Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel

Robert McHardy 149 Kommentare
Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel

Mehr als nur Leistung zu beachten

Spieler können sich zwischen einer Vielzahl an Grafikkarten von allerhand Herstellern entscheiden, ComputerBase leistet mit Grafikkarten-Tests und der Grafikkarten-Kaufberatung kontinuierlich Entscheidungshilfe. Neben Kriterien wie Leistung, Lautstärke und Preis gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, der oft nicht leicht zu durchblicken ist: die Garantie. ComputerBase klärt über die Unterschiede bei den Herstellern auf. Allen Angaben liegen konkrete Antworten der Hersteller zugrunde.

Dabei gibt es weit mehr zu beachten als den reinen Garantiezeitraum. Einige Hersteller erlauben beispielsweise das Auswechseln des verbauten Kühlers oder das Übertakten der GPU und des Speichers – in einigen Fällen sogar mit Erhöhung der Spannung.

Dauer und Abwicklung im Überblick

Insgesamt sechs der hier aufgelisteten fünfzehn Hersteller garantieren Anwendern den problemlosen Betrieb ihrer Grafikkarten in einem Zeitraum von zwei Jahren, die restlichen neun geben drei Jahre Garantie. Bei EVGA, Zotac und Gigabyte kann dieser Zeitraum nochmals verlängert werden. Im Falle von EVGA können Kunden innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf optional eine Garantieverlängerung erwerben, der Preis ist dabei abhängig von der UVP der Grafikkarte.

Preise für Garantieverlängerung bei EVGA
Unverbindliche Preisempfehlung des Produktes Kosten für 5 Jahre Garantie  Kosten für 10 Jahre Garantie
Unter 200 Euro 8 Euro 16 Euro
Unter 300 Euro 12 Euro 25 Euro
Unter 400 Euro 16 Euro 32 Euro
Unter 500 Euro 20 Euro 40 Euro
500 Euro und mehr 25 Euro 50 Euro

Zusätzlich bietet der Hersteller einen Vorabaustausch für defekte Grafikkarten und ein Programm, bei dem Nutzer innerhalb von 90 Tagen ihre Grafikkarte gegen ein stärkeres Modell durch Zahlung der Preisdifferenz tauschen können, an.

Mehr Garantie gegen Registrierung

Bei Zotac muss die Grafikkarte innerhalb von 28 Tagen nach dem Kauf registriert werden, dann wird die Garantie gratis um drei Jahre verlängert. Käufer einer GeForce-GTX-1000-Grafikkarte der Xtreme-Gaming-Serie von Gigabyte können diese innerhalb von 30 Tagen ab Kauf registrieren und die Garantie kostenfrei auf vier Jahre verlängern. Der Hersteller XFX gewährt zusätzliche zwei Jahre Garantie auf die Lüfter, sodass diese auf insgesamt fünf Jahre kommen.

Auch bei PowerColor können Nutzer ihre Grafikkarten registrieren, allerdings nur, wenn sie aus der Devil-Serie stammen. Anschließend steht ein Chat zur Verfügung, der zur Kommunikation mit dem Hersteller genutzt werden kann. Unabhängig von der Serie können Kunden eine Garantieabwicklung über PowerColor direkt vornehmen. In diesem Fall verspricht der Hersteller, binnen zwei Wochen für Ersatz zu sorgen.

Auch Garantie ab Produktionsdatum gibt es

Bei MSI beträgt der Garantiezeitraum zwar drei Jahre, gezählt wird aber ab Produktions- und nicht ab Verkaufsdatum. Auch Gigabyte gibt das auf der deutschen Webseite so an, erklärt auf Nachfrage aber, dass das Kaufdatum zählt. Leser sollen sich im Zweifelsfall auf diese Aussage berufen.

Hersteller  Zeitraum Optional verlängerbar Abwicklung
Asus 3 Jahre Händler
Club 3D 2 Jahre Händler
EVGA 3 Jahre 5 Jahre
10 Jahre
Händler + Hersteller
Gainward 2 Jahre Händler
Gigabyte 3 Jahre 4 Jahre nach Registrierung1 Händler
HIS 2 Jahre Händler
Inno3D 2 Jahre / 3 Jahre2 Händler
KFA² 2 Jahre Händler
MSI 3 Jahre3 Händler
Palit 2 Jahre Händler
PNY 3 Jahre Händler + Hersteller
PowerColor 2 Jahre Händler + Hersteller
Sapphire 2 Jahre4 / 3 Jahre5 Händler + Hersteller6
XFX 3 Jahre (5 Jahre auf Lüfter) Händler + Hersteller
Zotac 2 Jahre 5 Jahre nach Registrierung7 Händler + Hersteller
1 Bei GeForce-GTX-1000-Xtreme-Gaming-Serie; 2 3 Jahre nur bei iChill-Serie; 3 Ab Herstellungsdatum; 4 Bis einschließlich Radeon-300-Serie; 5 Ab Radeon-RX-400-Serie; 6 Falls Händler RMA verweigert; 7 Gilt nur ohne Kühlerwechsel

Hinweis: Im ursprünglichen Zustand der Tabelle wurde bei Gainward eine dreijährige Garantie aufgeführt. Seit November betreut in Deutschland die XpertVision GmbH Gainward, die entschieden hat, die Garantiephase wieder auf zwei Jahre zu kürzen.

Was passiert, wenn der Händler pleite geht?

Der Großteil der Hersteller bietet keine direkte Garantieabwicklung an, im Normalfall muss der Händler dafür herhalten. Denn genau genommen gewährt der Hersteller die Garantie nur ihm und nicht dem Kunden. Das kann von Nachteil sein, wenn Händler sich der Garantieabwicklung nicht gerne annehmen. In diesem Fall werden Garantie (gewährt durch Hersteller für Probleme im Betrieb) und Gewährleistung (gewährt durch Händler für Probleme, die schon bei Kauf vorlagen) vermengt und der Händler verlangt, dass der Kunde nach sechs Monaten beweist, dass die Ursache für den Defekt schon beim Kauf vorlag. Kann er das nicht, muss der Händler keine Gewährleistung leisten und geht auf Distanz – der Hersteller ist für den Käufer mit seinem Garantieversprechen dann nur schwer zu erreichen.

In diesem Fall und wenn der Händler pleite geht, sitzt der Kunde aber keinesfalls auf dem Trockenen. Dann sollten sich Kunden mit der Rechnung der Grafikkarte und einer Beschreibung des Defekts in jedem Fall direkt an den Hersteller wenden und die Situation schildern. Nur MSI erklärt, ein anderer Händler müsse in diesem Fall einspringen.

Kühlerwechsel und Übertaktung

Viele Nutzer wollen den vom Hersteller verbauten Kühler gegen ein leistungsstärkeres oder leiseres Modell austauschen. Auch hier variiert von Hersteller zu Hersteller, ob die Garantie bei einem solchen Tausch erhalten bleibt. Genauso sieht es beim Thema Übertaktung aus.

Wer die Grafikkarte beim Tausch des Kühlers beschädigt, hat Pech

Auch wenn einige Hersteller das Wechseln des Kühlers erlauben: Wer beim Austausch die Grafikkarte physisch beschädigt, der verliert jeden Garantieanspruch. Auch führen andere physische Modifikationen wie beispielsweise Volt-Mods zum Verlust der Garantie. Hier sollten Nutzer also Vorsicht walten lassen.

Vor dem Einsenden muss der Originalzustand wiederhergestellt sein

Falls ein Hersteller im Rahmen der Garantie erlaubt, den verbauten Kühler auszutauschen, gilt im Falle eines Defekts, dass die Grafikkarte vor dem Einsenden zum Hersteller oder Händler in den Originalzustand zurückversetzt werden muss. Der Originalkühler sollte also auf jeden Fall aufgehoben werden.

Bei MSI gibt es eine weitere interessante Einschränkung: Der neue Kühler muss mindestens die gleiche Kühlleistung wie der Originalkühler aufweisen. Das Verbauen von passiven Kühlern führt folglich nahezu immer zum Verlust der Garantie. Ebenfalls zu beachten: Die drei- oder nach Registrierung der Grafikkarte fünfjährige Garantie bei Zotac fällt nach dem Austauschen des verbauten Kühlers auf zwei Jahre zurück.

Hersteller  Kühlerwechsel Overclocking Overvolting VBIOS flashen
Asus 1 1
Club 3D geduldet
EVGA
Gainward 2
Gigabyte
HIS
Inno3D 7
KFA²
MSI 3
Palit 4 4
PNY
PowerColor 5
Sapphire geduldet
XFX geduldet
Zotac 6
1 Nur mit GPU Tweak II; 2 Nur mit Gainwards ExpertTool; 3 Neuer Kühler braucht mindestens gleiche Kühlleistung wie der Originalkühler; 4 Nur mit Palits ThunderMaster; 5 Nur Devil-Serie mit VBIOS aus dem DevilClub; 6 Garantiezeit fällt auf zwei Jahre zurück; 7 Bspw. Caseking gibt auf Grafikkarten von Inno3D mit umgebauten Kühler 2 Jahre Garantie

Übertakten geht, aber

Einige Hersteller beschränken die Erlaubnis des Übertaktens im Rahmen der Garantie auf bestimmte Programme. So darf bei Asus beispielsweise nur mit GPU Tweak II und bei Palit nur mit dem ThunderMaster Hand an die Grafikkarte gelegt werden. Wer andere Software nutzt oder die des Herstellers modifiziert, der verliert formal den Garantieanspruch.

Kulanz statt Garantie

Verschiedene Hersteller erlauben Übertaktung oder Kühlertausch nicht explizit, haben aber gegenüber ComputerBase zu verstehen gegeben, dass im Normalfall Kulanz greift. So heißt es beispielsweise bei Club 3D, dass die Garantie bestehen bleibt, wenn der Kühlerwechsel „ordentlich gemacht wird“. Auch XFX zeigt sich bei dieser Thematik kulant, „gerade wenn wir sehen, dass der Kunde Erfahrung hat“. Dafür müssen Kunden vor dem Umbau im besten Fall Kontakt mit dem Hersteller aufnehmen. Bei Sapphire führt Overclocking oder der Kühlertausch offiziell zum Garantieverlust; wenn keine physischen Schäden bestehen, dann gibt es laut Hersteller aber keine Probleme bei der Abwicklung.

Im Falle eines Defekts und des vorherigen Betreibens der Grafikkarte außerhalb der Garantie sollten Kunden sich direkt beim Hersteller melden. Nur so kann der Hersteller Kulanz zeigen, Händler filtern bereits im Voraus Grafikkarten heraus, bei denen der Garantieaufkleber entfernt wurde.

Ein neues VBIOS ist immer kritisch

Über verschiedene Tools lässt sich das VBIOS der Grafikkarte auslesen, verändern und anschließend wieder aufspielen (flashen). Das führt bei fast allen Herstellern zum Garantieverlust. Einzige Ausnahme ist PowerColor: Der Hersteller bietet für Grafikkarten der Devil-Serie im sogenannten DevilClub spezielle Overclocking-VBIOS an, die aufgespielt werden dürfen. Selbst verändert werden dürfen aber auch diese nicht.

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