen Durchschnittsjugendlichen mit Ambitionen eines Don Juan. Und so unpassend souverän er mit Princess Yue flirtet, so farblos bleibt die ganze Sokka-Figur im Film. Sie schaut im Wesentlichen ständig besorgt drein, von Humor oder lukullischen Anfällen keine Spur.
Genauso und fast noch unerfreulicher ist die Hauptfigur des Aang ausgefallen. Böse Zungen munkeln ja, Noah Ringer habe die Rolle nur bekommen, weil er Taekwondo kann. Und so braucht man sich nicht wundern, dass im Film ständig irgendwelche Kampfformen praktiziert werden. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich nach der ersten Hälfte dachte "oh nein, jetzt fängt er wieder mit Gymnastik an". Denn in der Serie wird im Gegensatz zum Film nicht Martial Arts betrieben, es werden die Elemente gebändigt. Darüber hinaus klingt mir noch heute das Lachen von Aang in den Ohren, wenn ich an die Serie zurückdenke. Denn Aang ist eigentlich ein kleiner Junge, der ziemlich viele Flausen im Kopf hat und diese auch nur allzu oft auslebt. Dabei lacht er oft herzhaft und tollt herum. Im Film kommt er jedoch wie die Reinkarnation von Buddha daher. Viel zu ernst schwingt er Reden, zeigt sich besorgt um das Gleichgewicht der Welt und die Machenschaften der Feuernation. Von Lebensfreude keine Spur.
Um das hier nicht zu lang werden zu lassen: Avatar wurde zurechtgestutzt zu einem Film, der sich viel zu ernst nimmt. Dazu kommen noch die teilweise kruden schauspielerischen Leistungen, lediglich Dev Patel als Prinz Zuko hat die ein oder andere gelungene Szene. Die anderen Schauspieler schauen im Wesentlichen ernst (oder cool?) drein. Trotzdem unterhält der Film, auch wenn man für den ein oder anderen Zusammenhang vielleicht die Serie kennen muss. Ich bezweifle aber, dass es die Trilogie bis zur Vervollständigung schafft. Dazu waren die Kritiken teilweise zu vernichtend.
6/10