Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel

Robert McHardy 432 Kommentare
Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel
Update 15.09.2020 10:00 Uhr

ComputerBase hat im Sommer 2020 alle auf dem deutschen Markt relevanten Hersteller kontaktiert, um die Informationen in diesem Artikel auf den aktuellen Stand zu bringen. Firmen, die auch auf wiederholte Nachfrage über einen Zeitraum von drei Monaten nicht geantwortet haben, wurden aus dem Artikel aufgrund potentiell veralteter Informationen entfernt. Bei Nvidia beruhen die Angaben zur Garantie bei der Founders Edition auf Aussagen des Supports, den sowohl ein Leser als auch die Redaktion unabhängig voneinander zu den relevanten Themen kontaktiert haben.

Mehr als nur Leistung zu beachten

Spieler können sich zwischen einer Vielzahl an Grafikkarten von allerhand Herstellern entscheiden, ComputerBase leistet mit Grafikkarten-Tests und der Grafikkarten-Kaufberatung kontinuierlich Entscheidungshilfe. Neben Kriterien wie Leistung, Lautstärke und Preis gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, der oft nicht leicht zu durchblicken ist: die Garantie. ComputerBase klärt über die Unterschiede bei den Herstellern auf. Allen Angaben liegen konkrete Antworten der Hersteller zugrunde.

Dabei gibt es weit mehr zu beachten als den reinen Garantiezeitraum. Einige Hersteller erlauben beispielsweise das Auswechseln des verbauten Kühlers oder das Übertakten der GPU und des Speichers – in einigen Fällen sogar mit Erhöhung der Spannung.

Dauer und Abwicklung im Überblick

Insgesamt sechs der hier aufgelisteten dreizehn Hersteller garantieren Anwendern den problemlosen Betrieb ihrer Grafikkarten in einem Zeitraum von zwei Jahren. Zwei davon geben auf ausgewählte Modelle ebenso drei Jahre Garantie wie die verbleibenden sieben Hersteller. Bei EVGA, Zotac und Gigabyte kann dieser Zeitraum nochmals verlängert werden. Im Falle von EVGA können Kunden innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf optional eine Garantieverlängerung erwerben, der Preis ist dabei abhängig von der UVP der Grafikkarte.

Preise für Garantieverlängerung bei EVGA
Unverbindliche Preisempfehlung des Produktes Kosten für 5 Jahre Garantie Kosten für 10 Jahre Garantie
Unter 200 Euro 8 Euro 16 Euro
Unter 300 Euro 12 Euro 25 Euro
Unter 400 Euro 16 Euro 32 Euro
Unter 500 Euro 20 Euro 40 Euro
500 Euro und mehr 25 Euro 50 Euro

Zusätzlich bietet der Hersteller einen Vorabaustausch für defekte Grafikkarten und ein Programm, bei dem Nutzer innerhalb von 90 Tagen ihre Grafikkarte gegen ein stärkeres Modell durch Zahlung der Preisdifferenz tauschen können, an.

Mehr Garantie gegen Registrierung

Bei Zotac muss die Grafikkarte innerhalb von 28 Tagen nach dem Kauf registriert werden, dann erhalten Kunden nach Ablauf der Gewährleistung eine Herstellergarantie von drei (bei GeForce-RTX-3000-Serie zwei) Jahren. In den ersten zwei Jahren nach Kauf, müssen Käufer sich im Falle eines Defekts im Rahmen der Gewährleistung an den Händler wenden, danach übernimmt der Hersteller die Abwicklung. Bei Gigabyte lässt sich die Garantie ausgewählter Produkte bei Registrierung innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf verlängern.

Auch bei PowerColor können Nutzer ihre Grafikkarten registrieren, allerdings nur, wenn sie aus der Devil-Serie stammen. Anschließend steht ein Chat zur Verfügung, der zur Kommunikation mit dem Hersteller genutzt werden kann.

Auch Garantie ab Produktionsdatum gibt es

Bei MSI beträgt der Garantiezeitraum zwar drei Jahre, gezählt wird aber ab Produktions- und nicht ab Verkaufsdatum. Auch bei Gigabyte wird die Garantie ab Produktionsdatum gerechnet.

Hersteller Zeitraum Optional verlängerbar Abwicklung
ASRock 2 Jahre Nein Händler
Asus 3 Jahre Händler
EVGA 3 Jahre 5 Jahre
10 Jahre
Händler + Hersteller
Gainward 3 Jahre Händler
Gigabyte 3 Jahre Verlängerung für ausgewählte Modelle Händler
KFA² 2 Jahre Händler
MSI 3 Jahre Händler
Nvidia 3 Jahre Hersteller sowie Dienstleister
Palit 3 Jahre Händler
PowerColor 2 Jahre Händler
Sapphire 2 oder 3 Jahre Händler + Hersteller1
XFX 2 oder 3 Jahre Händler + Hersteller
Zotac 2 Jahre / 3 Jahre3 5 Jahre nach Registrierung Händler + Hersteller2
1 Nur bei Problemen der Garantieabwicklung; 2 Die ersten zwei Jahre müssen über den Händler abgewickelt werden; 3 Ab RTX-3000-Serie

Was passiert, wenn der Händler pleite geht?

Der Großteil der Hersteller bietet keine direkte Garantieabwicklung an, im Normalfall muss der Händler dafür herhalten. Denn genau genommen gewährt der Hersteller die Garantie nur ihm und nicht dem Kunden. Das kann von Nachteil sein, wenn Händler sich der Garantieabwicklung nicht gerne annehmen. In diesem Fall werden Garantie (gewährt durch Hersteller für Probleme im Betrieb) und Gewährleistung (gewährt durch Händler für Probleme, die schon bei Kauf vorlagen) vermengt und der Händler verlangt, dass der Kunde nach sechs Monaten beweist, dass die Ursache für den Defekt schon beim Kauf vorlag. Kann er das nicht, muss der Händler keine Gewährleistung leisten und geht auf Distanz – der Hersteller ist für den Käufer mit seinem Garantieversprechen dann nur schwer zu erreichen.

In diesem Fall oder wenn der Händler pleite geht, sitzt der Kunde aber nicht zwangsweise auf dem Trockenen. Dann sollten sich Kunden mit der Rechnung der Grafikkarte und einer Beschreibung des Defekts in jedem Fall direkt an den Hersteller wenden und die Situation schildern. Eine besondere Art der Abwicklung gibt es bei Nvidia für Founders Edition. Kunden müssen sich zuerst bei Nvidia bezüglich des Mangels melden, die Abwicklung selbst wird danach allerdings von einem Dienstleister (Digital River) übernommen.

Kühlerwechsel und Übertaktung

Viele Nutzer wollen den vom Hersteller verbauten Kühler gegen ein leistungsstärkeres oder leiseres Modell austauschen. Auch hier variiert von Hersteller zu Hersteller, ob die Garantie bei einem solchen Tausch erhalten bleibt. Genauso sieht es beim Thema Übertaktung aus.

Wer die Grafikkarte beim Tausch des Kühlers beschädigt, hat Pech

Auch wenn einige Hersteller das Wechseln des Kühlers erlauben: Wer beim Austausch die Grafikkarte physisch beschädigt, der verliert jeden Garantieanspruch. Auch führen andere physische Modifikationen wie beispielsweise Volt-Mods zum Verlust der Garantie. Hier sollten Nutzer also Vorsicht walten lassen.

Vor dem Einsenden muss der Originalzustand wiederhergestellt sein

Falls ein Hersteller im Rahmen der Garantie erlaubt, den verbauten Kühler auszutauschen, gilt im Falle eines Defekts, dass die Grafikkarte vor dem Einsenden zum Hersteller oder Händler in den Originalzustand zurückversetzt werden muss. Der Originalkühler sollte also auf jeden Fall aufgehoben werden.

Bei Zotac gibt es als weitere Einschränkung, dass die erweiterte Garantie bei einem Kühlerwechsel verfällt. Damit bleiben Kunden nur noch zwei statt fünf Jahren Garantiezeitraum.

Hersteller Kühlerwechsel Overclocking Overvolting VBIOS flashen
ASRock Kulanz5
Asus 1 1
EVGA 2
Gainward 3
Gigabyte
KFA²
MSI
Nvidia
Palit 4
PowerColor
Sapphire Kulanz5
XFX
Zotac ✓ (nur die ersten zwei Jahre)
1 Nur mit GPU Tweak II oder AMD/Nvidia-Software; 2 Nur Grafikkarte mit Dual-BIOS von denen eines im Originalzustand sein muss; 3 Nur mit Gainwards ExpertTool; 4 Nur mit Palits ThunderMaster; 5 Dazu sind die Hinweise des folgenden Abschnitts „Kulanz statt Garantie“ zu beachten

Übertakten geht, aber

Einige Hersteller beschränken die Erlaubnis des Übertaktens im Rahmen der Garantie auf bestimmte Programme. So darf bei Asus beispielsweise nur mit GPU Tweak II oder offizieller AMD/Nvidia-Software und bei Palit nur mit dem ThunderMaster Hand an die Grafikkarte gelegt werden. Wer andere Software nutzt oder die des Herstellers modifiziert, der verliert formal den Garantieanspruch. Bei Nvidia heißt es bezüglich der Founders Edition, dass Übertakten und Under/Overvolting mit Hilfe von eigenen Programmen des Herstellers sowie mit Software der Boardpartner erlaubt sei.

Kulanz statt Garantie

Verschiedene Hersteller erlauben Übertaktung oder Kühlertausch nicht explizit, haben aber gegenüber ComputerBase zu verstehen gegeben, dass im Normalfall Kulanz greift. Bei Sapphire führt ein Kühlerwechsel zwar offiziell zum Erlischen der Garantie, weiter heißt es in der Antwort an ComputerBase aber „Wird die Karte in den Originalzustand zurückversetzt und ist der Defekt nicht auf die mechanische Veränderung zurückzuführen, so wird die RMA in den meisten Fällen sicherlich akzeptiert“. In früheren Revisionen dieses Artikels haben andere Hersteller ähnliche Antworten gegeben, die sie bei der diesjährigen Nachfrage allerdings nicht wiederholt haben. Das bedeutet für Kunden, dass sie vor physischen Modifikationen ihrer Grafikkarte mit dem Hersteller Rücksprache halten sollten. Im Zweifel sollte lieber davon abgesehen werden, einen neuen Kühler zu verbauen, denn Kulanz ist freiwillig und nicht bindend. In jedem Fall muss der Originalkühler vor dem Einsenden zur Bearbeitung der Garantie wieder montiert werden.

Im Falle eines Defekts und des vorherigen Betreibens der Grafikkarte außerhalb der Garantie sollten Kunden sich direkt beim Hersteller melden. Nur so kann der Hersteller Kulanz zeigen, Händler filtern bereits im Voraus Grafikkarten heraus, bei denen der Garantieaufkleber entfernt wurde.

Ein neues VBIOS ist immer kritisch

Über verschiedene Tools lässt sich das VBIOS der Grafikkarte auslesen, verändern und anschließend wieder aufspielen (flashen). Das führt bei fast allen Herstellern zum Garantieverlust. In der Vergangenheit erlaubte PowerColor als einziger Hersteller das aufspielen von modifizierten VBIOS, die der Hersteller selbst veröffentlichte. Bei EVGA werden Grafikkarten mit modifiziertem VBIOS angenommen, solange sie über ein Dual-BIOS verfügen und sich mindestens eines davon im Originalzustand befindet.

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Einen ausführlichen Vergleich aller aktuellen Grafikkarten mit Rangliste finden Sie ebenfalls auf Computerbase.

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