Notebook mit Linux im Test: Eine Woche mit dem dünnen KDE-Slimbook

Ferdinand Thommes 51 Kommentare
Notebook mit Linux im Test: Eine Woche mit dem dünnen KDE-Slimbook
Bild: Slimbook

tl;dr: Notebooks mit vorinstalliertem und gut konfigurierten Linux sind weiterhin rar. Mit dem KDE-Slimbook betritt das KDE-Projekt in Zusammenarbeit mit dem spanischen Hersteller Slimbook den Markt. ComputerBase hat das Ultrabook mit KDE Neon eine Woche im Alltag genutzt und überwiegend positive Erfahrungen gemacht.

Das KDE-Slimbook mit KDE Neon

Das Konzept hinter dem KDE-Slimbook basiert auf der Annahme, dass Anwender, Paketbetreuer und Entwickler oft aneinander vorbei reden, wenn es um das Verstehen und Beheben von Fehlern geht. Im Fall von KDE gilt es im Regelfall zunächst, den Fehler eindeutig einer von drei Kategorien zuzuordnen: Es stellt sich die Frage, ob der Fehlerteufel in der Desktop-Umgebung, also in diesem Falle KDE selbst, im darunterliegenden Betriebssystem, oder bei der Hardware zu suchen ist. Diese Differenzierung kostet viel Zeit und birgt die Gefahr weiterer Fehler im Prozess der Fehlerbehebung.

Um eine einfachere Abgrenzung zu erlauben, hat der Entwickler Jonathan Riddell im Jahr 2016 für das KDE-Projekt eine Referenz-Distribution erstellt, die auf den Namen KDE Neon hört und sich hauptsächlich an Entwickler und Enthusiasten wendet. Auf dieser Basis hat wiederum die spanische KDE-Community mit dem in Valencia ansässigen Unternehmen Slimbook ein Ultrabook konzipiert, das sowohl Entwickler als auch KDE-Anwender und solche, die es werden wollen, ansprechen soll.

Der Vorteil für den KDE-Nutzer ist, dass ein auftretender Fehler von einem Entwickler eher nachvollzogen werden kann, wenn beide identische Hardware mit dem gleichen Betriebssystem benutzen. Und nebenbei gibt es eine weitere Alternative auf dem noch überschaubaren Markt für Notebooks mit ab Werk installiertem, vollständig mit Treibern ausgestatteten Linux.

Intel Skylake und SSD im Alugewand

Das KDE Slimbook ist in einem silbernen Aluminium-Gehäuse mit den Maßen 33,0 × 22,0 × 1,8 (max.) cm verpackt, wiegt 1.36 Kilogramm und macht nach dem Auspacken einen edlen Eindruck, der durch das haptisch kühle Metallkleid noch unterstützt wird. Das Gehäuse ist präzise gearbeitet, die Spaltmaße weisen keine Unregelmäßigkeiten auf. Neben dem Notebook liegen im Karton das Netzteil samt proprietärem Ladekabel, ein alternativer WLAN-Dongle sowie Informationen über KDE und KDE Neon.

Die Hardware im Überbick
Die Hardware im Überbick

CPUs auf Basis von Intel Skylake

Intel stellt den Prozessor und die integrierte Grafiklösung des KDE-Slimbook. Der Kunde hat die Wahl zwischen dem Intel Core i5-6200U mit 2,3 GHz Basistakt und 2,8 GHz im Turbo und dem Intel Core i7-6500U mit 2,5 beziehungsweise 3,1 GHz im Turbo. Beides sind Dual-Core-Prozessoren mit Hyper-Threading und Intel HD Graphics 520 in der 15-Watt-TDP-Klasse. Beim Hauptspeicher setzt das KDE Slimbook in der Grundausstattung auf vier GByte DDR3-RAM, die mit 1.600 MHz takten. Die Kapazität kann bei der Bestellung bis auf 16 GByte erweitert werden.

Lahme SSD

Als Festplatte ist entgegen den Angaben in den technischen Spezifikationen im Testmuster keine SSD von Samsung oder Crucial (Micron) sondern die Kingston mS200 mit SATA-Schnittstelle verbaut. In der Basis sind es 120 GB, Optionen auf 250 oder 500 GB stehen zur Verfügung.

SSD mit durchschnittlichem Tempo
SSD mit durchschnittlichem Tempo

Full HD auf matten 13 Zoll

Beim Display handelt es sich um ein mattes 13,3-Zoll-IPS-LED-Display, das in Full HD mit 1.920 × 1.080 Bildpunkten auflöst. Die Pixeldichte beträgt 166 ppi, bei der Helligkeit werden 355 cd/m² angegeben. Mit der Außenwelt nimmt das Slimbook Kontakt per WLAN mit Intel Dual Band AC3160 auf. Alternativ stehen Intel 7265N oder 7265AC zur Auswahl. Diese stellen zudem auch Bluetooth 4.0 zur Verfügung. Ein Ethernet-Adapter zum Anschluss an einen der beiden USB-3.0-Ports gehört mit zum Lieferumfang. Ebenfalls mit im Karton liegt ein WLAN-Dongle mit einem Ralink- MT7601U-Chip, der mit manchen älteren Routern besser zusammenarbeiten soll als die WLAN-Chips von Intel.

Neben zwei USB-3.0-Ports stehen ein Mini-HDMI-Anschluss sowie ein Einschub für SD- und MMC-Karten zur Verfügung. Eine Webcam mit einem MegaPixel samt Mikrofon steht ebenfalls auf der Ausstattungsliste. Der Akku hat eine Kapazität 6800 mAh (keine Angabe zu Wattstunden), im Test waren damit bis zu 12 Stunden bei Nutzung im redaktionellen Alltag bei reduzierter Bildschirmhelligkeit möglich.

Tastaturlayout nicht endgültig

Die Chiclet-Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung besitzt 101 Tasten. Die Beleuchtung kann über die Tastenkombination Fn - F5 in mehreren Stufen zugeschaltet werden. Das zum Test übersandte Gerät hatte noch eine deutsche Vorserien-Tastatur, auf der die Taste mit den Vergleichszeichen und der senkrechte Strich, auch als Pipe bekannt, fehlten. Auf Geräten für den Verkauf sollen beide vorhanden sein, dafür fehle dort „entf“. Das Schreibgefühl ist für eine Chiclet-Tastatur angenehm präzise. Außer der deutschen Tastatur kann auch eine Belegung in Englisch, Französisch oder Spanisch bestellt werden. Der Austausch von Komponenten findet über das Entfernen der Bodenplatte statt, die von zehn Schrauben gehalten wird. Das verbaute Touchpad beherrscht Multitouch.

Tastatur
Tastatur (Bild: Slimbook)

Das Slimbook gibt es auch als Pro und mit 15,6 Zoll

Seit einigen Wochen gibt es auch eine Alternative mit dem Formfaktor 15,6 Zoll unter dem Namen Excalibur bei Slimbook zu beziehen. Den wichtigsten Unterschied bildet neben dem größeren Formfaktor die zusätzliche Grafikkarte vom Typ GeForce 940MX sowie die auf Wunsch höhere Auflösung. Erst vor wenigen Tagen angekündigt wurde wiederum das Slimbook Pro 13“. Es ist 4 mm dünner und mit Intels aktueller Prozessorgeneration Kaby Lake und DDR4 aktueller als KDE-Slimbook und Excalibur, aber noch nicht verfügbar. Auch in diesem Fall steht ein HiDPI-Display zur Wahl.

Modell Slimbook 13“ Slimbook Excalibur 15“ Slimbook Pro 13“
Display 13,3 Zoll, Full HD (1.920 x 1.080), IPS, Non-Glare 15,6 Zoll, Full HD (1.920 x 1.080), Ultra HD (3.840 × 2.160), IPS, Non-Glare 13,3 Zoll, Full HD (1.920 x 1.080), IPS Non-Glare, QHD+ (3200 × 1800), Glossy
Prozessor Intel Core i5-6200U / Intel Core i7-6500U,
Intel Core i3-7100U / Intel Core i5-7200U / Intel i7-7500U
Grafik Intel HD 520 (iGPU ) Intel HD 520 (iGPU) / Nvidia GeForce 940MX Intel HD 620 (iGPU)
Arbeitsspeicher 4 – 16 GB DDR3L-1.600 4 – 32 GB DDR4
Festplatte 120 – 500 GB SSD 120 – 512 GB SSD 120 GB – 1 TB
WLAN Intel Wireless-AC 8260 / Intel Dual Band 7265 N oder 7265 AC Intel Dual Band 3160, Intel Dual Band 8265AC
Bluetooth Bluetooth 4.0
Eingabegeräte Touchpad mit Multigesten-Support, Chiclet-Tastatur, beleuchtet
Sonstiges Webkamera, 1 MP, Card Reader SD und MMC
Abmessungen 330 × 220 × 18 mm 374 × 245 × 20 330 x 220 x 14,2
Gewicht 1,36 kg (inkl. Akku) 2,2 kg (inkl. Akku) 1,3 kg (inkl. Akku)
Preis ab 729 Euro (i5), ab 849 (i7) ab 759 Euro (i5), ab 839 (i7) (für Vorbesteller, später 40 Euro Aufpreis) ab 699 Euro (i3), ab 759 Euro (i5), ab 889 Euro (i7) (für Vorbesteller, später 40 Euro Aufpreis)

ComputerBase hat das Slimbook mit der Phoronix-Test-Suite (PTS) einem kurzen Test unterzogen, die Ergebnisse sind bei OpenBenchmarking einsehbar.

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