3/5 Hitman: Absolution im Test : Lautlos ist es am besten

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„Hitman“ im Überblick (Forts.)

Die „wie Kino“-Konzeption bringt wie immer einige Vorzüge – eine stringente, dichte Erzählung – aber auch einige Nachteile mit sich. So schließen sich eine solche Konzeption und der schillernde Begriff „Open World“ auch in diesem Falle faktisch aus. Dies bestätigt sich erwartungsgemäß auch für die zwei weiteren Drittel der Spielzeit, die für die Vorschau im Oktober noch nicht zur Verfügung standen.

Dementsprechend ist „Absolution“, was die Metaebene anbetrifft, sehr starr: Auf eine einleitende Videosequenz wird Nr. 47 stets in eine Umgebung entlassen, in der er das jeweilige Missionsziel verfolgen muss, wobei ein erfolgreicher Abschluss wiederum zur nächsten Sequenz führt. Freie Entscheidungen – in welchen Stadtteil gehe, welchen Handlungsstrang verfolge ich? – gehören also nicht zur Stärke von „Absolution“.

Allerdings bestätigt sich auch für die zwei weiteren Drittel der Spielzeit, dass diese Starre nicht für den Ablauf innerhalb der Missionen gilt. Im Gegenteil – und auch das zeichnete sich wie die Meta-Linearität bereits ab – stehen einem hierbei viele Möglichkeiten zur Verfügung. So hat man nahezu immer die Wahl: Wagt man eine offene aber sehr gefährliche Vorgehensweise oder versucht man in bester Hitman-Manier möglichst unauffällig zum Ziel zu gelangen?

Hitman: Absolution im Test
Hitman: Absolution im Test

Für beide Fälle hält „Hitman: Absolution“ tatsächlich in nahezu jeder Situation eine Vielzahl von Möglichkeiten bereit. Es steht dem Spieler beispielsweise völlig frei, ob er die Handlanger eines Widersachers in aller Öffentlichkeit und unter Anwendung von roher Gewalt aus dem Weg räumt, oder aber subtiler vorgeht und beispielsweise gewisse Unfälle wie eine leckgelaufene Tanksäule in die Strategie einbaut. Diese Optionen finden sich an allen Ecken und Enden: Erschießt man einen Drogenboss in aller Öffentlichkeit? Oder wählt man lieber die Distanz und damit Anonymität, indem man zu einem Scharfschützengewehr greift? Den Königsweg stellen aber die subtileren Vorgehensweisen dar: Man vergiftet den Kaffee der Zielperson mit Kugelfisch-Extrakt oder lockt sie zum Wagen, um dann die legendär-berüchtigte Klaviersaite zum Einsatz kommen zu lassen.

Die subtileren Vorgehensweisen sind allerdings nur dann möglich, wenn man über ausreichend Zeit und möglichst auch noch über einen öffentlichen Raum verfügen kann, denn man muss seine Ziele und deren Gewohnheiten schon einige Zeit verfolgen, um effektiv „Unfälle“ geschehen zu lassen. In diesen großzügig gesetzten Momenten entfaltet das Spiel seine volle Wirkung: Man verfolgt seine Ziele, kundschaftet Laufwege und Gewohnheiten aus und achtet auf jedes Detail, um aus diesen Informationen den idealen Plan, den perfekten Ablauf für das oder die Attentate zu schmieden.

Hitman: Absolution im Test
Hitman: Absolution im Test

Sieht man von echten Profis und Kennern der Reihe ab, wäre ein solches Vorgehen für Otto-Normal-Spieler ohne die integrierten (und viel-kritisierten) Instinkte kaum möglich. Diese werden über das Drücken der STRG-Taste aktiviert, wodurch man dezent auf interaktive Objekte, aber auch auf entsprechende Charaktere und deren Laufwege in der Umgebung hingewiesen wird. So findet man in den unteren von fünf Schwierigkeitsstufen leichter zum Ziel, wobei selbst hier gilt, dass die Instinktanzeige mit der Zeit abnimmt und erst dann wieder aufgeladen wird, wenn man weitere kleine Schritte im Verlauf der Mission unternommen hat.

Der Instinkt macht sich aber auch in Kampfsituationen bezahlt. Ist Nr. 47 zur Anwendung von roher Gewalt gezwungen, kann er bei ausreichender Instinktanzeige mehrere Ziele auf einmal anvisieren. Auch der Nahkampf ist dynamisch gestaltet, sodass man in schneller Abfolge auf die WASD-Tasten hämmern muss, damit der Protagonist die Oberhand behält. Richtig innovativ ist das zwar nicht, für deutlich mehr Motivation als beim in dieser Hinsicht zu simplen Kampfsystem eines „Assassin's Creed 3“ reicht es aber allemal.

Hinzu kommt, dass das Kampfsystem im Idealfall in „Absolution“ einen viel geringeren Stellenwert hat. Zwar ist es grundsätzlich anmaßend, zu sagen, wie ein Spiel gespielt werden sollte, doch spürt man an der Konzeption deutlich, dass das umsichtige, leise und unauffällige Vorgehen den Königsweg darstellt, während Rambo-Aktionen eigentlich nur in Notsituationen und in explizit dazu gestalteten Szenen angebracht sind. Dass dem so ist, wird auch dadurch deutlich, dass der Hitman kein Superheld ist und dementsprechend nicht mit beliebig vielen Gegnern umgehen kann. Eine allzu unvorsichtige und offen gewalttätige Vorgehensweise, so lautet die Quintessenz, wird vor diesem Hintergrund schnell zum Scheitern führen.

Der bereits angedeutete Kritik am Instinkt des Hitman, die aus unserer Sicht im Kern durchaus berechtigt ist, bezieht sich darauf, dass er die Komplexität stark verringert. Die Entwickler versuchen dies mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad, in dem der Spieler faktisch auf sich allein gestellt ist, zu begegnen Dieser lässt „Hitman: Absolution“ zu einem tatsächlich sehr schweren Spiel werden, da die KI weitgehend sehr clever agiert und offensichtliches Herumschleichen ohne langes Zögern mit Misstrauen beantwortet. Auf dieser Basis kann diese Schwierigkeitsstufe als Zugeständnis an die ganz harten Fans verstanden werden: Wer auf alle Achievements, das perfekte Vorgehen und die schwerstmöglichen Rahmenbedingungen scharf ist, wird hier auf einen ultra-schweren zweiten Durchlauf eingeladen.

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