Erfahrungsbericht : Apple CarPlay und Android Auto im neuen Audi Q7 ausprobiert

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Erfahrungsbericht: Apple CarPlay und Android Auto im neuen Audi Q7 ausprobiert

Im Hause Audi ist das SUV-Modell Q7 das erste Automobil mit Unterstützung für Apple CarPlay und Android Auto. Mit der Auslieferung des Fahrzeugs an erste Kunden Ende Juli können beide Systeme sofort verwendet werden. ComputerBase konnte sie im neuen Audi Q7 ausprobieren, wirklich einsatzbereit ist derzeit aber nur CarPlay.

Audi konnte Android Auto zwar in einem Fahrzeug mit speziell vorbereitetem Nexus 5 vorführen, final ist Android Auto im Gegensatz zu CarPlay für den deutschen Markt aber noch nicht. Die dafür benötigte Software lässt sich in Deutschland nicht über Google Play laden. Diese Hürde lässt sich zunächst zwar durch den Download der entsprechenden APK-Datei für Android Auto nehmen, anschließend scheitert die Nutzung aber an weiteren Downloads für Google Maps, die Google-Suche oder Play Musik. Die für Android Auto ausgelegten Anwendungen lassen sich im Gegensatz zur Android-Auto-App selbst nicht einfach per APK manuell installieren. Android Auto ist laut Audi aber theoretisch bereits einsatzbereit in Deutschland, Google müsse für die Nutzung in Deutschland nur noch den Hebel im Play Store umlegen.

Apple CarPlay ist hingegen sofort ohne weitere Downloads einsatzbereit, da die Funktionen Teil des Betriebssystems sind. CarPlay kann seit iOS 7.1 per Lightning-Kabel und seit iOS 8.3 zudem kabellos verwendet werden. Letztere Umsetzung bietet Audi im neuen Q7 allerdings noch nicht an. Das Fahrzeug bietet in Verbindung mit der Ausstattung Phone Box (440 Euro) zwar eine Qi-Ladeschale unter der vorderen Armlehne, das Smartphone muss für die Kommunikation mit dem PKW aber über eine im selben Bereich auffindbare USB-Buchse angeschlossen werden.

Voraussetzungen

Besonders teure Extras wie das „MMI Navigation plus mit MMI touch“ für 2.800 Euro müssen zumindest im Audi Q7 nicht für die Nutzung von CarPlay oder Android Auto bestellt werden. Vorausgesetzt wird ein sieben Zoll großes Display, das sowohl in der Variante 3.0 TDI für 60.900 Euro als auch dem Modell 3.0 TFSI für 62.900 Euro in Form des „MMI Radio plus“ serienmäßig gegeben ist. Die Auflösung des Displays muss zudem bei mindestens 800 × 480 Pixeln liegen. Alle Fahrzeuge vor Ort waren hingegen mit dem großen Navigationssystem ausgestattet, das ein 8,3-Zoll-Display mit 1.024 × 480 Pixeln und eine Fläche in der Mittelkonsole für Touch-Eingaben und weitere Merkmale bietet.

Anschluss im Audi Q7

Nach dem ersten Anschließen und der Zustimmung, dass der PKW auf das jeweilige Smartphone zugreifen darf, werden beide Systeme neben Fahrzeugeinstellungen als Menüpunkt auf dem Bildschirm angezeigt. CarPlay und Android Auto übernehmen also nicht sofort das Display des Fahrzeugs. Obwohl Audi den neuen Q7 mit zwei USB-Buchsen ausstattet, kann immer nur eines der beiden Systeme verwendet werden. CarPlay und Android Auto tauchen nie gleichzeitig als Menüpunkte im System auf.

Sobald CarPlay im Menü ausgewählt wird, erscheint ein Hinweis auf dem Bildschirm, dass im Zuge der Aktivierung von CarPlay die MMI-Telefonfunktionalität des PKWs sowie die iPod-Mediennutzung nicht mehr genutzt werden können. Fortan wird dies über die Telefon- und Musik-App des Smartphones geregelt. Mikrofone und Lautsprecher des Fahrzeugs werden durch diesen Vorgang aber nicht deaktiviert, sondern sind aktiver Teil von CarPlay. Gleiches gilt auch für die Steuerelemente des Q7. Ist das iPhone mit dem PKW verbunden, zeigt dessen Bildschirm zunächst ein das Betriebssystem sperrendes CarPlay-Logo an, anschließend ist das Smartphone aus Sicherheitsgründen nur noch über das Fahrzeug zu bedienen. Im Q7 wird dies primär über einen Dreh-, Drück- und Kippschalter, der vor dem Touch-Eingabefeld angebracht ist, sowie Bedienelemente am Lenkrad gelöst. Das ausfahrbare Display auf dem Armaturenbrett verfügt hingegen nicht über Touchsensoren oder Schalter. Das Display überzeugt vor allem durch seine sehr hohe Helligkeit und Blickwinkelstabilität. Zudem ist es frei von Reflexionen.

CarPlay während der Fahrt

Nüchtern ausgedrückt fällt die Nutzung von CarPlay vergleichsweise unspektakulär aus. Der Aufbau der Oberfläche erinnert stark an iOS, sie wird nur größer und übersichtlicher dargestellt. Vorinstalliert sind grundsätzlich die Apps Telefon, Musik, Karten, Nachrichten, Sie hören und Podcasts. Die Anwendung Audi MMI ist indes nur ein Link, der wieder zur Oberfläche des Audi-MMI-Systems führt. Dass der gewisse Wow-Faktor fehlt, ist im PKW aber nicht unbedingt von Nachteil – ganz im Gegenteil. CarPlay ist praktisch, übersichtlich und lässt sich ohne viel Aufwand bedienen. Den Blick muss der Fahrer aber auch bei CarPlay oder Android Auto vom Straßengeschehen abwenden, denn in das optionale Head-up-Display (1.390 Euro) ist keines der Systeme integriert.

Die Ladezeiten von CarPlay hängen von der Aktualität des Smartphones ab. Im neuen Audi Q7 kommt für das eigene Infotainment zwar ein Tegra-4-SoC von Nvidia zum Einsatz, CarPlay wird aber ausschließlich über das Telefon ausgeführt. Im Zusammenspiel mit einem iPhone 6 Plus läuft die Nutzung naturgemäß verzögerungsfrei ab. Bei den weiteren kompatiblen Geräten iPhone 5, 5S und 5C könnte dies aber anders ausfallen. Wird in Verbindung mit einem iPhone 6 Plus beispielsweise Siri fürs Telefonieren aufgerufen, funktioniert das zuverlässig und schnell. Auch die Auswahl von einzelnen Menüpunkten oder das Starten von Apps geht zügig von der Hand. Ganz so schnell wie es auf dem iPhone selbst gelingt, ist CarPlay aber nicht. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der Darstellung von Übergängen zwischen einzelnen Menüs.

Eine der Hauptfunktionen von CarPlay ist die Navigation über Apple Maps. Aufbau und Darstellung von Apple Maps sind durchaus schlüssig, allerdings stellt sich in einem Fahrzeug mit neuestem Navigationssystem, das zudem auch offline funktioniert, schnell die Frage, warum man zur Lösung von Apple greifen sollte, wenn das Fahrzeug für 600 Euro Aufpreis seine eigenen Karten auf einem 12,3 Zoll großen Bildschirm, genannt „Audi virtual cockpit“, im Instrumententräger sowie, noch sicherer, im Head-up-Display anzeigen lassen kann. Hier versucht Apple ein Problem zu lösen, das keines ist. Dies gilt aber ebenso für das für sich betrachtet bessere Google Maps. Für die Navigation vor Ort stellte sich Audis eigene Lösung stets als beste Wahl heraus. Der Funktionsumfang fällt größer aus und sie liegt besser im Blick des Fahrers. Vor allem im Audi virtual cockpit überzeugt die Darstellung der detailreichen Karten, die zudem um Informationen aus Google Maps ergänzt werden.

Überzeugen können CarPlay und Android Auto dennoch. Dies liegt insbesondere daran, dass bisher keine andere Lösung so schnell das Eintauchen in das eigene Ökosystem aus Kontakten, Musik, Podcasts und Apps erlaubt. Vor allem abseits des Luxussegments dürfte der Funktionsumfang zudem interessanter für die Kundschaft sein. Werden nämlich nicht viele oder sogar keine Funktionen des Fahrzeugs über ein Steuerungssystem mit Bildschirm gelöst, genügen ein vergleichsweise „dummes“ Display, eine Navigationsvorbereitung und ein einfaches Bedienelement, um CarPlay in vollem Umfang nutzen zu können. Das Smartphone stellt die weitere Technik, sodass im besten Fall nicht in ein teures Navigationssystem investiert werden muss.

Interessant sind beide Systeme aber auch durch das zukünftige Aufgebot an Apps, das derzeit allerdings noch mager ausfällt. Hier ist Google mit Android Auto sogar schon einen Schritt weiter als Apple. Unter Android Auto kann schon jetzt zum Beispiel der beliebte Messenger WhatsApp verwendet werden, bei Apple beschränkt sich das Aufgebot noch auf iMessage und SMS/MMS. Spannend wird es zudem, wenn sich nicht mehr nur CarPlay und Android Auto mit ihren Funktionen in den PKW integrieren, sondern Funktionen des PKWs in die Systeme von Apple und Google fließen.

Audi hat gegenüber ComputerBase gesagt, dass Google in Kooperation mit den Automobilherstellern bereits daran arbeite, Funktionen des Fahrzeugs auch über Android Auto steuern zu lassen. Im Vorfeld der Entwicklerkonferenz I/O wurde spekuliert, dass Google Android M möglicherweise als eigenständiges Betriebssystem für Fahrzeuge vorstellen werde, dazu gekommen ist es aber nicht. Dennoch scheint hinter den Kulissen der Weg dafür zumindest teilweise geebnet zu werden.

Impressionen neuer Audi Q7

Apple und Google bieten mit CarPlay und Android Auto noch klar erkennbar die erste Generation solcher Lösungen an. Dass die Entwicklung nicht einfach von der Hand ging, zeigt die späte Markteinführung. Ursprünglich sollten CarPlay und Android Auto schon Ende 2014 bis Anfang dieses Jahres verfügbar sein. Aber Apple und Google sind nun mal keine Automobilhersteller und haben sich den Einstieg in das Segment sicherlich einfacher vorgestellt. Umgekehrt sind Audi, BMW, Mercedes-Benz und Co. auch keine Profis auf den Gebieten von Apple und Google. Ein Jahr lang haben Google und Audi zusammen gearbeitet, um Android Auto in die Flotte des Autoherstellers zu integrieren. Bedürfnisse des Automobilherstellers und Bedienkonzepte, an die von Google nicht gedacht wurde, mussten beachtet und reif für die Serienproduktion umgesetzt werden.

Blick in die Zukunft

Das Feld der Fahrzeugintegration von mobilen Betriebssystemen und die Fusion zwischen „der Welt des Internets“ und den dort aktiven Unternehmen mit der Welt der oftmals fälschlicherweise als alteingesessen und langsam adaptierend bezeichneten Fahrzeughersteller birgt noch viele Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Vor allem müssen sich in den nächsten Jahren die Entwicklungszyklen näher kommen. Die Automobilbranche stellt an die Technik ganz andere Bedingungen als es Apple und Google tun, die Technik muss in weit mehr Szenarien ausnahmslos fehlerfrei funktionieren. Raum für Innovationen und weitere Synergien ist auf beiden Seiten genügend gegeben, sodass dem Markt eine spannende Entwicklung bevorsteht.