Testfeld Autobahn : A 9 als Teststrecke für autonome Fahrzeuge

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Testfeld Autobahn: A 9 als Teststrecke für autonome Fahrzeuge
Bild: Norlando Pobre (CC BY 2.0)

Noch dieses Jahr sollen laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erste Maßnahmen für das Pilotprojekt „Digitales Testfeld Autobahn“ ergriffen werden, das unter anderem eine Teststrecke für autonom agierende Fahrzeuge auf der Bundesautobahn 9 zum Ziel hat.

Dies sagte der Minister der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin. Die Bundesautobahn 9 verbindet mit einer Gesamtlänge von 530 Kilometern die Städte Berlin und München. Die Teststrecke für autonome Fahrzeuge soll auf einem Abschnitt in Bayern eingerichtet werden. Auf der Teilstrecke sollen zusätzliche Angebote der Kommunikation zwischen Straße und Fahrzeug sowie Fahrzeug und Fahrzeug geschaffen werden. Laut Dobrindt ist geplant, dass Fahrzeuge mit Assistenzsystemen und später auch vollautomatisierte Fahrzeuge die Strecke befahren können.

Dobrindt wettert gegen die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten und sagt: „Die deutsche Autoindustrie wird auch beim digitalen Auto Weltspitze sein können. Die deutschen Hersteller werden sich nicht auf Google verlassen.“ 150 Exemplare des Google „Self Driving Car“, das ohne Lenkrad oder Pedale auskommt, sollen ab Frühjahr auf kalifornischen Straßen fahren. Neben Kalifornien erlauben derzeit die US-Bundesstaaten Nevada, Michigan und Florida sowie Washington, D.C. das Testen solcher Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen. Deutschland müsse sich laut Dobrindt gegen eine „Monopolisierung der Daten wappnen“ und eine „digitale Souveränität schaffen, unabhängig von Amerika und Asien.

Audi A7 Sportback piloted driving concept
Audi A7 Sportback piloted driving concept (Bild: Audi)

Deutsche Hersteller forschen bereits seit Jahrzehnten an autonom agierenden Fahrzeugen, die ohne Eingriffe des ersten Passagiers von A nach B chauffieren. Vor allem in den letzten Jahren haben diese Projekte deutlich an Fahrt aufgenommen. Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen arbeiten an autonomen Fahrzeugen, die in den kommenden Jahren zuerst auf Autobahnen, später auf Bundesstraße und zukünftig auch in Innenstädten fahren sollen. Audi ließ zur CES 2015 das „A7 Sportback piloted driving concept“ über eine Strecke von knapp 900 Kilometern von Stanford, Kalifornien nach Las Vegas, Nevada fahren. Mercedes-Benz zeigte mit dem F 015 seine Zukunftsvision des autonomen Fahrens. Beide Fahrzeuge verfügen im Gegensatz zu dem Modell von Google über Pedale und Lenkrad. Letzteres will Mercedes-Benz für jedes autonome Fahrzeug auch erhalten.

Update 22:13 Uhr  Forum »

ComputerBase hat beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur weitere Informationen zur genauen Umsetzung des Pilotprojekts „Digitales Testfeld Autobahn“ erfragt. Die zuständige Pressestelle konnte auf Fragen zum exakten Abschnitt der Teststrecke oder den an dem Projekt beteiligten deutschen Fahrzeugherstellern und zur eventuellen Ausweitung auf Bundesstraßen sowie den Stadtverkehr aber keine oder nur sehr eingeschränkt Antworten geben.

Anlass des Projekts „Digitales Testfeld Autobahn“ sei der laut Verkehrsprognosen deutlich zunehmende Verkehr in Deutschland, der nicht nur durch Neuinvestitionen aufgefangen werden könne. Es brauche laut Bundesministerium auch mehr Effizienz auf bestehenden Strecken. Kommunikationssysteme moderner Fahrzeuge und die daraus resultierende Vernetzung würden neue Möglichkeiten eröffnen und die Mobilität verändern. Durch die Installation von Sensoren, Messeinrichtungen und die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur soll langfristig gesehen ein komplett vernetztes Straßensystem entstehen. Die auf der Teststrecke angepasste Infrastruktur in Form von Strom- und Datenanbindungen sowie Geräteträgern soll der Industrie die Möglichkeit geben, eigene Entwicklungen vorzustellen und zu optimieren.

Die Anwendungen im Testfeld seien vielschichtig und hätten unterschiedliche Schwerpunkte. Bereits im August des letzten Jahres kündigte Verkehrsminister Dobrindt an, auf einer Teilstrecke der A 9 testweise elektronische Warnsysteme für Falschfahrer einzusetzen, die den Falschfahrer selbst und andere Autofahrer in der Gefahrenzone warnen sollen.

Auf die Ankündigung des Bundesverkehrsministers Dobrindt folgten heute zudem wenig später Aussagen des baden-württembergischen Landesministers für Finanzen und Wirtschaft, Nils Schmid (SPD), der sich ebenfalls für eine Teststrecke für autonome Fahrzeuge stark macht. Dies berichtet unter anderem die Schwäbische Zeitung. Schmid schlägt die von Würzburg bis Singen verlaufende Autobahn 81 vor, die sich aufgrund ihrer topografischen Struktur für den Einsatz von Assistenzsystemen und Autopiloten besonders eignen würde. „Was Bayern kann, kann Baden-Württemberg schon lange“, sagte Schmid bei einem Dialog mit Vertretern der Nutzfahrzeugbranche in Stuttgart.

Autonomes Fahren mit dem Mercedes-Benz Future Truck 2025
Autonomes Fahren mit dem Mercedes-Benz Future Truck 2025 (Bild: Mercedes-Benz)

Neben Automobilen soll von solch einer Teststrecke auch die Nutzfahrzeugbranche profitieren. Wenig überraschend reagierte das entsprechende Publikum erfreut über die Aussagen des Ministers. Wolfgang Bernhard, Chef der Daimler-Nutzfahrzeugsparte, sagte: „Wir brauchen eine Versuchsstrecke im richtigen Verkehr, um unter Normalbedingungen zu testen.“ Tests mit Forschungsfahrzeugen wie dem Future Truck 2025 sollten ursprünglich erst 2020 außerhalb von abgesperrten Teststrecken stattfinden. Wesentliche Technologien für das autonome Fahren seien schon jetzt vorhanden, Hindernis seien aber veraltete Verkehrsregeln aus dem Jahr 1968, die nach einer Anpassung im Jahr 2014 zwar Fahrerassistenzsysteme, aber nicht das komplett autonome Fahren erlauben würden. Laut Minister Schmid müssten deshalb neben fachlichen auch rechtliche Fragen auf Bundesebene geklärt werden.