Edifier MP700 im Test: Zu Recht ein Geheimtipp unter den Bluetooth-Lautsprechern

Michael Schäfer 100 Kommentare
Edifier MP700 im Test: Zu Recht ein Geheimtipp unter den Bluetooth-Lautsprechern

tl;dr: Der Bluetooth-Lautsprecher MP700 von Edifier avancierte innerhalb kurzer Zeit zum Geheimtipp. Im Test bestätigt sich diese Rolle, da der Lautsprecher neben einer guten Verarbeitung vor allem mit gutem Klang punktet – trotz Verbesserungspotenzial.

Bluetooth-Lautsprecher im Retrodesign

Das Design des Bluetooth-Lautsprechers MP700 von Edifier versprüht mit seinem metallischen Tragegriff den Charme eines alten Kofferradios. Dies trifft allerdings bei 294 Millimetern auch auf die Länge des Lautsprechers zu. Auch beim Gewicht fordert der größtenteils aus Aluminium gefertigte Korpus seinen Tribut – 1,6 kg bringt der Lautsprecher auf die Waage, mehr als so manches Notebook. Der bereits erwähnte Tragegriff sorgt für ein leichtes und angenehmes Transportieren, durch „Einrastungen“ in zwei verschiedenen Winkeln lässt sich der Lautsprecher durch diesen zudem liegend positionieren.

Mutet wie ein gutes altes Kofferradio an – der Edifier MP700
Mutet wie ein gutes altes Kofferradio an – der Edifier MP700

Die Verarbeitung ist gemessen am Straßenpreis von rund 180 Euro gut: Der Klangausgeber sieht wie aus einem Guss gefertigt aus, das Metall besitzt keine scharfen Kanten und schließt mit den gummierten Teilen bündig ab. Die drei oben angebrachten Taster sitzen fest und bieten zudem gute Druckpunkte. Die wiederum sind wie die komplette Gummioberfläche sehr stark für Staub anfällig.

Großer Akku, aber kein Aufladen per USB

Damit der MP700 vor Staubablagerungen und gegen Spritzwasser nach IP54 geschützt ist, werden benötigte Anschlüsse mittels einer Gummilasche abgedeckt. Neben dem bekannten Klinke-Anschluss im 3,5-Millimeter-Format treten hier die ersten positiven wie auch negativen Auffälligkeiten zutage: So lässt sich über einen USB-Anschluss der Lautsprecher auch als Powerbank verwenden, wobei dieser 5 Volt und 500 mA ausgibt – die Stromeinspeisung erfolgt jedoch über ein Netzteil ohne USB-Anschluss. Auch wenn sich über dieses mit 14 Volt und 1,4 A der Energiespeicher deutlich schneller aufladen lässt, muss der Nutzer unterwegs Platz für ein weiteres Netzteil einplanen. Hier hätte Edifier zumindest die Möglichkeit eines Aufladens per USB zusätzlich implementieren müssen – auch wenn der Ladevorgang deutlich länger dauert.

USB-Anschluss zum Laden externer Geräte – leider nicht für den eigenen Akku
USB-Anschluss zum Laden externer Geräte – leider nicht für den eigenen Akku

Schnelle Verbindung – auch dank NFC

Die Verbindung des Quellgerätes zum MP700 ist schnell getätigt und kann via Bluetooth und Kabel zustande kommen. Die Art der Verbindung wird anschließend über eine kleine Leuchtdiode angezeigt: Blau für Bluetooth, rot für Kabel. Die Möglichkeit, Musik von einer Speicherkarte wiederzugeben, unterstützt der Lautsprecher hingegen nicht.

Wird Bluetooth 4.0 der Vorrang gegeben, kann das Quellgerät entweder manuell oder bei Unterstützung mittels NFC automatisch verbunden werden. Der Drahtlosstandard unterstützt dabei auch aptX zur verlustfreien Übertragung.

Die Stabilität der drahtlosen Verbindung befindet sich auf gewohntem Niveau, bei freier Sicht sind zehn Meter kein Problem, bei einer dazwischen liegenden Wand kann jedoch bereits nach zwei bis drei Metern mit einer störungsfreien Übertragung Schluss sein.

Über eine Freisprechfunktion für Mobiltelefone verfügt der MP700 im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewerber nicht.

Einfache Bedienung

Ähnlich einfach gestaltet sich auch die Bedienung des MP700. Positiv anzumerken ist, dass der Lautsprecher Aktionen in keinerlei Form kommentiert. Egal, ob dieser eingeschaltet, mit dem Quellgerät verbunden oder wieder ausgeschaltet wird – er bleibt still. Viele Konkurrenzprodukte machen unabhängig von der gewählten Lautstärke lautstark darauf aufmerksam, welche Funktion gerade gewählt wurde.

Die doppelte Belegung der Tasten ist schnell verinnerlicht
Die doppelte Belegung der Tasten ist schnell verinnerlicht

An die Mehrfachbelegung der drei Bedienelemente muss man sich als Nutzer erst gewöhnen, dann lassen sich aber alle nötigen Funktionen ausführen: Ein langer Druck auf die Lautstärketasten spielt den nächsten oder vorherigen Titel, beide zusammen pausieren die Wiedergabe. Dennoch: Mit separaten Tasten zur Titelwahl kämen Nutzer schneller ans Ziel, denn ein schnelles mehrfaches Drücken ist so nicht möglich, weshalb es recht lange dauert, bis mehrere Stücke übersprungen werden.

Laute Ausgabe ohne Krach

Laut Hersteller verfügt der MP700 über eine Ausgangsleistung von 36 Watt RMS. Das Zwei-Wege-System mit jeweils zwei 19-mm-Hochtönern und 70-mm-Mitteltönern plus drei passiver Bassmembrane sowie digitaler Signalverarbeitung (DSP) und Dynamic Range Controll (DRC) soll für einen kraftvollen, reinen Klang sorgen. Dies gelingt dem Lautsprecher nur bedingt, denn bei einer linearen Wiedergabe dominieren die Mitteltöne zu stark, so dass die restlichen Komponenten ihre wahren Qualitäten nicht zeigen können. Nimmt der Nutzer am Quellgerät jedoch Einfluss auf die ausgegebenen Frequenzen, kann der MP700 sein ganzes Potenzial ausspielen und überzeugt durch eine kraftvolle Ausgabe.

Edifier MP700 im Test
Edifier MP700 im Test

Die gute Qualität der einzelnen Komponenten zeigt sich auch dadurch, dass der MP700 selbst bei hoher Lautstärke kaum Verzerrungen aufweist. Zwar sind beim Maximum deutliche Dynamikverluste hörbar – samt dem Eindruck, dass die Klangerzeuger gegen eine Mauer anspielen. Dennoch bleibt das Klangbild relativ klar. Damit empfiehlt sich der MP700 auch für Partys unter freiem Himmel.

Großer Akku sorgt für langen Atem

Der über eine Kapazität von 7.600 mAh verfügende Akku soll laut Edifier für eine Laufzeit von bis zu acht Stunden sorgen. Im Test war an bei mittlerer Lautstärke jedoch selbst nach dieser Zeit noch nicht Schluss, erst nach mehr als neun Stunden war der Akku des MP700 tatsächlich leer. Bei hoher Lautstärke nimmt die Laufzeit jedoch schneller ab.

Eine Leuchtleiste neben dem Netzteilstecker zeigt den Ladestand während der Energiespeisung an, sie informiert den Nutzer aber nicht dauerhaft über den Füllstand des Akkus. Sollte der Akku einmal leer sein, lässt sich der Lautsprecher auch über das Netzteil betreiben.

Fazit

Der MP700 überzeugt vor allem durch seine verzerrungsfreie Wiedergabe und das große Volumen bei hoher Lautstärke. Beim Klang muss allerdings an der Quelle etwas nachgeholfen werden, erst dann kommen Hoch- sowie Tieftöner richtig zur Geltung. Dadurch eignet sich der Lautsprecher besonders für Gartenpartys, durch die IP54-Zertifizierung aber auch für Sommertage am, aber nicht im heimischen Planschbecken.

Die Verarbeitung ist dem aktuellen Straßenpreis von rund 180 Euro angemessen, zusätzliche Bedienelemente für die Titelwahl hätten dem Lautsprecher jedoch gut zu Gesicht gestanden. Durch den stabilen Griff lässt sich der MP700 zudem leicht transportieren.

Edifier MP700 im Test

Die Laufleistung mit über acht Stunden überzeugt ebenfalls, Kritik ist nur an der fehlenden USB-Unterstützung zum Laden des Lautsprechers zu üben – geht das Ladegerät verloren oder wird es vergessen, ist kein schneller Ersatz zur Hand. Die Möglichkeit, per USB-Anschluss andere Geräte laden zu können, darf als nette Dreingabe angesehen werden. Für eine unabhängigere Nutzung von einem Quellgerät hätte Edifier dem MP700 auch die Möglichkeit der Wiedergabe von Musik von einer Speicherkarte spendieren können.

Edifier MP700
Produktgruppe Lautsprecher, 14.07.2017
  • Klang
    +
  • Verarbeitung
    +
  • Bedienung
    +
  • Ausstattung
    O
  • gute Verarbeitung
  • guter Klang
  • laute Ausgabe
  • großer Akku
  • lange Laufzeit
  • USB-Anschluss für Laden externer Geräte
  • kein Aufladen per USB
  • keine Anzeige des Akkustand außerhalb des Ladevorganges
  • Doppelbelegung der Tasten

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.