Multi Actuator Technology: Autonome Köpfe sollen Festplatten viel schneller machen

Eric Hoh 84 Kommentare
Multi Actuator Technology: Autonome Köpfe sollen Festplatten viel schneller machen
Bild: Seagate

Seit IBM im Jahr 1956 die erste magnetisch arbeitende HDD vorgestellt hat, sind sowohl die Kapazitäten als auch die Geschwindigkeit deutlich gestiegen: Statt knapp 4 MB und 6,5 KB/s sind heute 14 TB und über 250 MB/s möglich. Aber das Tempo hinkt der Kapazität hinterher. Mit autonomen Lese-/Schreibköpfen will Seagate das ändern.

Ein Aktor war bei HDDs seit 1956 Standard

Bei allen bisher produzierten Festplatten werden alle Arme mit den Lese-/Schreibköpfen durch einen gemeinsamen Aktor bewegt. Weil die Strukturen auf den übereinander angeordneten Magnetscheiben in der Regel minimal voneinander abweichen, müssen alle Köpfe aber selbst dann gemeinsam verrückt werden, wenn Daten an der theoretisch gleichen Position auf einer anderen Scheibe liegen. Resultat: Egal wie viele Scheiben und Köpfe es gibt, immer nur eine Kombination kann gleichzeitig Daten schreiben oder lesen.

Zwei Aktoren für 2 × 4 autonome Lese-/Schreibköpfe

Seagates neue „Multi Actuator Technology“ soll das in naher Zukunft ändern. Sie wird es Köpfen erlauben, sich unabhängig voneinander zu bewegen. Zu Anfang werden in der ersten Generation zwei Aktoren jeweils vier Köpfe ansprechen. Mit dieser „Dual Actuator Technology“ wird es also möglich, parallel auf zwei Scheiben zuzugreifen. Im Idealfall verdoppelt sich die Leistung.

Später soll die Zahl der Aktoren weiter erhöht werden, bis schließlich jedem Arm ein eigener Aktor zur Verfügung steht. Die maximale Datenrate ließe sich auf diese Weise fast linear mit der Zahl der Scheiben erhöhen. Auch die durchschnittliche Zugriffszeit würde bei vielen parallelen Zugriffen sinken. Nur die minimale Zugriffszeit, die durch die Rotationsgeschwindigkeit der Platter und die Geschwindigkeit der Köpfe beim Ausrichten bestimmt wird, ändert das nicht. Die Leistung schneller SSDs wird man mit dieser Technologie zwar nicht erreichen, eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungsrate ist aber möglich.

Termin noch unbekannt

Wann genau die Technik das erste Mal zum Einsatz kommen wird, darüber hat Seagate noch nichts verlauten lassen. In jedem Fall wird sie zu Anfang in Modellen für Datenzentren zum Einsatz kommen. Das erscheint sinnvoll, denn im privaten Umfeld würden es auch solche Laufwerke gegen den Siegeszug der SSD schwer haben.