Two Worlds 2: Mikrotransaktionen statt Konsole im neuen DLC

Max Doll 50 Kommentare
Two Worlds 2: Mikrotransaktionen statt Konsole im neuen DLC
Bild: Topware

Call of the Tenebrae, eine überraschend angekündigte und mehrfach verschobene Erweiterung für das Rollenspiel Two Worlds 2, ist nun endlich verfügbar. Was Topware feilbietet, stößt jedoch auf Ablehnung: Der Publisher hat neben Quests, hübscherer Grafik und weiteren Inhalten auch Mikrotransaktionen nachgerüstet.

Wie Jim Sterling berichtet, findet sich im Hauptmenü ein neuer Marktplatz, in dem Gegenstände verkauft werden sollen. In der Version von Sterling werden nur generische Bezeichnungen für die Angebote genutzt, sie sind dort als „Consumable Item“ deklariert und durchnummeriert. Wie Screenshots (via Imgur) ohne diesen Fehler verraten, werden Crafting-Materialien, Ingame-Geldbeträge, Fertigkeitsbücher, Magiekarten und Waffen-Verzauberungen, die Elementarschaden addieren, zu Preisen zwischen 0,50 und zwei US-Dollar beziehungsweise Euro verkauft.

Keine Begeisterungsstürme bei Nutzern

Das Nachrüsten von Zusatzkäufen stößt, wie die gegenwärtig „überwiegend negativen“ Rezensionen auf Steam verraten, vielen (lautstark protestierenden) Spielern sauer auf. Die Frage nach dem Grund für diese Modernisierung von zweifelhaftem Wert beantwortete ein Entwickler wie folgt: Es handle sich um ein Feature der Xbox-Version, das vielen Spieler gefallen würde. „Also warum nicht?“, schrieb ein Topware-Mitarbeiter, ohne damit einen wirklichen Grund zu liefern. Auch an anderer Stelle wurde die vorhandene Nachfrage nach einem solchen Feature hervorgehoben. Unter anderem auf Reddit wird das bezweifelt: Wer kaufe schon in einem sechs Jahre alten, wenn auch vor Jahren mit zwei Millionen verkaufen Exemplaren recht erfolgreichen Titel weitere Gegenstände, heißt es dort.

Die Konsole wird wieder aktiviert

Bemängelt wird von einem Nutzer zudem ein Fehlalarm des alten Kopierschutzes, der zu viele Hardwareänderungen bemängelt. Dieser ist laut Topware aber seit Erscheinen des DLCs entfernt worden, die Aktivierungsschlüssel alter Retail-Versionen können beim Topware-Support gegen Kaufbeleg oder Nennung des Keys gegen die Steam-Version getauscht werden.

Bemängelt wird derzeit vor allem lautstark das Fehlen der Entwicklerkonsole, die die Manipulation des Spiels und unter anderem die Eingabe von Cheats erlaubt. Hier will Topware reagieren und das Feature mit einem Update wieder freischalten. Deaktiviert wurde die Konsole aufgrund der Implementation von Trading Cards und Errungenschaften, sie sei als mögliches Einfallstor für Cheats und Manipulationen der Steam-Geldbörse betrachtet worden, heißt es in der Erklärung; Steam empfehle ein solches Vorgehen bei der Einbindung von Mikrotransaktionen.

Der Publisher habe wie empfohlen einen potentiell problematischen Aspekt des Spiels entfernt, der nicht als Feature wahrgenommen worden sei. Das Argument ist im Kontext problematisch, weil der selbe Entwickler als Nachteil einer Konsole aufführt, sie könne im Einzelspieler-Modus „Mikrotransaktionen unterminieren“. Insbesondere wenn dann als Vorteil einer Mikrotransaktion hervorgehoben wird, dass der Entwickler „etwas Geld“ verdiene und der Vermerk angebracht wird, dass dagegen niemand etwas haben könne, wird diese Argumentation fragwürdig – auch wenn einmal mehr behauptet wird, der Kauf wäre lediglich eine Abkürzung und das Spiel sei nicht mit Blick auf Zusatzkäufe entworfen worden.

Die Argumentation überzeugt nicht

Auf das prinzipielle Problem, das Spieler sehen, wird aber nicht eingegangen: Erstens versucht ein weiteres Spiel, das beinahe schon als Klassiker gelten kann, nach Kräften zusätzlich Geld zu generieren, indem nachträglich Zusatzkäufe eingepflegt werden. Gerade Klassiker werden mittlerweile durchaus auch deshalb gespielt, weil sie frei von zusätzlicher Monetarisierung sind. Zweitens ist die Argumentation selbst problematisch, da die Konsole letztlich das kostenlose Erzeugen von denjenigen Gegenständen unterbindet, die nun verkauft werden. Ungeachtet der tatsächlichen Gründe hat Topware zumindest en passant die Alternative zum Marktplatz eliminiert. Dass das ein zufälliger Effekt sein soll, ist, gemessen am Vormarsch der immer stärker und aufwendiger in Spiele und Spieldesign integrierten, wunderbar gewinnträchtigen Mikrotransaktionen, ein unwahrscheinliches Szenario.