10/11 Aerocool Strike-X ST im Test : Sehr viel Platz für sehr viel PC

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Fazit

In einem Satz: Eine wirklich rundherum überzeugende Vorstellung liefert das Aerocool Strike-X ST leider nicht ab. Doch der Reihe nach.

Positiv an diesem Full-Tower ist in erster Linie das fürstliche Raumangebot, hier passt wirklich alles bis hin zu HPTX und XL-ATX Mainboards rein. Auch für Wasserkühlungen ist mehr als ausreichend Raum vorhanden, da kann man wirklich nicht meckern. Die Verarbeitung des Chassis ist ebenfalls als brauchbar einzustufen, scharfe Kanten oder Mängel bei der Lackierung sind uns nicht aufgefallen.

Bei der Haptik sieht es dann aber schon anders aus, der zum Einsatz kommende Kunststoff fühlt sich billig an und ist, speziell an der Front, stellenweise ziemlich dünn. Auch die drei Drehregler der Lüftersteuerung machen auf uns nicht unbedingt den Eindruck, dass sie die Ewigkeit überdauern wollen. Sehr gelungen ist dagegen wieder das praktische Festplatten-Dock, das griffgünstig hinter dem Frontpanel liegt.

Sehr gut sind die Temperaturen des Strike-X ST ausgefallen, diese Aussage gilt sowohl für den Betrieb unter 12 Volt als auch bei reduzierter Spannung. Wer es unbedingt möchte, kann auch noch einen ganzen Sack optionaler Ventilatoren einbauen, alleine an der linken Seitenwand sind bis zu neun optionale 120-mm-Lüfter möglich. Wie sinnvoll das ohne Staubfilter ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Es war offensichtlich die Absicht des Herstellers sich optisch deutlich von der Konkurrenz abzuheben, dieses Vorhaben ist mit Sicherheit gelungen. Allerdings hat man bei Aerocool den Kardinalsfehler begangen und das Design, oder besser das Marketing, über die Funktion gestellt. So befindet sich in der Front zwar ein großer 200-mm-Lüfter, der aber nur über eine Öffnung für einen 120-mm-Modell Frischluft von außen beziehen kann. Wer nun denkt, dass zwischen Frontblende und Lüfter noch ein gewisser Zwischenraum wäre, der das Manko der zu kleinen Öffnung wenigstens ansatzweise kompensieren könnte, irrt! Der große Lüfter sitzt oben und an beiden Seiten schon fast bündig auf dem Plastik auf, mit gutem Willen ist ein Spalt von etwa einem Millimeter feststellbar. Dass auf diese Weise nicht viel Luft bewegt werden kann, dürfte klar sein. Der schön und praktisch integrierte Staubfilter rettet diese Konstruktion leider auch nicht mehr, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass die etwas weiter oben liegende Öffnung für einen optionalen zweiten Lüfter komplett ohne Filter auskommen muss.

Aerocool Strike-X ST
Aerocool Strike-X ST

Durch die großen Flächen aus Meshgitter beziehungsweise aus gelochtem Blech ist das Strike-X ST kein Silent-Gehäuse und entsprechend hellhörig. Bei einer Spannung von 12 Volt machen die Lüfter nicht nur eine Menge Wind sondern emittieren auch bis zu 45,6 Dezibel, das ist deutlich zu laut. Eigentlich gibt es absolut keinen Grund die Ventilatoren mit voller Spannung zu betreiben, unter 5 Volt stellt sich eine Geräuschkulisse ein, mit der man sich arrangieren könnte, wenn der vordere Lüfter nicht ein penetrantes Klackern von sich geben würde. Gut gefallen hat uns die integrierte Lüftersteuerung mit ihren drei Verteilerplatinen im Innenraum. Leider verursachte die Lüftersteuerung sporadisch ein hochfrequentes Fiepen, wenn nicht wenigstens ein Lüfter an einem der drei Verteiler angeschlossen war. Reproduzierbar war dieses Verhalten allerdings nicht, mal trat das Störgeräusch auf und dann wieder nicht.

Für einen Preis von aktuell rund 150 Euro bekommt man ein riesiges Gehäuse mit tollem Platzangebot und einer guten Ausstattung. Unverkennbar sind leider die Schwächen, die sich Aerocool speziell beim Design erlaubt hat. Auffallen um jeden Preis scheint bei der Konstruktion wohl die Maxime gewesen sein und genau dieser Grundsatz geht hier doch ziemlich in die Hose. Ob einem die Optik des Strike-X ST gefällt, ist sicherlich vom persönlichen Geschmack abhängig, aber die Schnitzer, die sich der Hersteller speziell bei der Front geleistet hat, kann man nicht wegdiskutieren.

Es bleibt zu hoffen, dass man auch bei Aerocool irgendwann erkennt, dass viele bunte Lämpchen, gefühlte Tausend optional installierbare Lüfter und ein ungewöhnliches Design alleine noch kein gutes Gehäuse machen. Wer auf der Suche nach einem Gehäuse dieser Größe ist, greift besser zum Xigmatek Elysium, das, vom Festplattenkäfig abgesehen, auf dem gleichen Chassis basiert aber einen deutlich ausgereifteren Eindruck hinterlässt.

Das Testmuster für den heutigen Test wurde uns freundlicherweise von Aerocool zur Verfügung gestellt.

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