News : Telekom: Gesprächsrunde verläuft schleppend (U2)

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Die höchstwahrscheinlich entscheidende Gesprächsrunde zwischen den Konfliktpartnern Telekom und ver.di verläuft offenbar eher schleppend. Es mehren sich die Zeichen, die auf einen Generalstreik hindeuten.

Am Dienstag hatten sich die Verhandlungsführer zu einer weiteren Gesprächsrunde im rheinland-pfälzischen Mayschoß eingefunden. Bereits am Nachmittag berichtete der sichtlich resignierte kommissarischeTelekom-Personalchef Karl-Gerhard Eick, der für die Telekom maßgeblich in den Gesprächsrunden agiert, stellte fest, dass die Verhandlungspartner von einer Lösung weiterhin weit entfernt sind. Auch die Gegenseite gab sich mäßig begeistert. „Es ist kein Fortschritt erkennbar“, erklärte ver.di-Vertreter Ado Wilhelm.

Dabei hatte die Telekom-Führung im Vorfeld der Gespräche entgegen der bisherigen Strategie erstmals Zugeständnisse gemacht. So könne man ver.di unter Umständen vor allem im Hinblick auf das Überstundenproblem, nach welchem die Telekom ein zusätzliches Arbeitsvolumen von 100 Stunden fordert, aber auch in allen anderen Punkten, prinzipiell entgegenkommen – eine Ankündigung, die bei ver.di sehr positiv aufgenommen wurde.

Dennoch betonten ver.di-Vertreter immer wieder, dass, sofern die Gespräche erneut scheitern sollten, endlich zur Tat geschritten werden müsse. „Wir sind dabei, die Vorbereitungen für eine Urabstimmung zu treffen“, erklärte ein Verhandlungsführer und machte einmal mehr deutlich, dass die heute angebrochene nunmehr fünfte Verhandlungsrunde im Falle des Scheiterns wahrscheinlich die letzte vor dem Generalstreik gegen die Telekom sein würde.

Von Seiten der Telekom sind die Fronten indes ähnlich verhärtet. Wie aus dem Dunstkreis der Verhandlungsführer zu erfahren ist, plant man, den umstrittenen Stellenumbau, der die Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in rechtlich selbstständige Unternehmen unter Verwendung veränderter Löhne und Arbeitszeiten vorsieht, zur Not schon bis zum 1. Juli im Alleingang umzusetzen.

Sofern sich die Gesprächspartner sich nicht einigen sollten, stünde der Telekom der größte Streik in der zwölfjährigen Geschichte des privatwirtschaftlich agierenden Konzerns bevor.

Update

Auch zwei Tage nach Beginn der fünften Verhandlungsrunde scheinen die Gespräche keinen Durchbruch zur Folge zu haben. Zu Beginn der neuerlichen Verhandlungen hatte die Telekom erneut Kompromissbereitschaft signalisiert. So sei es für den Konzern möglich, weitere 10.000 Stellen zu schaffen, sofern der geplante Stellenumbau zügig von statten gehen könne. Am gestrigen Abend meldete sich dann Telekom-Chef René Obermann mit einem harschen Ausblick zu Wort. So prophezeite er, dass die Telekom ohne die von der Konzernleitung geplanten Restrukturierungen, die den Stellenumbau einschließt, in einigen Jahren ins Visier von Finanzinvestoren geraten könne, sofern der massive Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz nicht schleunigst ausgeräumt wird: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, Gegenstand von Übernahmeszenarien zu werden, wenn es uns nicht gelingt, in den nächsten Jahren die Unternehmensbewertung zu steigern.“

Die Gespräche sollen am heutigen Donnerstag fortgesetzt werden.

Update

Neue Entwicklungen im rheinland-pfälzischen Mayschoß: Die Verhandlungspartner haben die Gespräche am Donnerstag Vormittag abgebrochen. Das endgültige Angebot der Telekom taugt laut Gewerkschaftskreisen nicht zu weiteren Verhandlungen. Damit rückt ein konzernweiter Streik gegen die Telekom in greifbare Nähe. Am Freitag kommender Woche soll die Große Tarifkommission zusammentreten, um über die für einen Generalstreik notwendige Urabstimmung zu befinden.

Das letzte Angebot der Telekom, das so wohl schon seit gestern vorlag, gestaltete sich laut Verdi-Verhandlungsmitgliedern wie folgt: Neun statt zwölf Prozent Gehaltsverzicht und eine um ein Jahr auf 2011 verlängerte Beschäftigungsgarantie. Der finale Vorschlag fand bei den Verdi-Funktionären, die die Auslagerung von rund 50.000 Arbeitsplätzen prinzipiell in Frage stellen, keinen Anklang. So kommentierte ein Gesprächsteilnehmer auch heute: „Inhaltlich sind wir weit von einer Verständigung entfernt.“