SegWit2x: Bitcoin soll eine bessere Blockchain erhalten 2/2

Johannes Kneussel et al. 104 Kommentare

Die nächsten Schritte

Die nächsten Schritte in Bezug auf BIP91 und SegWit2x sind klar definiert. In rund 270 Blöcken zu jeweils zehn Minuten Dauer wird der Vorschlag aktiv, nur noch unterstützende Clients können dann zusammenarbeiten. Technisch umgesetzt wird SegWit hingegen erst später. Doch auch dann stehen der immer noch größten Kryptowährung keine ruhigen Monate ins Haus, insbesondere weil das Potenzial zu weiteren Abspaltungen besteht. Aber Kritiker sehen auch die kurze Entwicklungszeit von SegWit2x als potenzielle Gefahr. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick.

Datum Ereignis Anmerkungen
15. November 2016 bis heute Vorstellung von SegWit und BIP141 Zustimmung kommt nicht über 50 Prozent hinaus
4. April 2017 Vorstellung BIP148 um BIP141 über UASF durchzusetzen Ziel: 1. August 2017
14. Juli 2017 Betatest von SegWit2x Der Betatest startete tatsächlich einige Tage später
17. Juli Abstimmung zu SegWit2x beginnt Über 95 Prozent werden erreicht
21. Juli BIP91 Lock-in SegWit2x wird eingeloggt
23. Juli BIP91-Aktivierung Konkret bedeutet die Aktivierung, dass nur noch Blocks akzeptiert werden, die ihre Unterstützung für SegWit bzw. BIP141 erklären. Die tatsächliche Nutzung von SegWit findet erst später statt.
31. Juli Deadline für BIP141 Auch wenn die Unterstützung zuletzt angezogen hat, wird BIP141 ohne Bestätigung auslaufen.
1. August Aktivierung von BIP148 Alle Unterstützer von BIP148 stellen jetzt um, andere Miner können sich anschließen – oder eben nicht und eine Fork hervorrufen. Dann gäbe es einmal Bitcoin Legacy, einmal BitCoin BIP91 und Bitcoin BIP148.
Ab 1. August Launch von BitcoinABC Als wäre die Situation nicht schon kompliziert genug, könnte es neben Bitcoin Legacy, BitCoin BIP91 und Bitcoin BIP148 noch eine weitere Fork geben, diesmal sogar eine Hard Fork. Die Bitcoin-Version würde auf SegWit verzichten, allerdings die Blockgröße erhöhen. Initiator könnte das Netzwerk BitCoin ABC sein, das bisher keine Unterstützung von SegWit signalisiert hatte.
Mitte August Proof-of-Work-Anpassung Sollte die Unterstützung von BIP148 niedrig bleiben, könnte eine Gruppe eine Hard Fork versuchen und den Proof-of-Work-Mechanismus anpassen, um Miner vom System auszuschließen. Das könnte im Endeffekt zu fünf Chains führen: Bitcoin Legacy, BitcoinABC, Bitcoin BIP148, BitCoin BIP91 und Bitcoin BIP148 PoW.
Anfang August bis Mitte September Tatsächliche Aktivierung von SegWit Im Vorfeld ging es nur um die Unterstützung, erst später erfolgt die tatsächliche Umstellung. Der Übergang sollte allerdings problemlos vonstattengehen, weil BIP91 mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde.
November bis Dezember SegWit2x-Hard-Fork In diesem Zeitraum sollte es die angekündigte Hard Fork geben, die Blocks größer als 1 MB auch für Nicht-Witness-Daten erlaubt. Nicht alle unterstützen diesen Vorschlag. Eine neue Gabelung und damit eine theoretisch fünfte Währung könnte die Folge sein.

Darauf müssen Nutzer achten

In der jetzt anstehenden Übergangszeit sollte man als Nutzer überaus vorsichtig agieren. Ob es durch BIP91 zu einem Fork kommt, sollte sich aber bereits Anfang kommender Woche herausstellen. Richtig aufzupassen gilt es auch beim Wechsel auf die doppelte Blockgröße gegen Jahresende.

Dabei gilt es zu bedenken

  • Ein Software-Update für Miner ist nicht zwingend notwendig, da es sich um eine Soft Fork handelt. Dennoch muss die Unterstützung signalisiert werden, sonst werden Blocks ab einem gewissen Punkt nicht mehr akzeptiert.
  • Miner sollten äußerst vorsichtig sein, um nicht in der „falschen“ Chain zu schürfen. Es empfiehlt sich, Blocks in derjenigen Kette zu minen, die die größten Chancen auf Erfolg hat.
  • Möchte man die SegWit-Chain unterstützten, aktualisiert man entsprechend seine Software bzw. signalisiert zunächst die Unterstützung.
  • Nutzer von Light Clients (beispielsweise von mobilen Wallets) sollten überprüfen, wie ihr Anbieter zur Übernahme von SegWit steht und sich im Falle einer Gabelung verhalten wird.
  • Im besten Fall zieht man sein Guthaben auf eine private Geldbörse oder besser noch auf eine Hardware-Wallet.
  • Gibt es nun eine Gabelung, besitzt man die Bitcoins in beiden Ketten und kann abwarten, wie sich die Situation entwickelt.
  • In jedem Fall sollte man Backups der Wallets erstellen.
  • Sollten schlussendlich mehrere Währungen koexistieren, muss man sich verschiedene Wallets dafür anlegen.
  • Dabei sollte man beachten, dass durch Bitcoin ABC und die POW-Hard-Fork noch zwei weitere alternative Ketten und Währungen entstehen könnten. Später im Jahr könnte durch die Bitcoin SegWit2x Hard Fork eine fünfte Chain hinzukommen. Eine zuverlässige Vorhersage ist ob der Vielzahl der möglichen Entwicklungen so gut wie ausgeschlossen.

Fazit

Die Annahme von BIP91 mit SegWit2x mit überwältigender Mehrheit hat einen kurzfristigen relevanten Soft Fork im Bitcoin-Netzwerk offensichtlich verhindert, der erneute Anstieg des Bitcoin-Kurses hatte diese Entwicklung vorhergesehen. Dass alles glattgeht, ist allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt nicht garantiert. Mit der Entscheidung für BIP91 anstelle des bloßen BIP141 steht bei der Kryptowährung noch in diesem Jahr auch eine Hard Fork an. Und das dürfte die Unterstützung für das bisher unbeliebte BIP 148 zum 1. August noch einmal ansteigen lassen.

Konsens ist möglich, aber fragil

Kurzfristig scheinen fast alle Marktteilnehmer am Zusammenhalt der Blockchain interessiert zu sein, doch die Problematik mit und das Gerangel um SegWit verdeutlicht, mit welchen Problemen dezentralisierte Kryptowährungen zu kämpfen haben. Der jetzige Beschluss zeigt allerdings auch: Konsens im dezentralen Netzwerk ist möglich. Aber auch hier gibt es Unkenrufe: Am Ende könnten sich weniger Teilnehmer dem Vorschlag anschließen als heute in Aussicht gestellt worden ist.

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