WhatsApp: Weniger Weiterleitungen für weniger Falschmeldungen

Nicolas La Rocco 71 Kommentare
WhatsApp: Weniger Weiterleitungen für weniger Falschmeldungen
Bild: WhatsApp

WhatsApp testet ab sofort weltweit reduzierte Weiterleitungsoptionen innerhalb des Messengers, um das unkontrollierte, ungeprüfte Weiterleiten von Nachrichten einzudämmen. Speziell in Indien sind die Möglichkeiten der Weiterleitung stark eingeschränkt worden, nachdem Falschmeldungen zu Gewalt und Toten geführt hatten.

Den ersten Schritt zur besseren Kontrolle von weitergeleiteten Nachrichten hatte WhatsApp bereits vor gut einer Woche vollzogen, als nach einem Update der App weitergeleitete Nachrichten erstmals als solche markiert wurden. Zuvor war es Anwendern nicht ersichtlich, ob die erhaltene Nachricht vom Versender selbst geschrieben wurde oder ob es sich lediglich um eine weitergeleitete Nachricht handelt.

Kein unlimitiertes Weiterleiten mehr möglich

Jetzt ist WhatsApp mit Veränderungen an den Weiterleitungsoptionen selbst den nächsten Schritt gegangen. Um die Verbreitung von Spam und Falschmeldungen zu unterbinden, ist das Weiterleiten von Nachrichten an mehrere Chats ab sofort nicht mehr unlimitiert, sondern nur noch eingeschränkt an bis zu 20 Chats möglich.

Noch einmal deutlich restriktiver geht WhatsApp in Indien vor, wo Weiterleitungen ab sofort nur noch an bis zu fünf Chats möglich sind und die Schaltfläche für schnelles Weiterleiten von Medien vollständig entfernt wurde. Offiziell erklärt das Unternehmen im Firmenblog, dass WhatsApp durch diese Maßnahmen wieder mehr zu einem privaten Messenger werden soll, so wie er ursprünglich einmal konzipiert worden war.

Falschmeldungen führen zu Gewalt und Toten

Die wahren Gründe vor allem für die drastischen Einschränkungen speziell für den indischen Markt, auf dem WhatsApp die meisten Nutzer zählt, dürften aber in der Verbreitung von Falschmeldungen liegen, die nach Selbstjustiz zu Gewalt und Toten geführt hatten.

Wie unter anderem Spiegel Online Anfang Juli berichtete, sind in Indien im vergangenen halben Jahr mindestens 23 Menschen an den Folgen von Selbstjustiz gestorben. Gerüchte auf Basis eines tatsächlich aus Pakistan stammenden Videos über die vermeintliche Verschleppung von Kindern hatten sich rasend schnell über WhatsApp verbreitet. Infolgedessen wurden Unschuldige, die bei Kindern nach dem Weg fragten, um Wasser baten oder Süßigkeiten anboten von wütenden Mobs angegriffen. Tatsächlich aber zeigte das Video keine Entführung, sondern eine Sequenz aus einer Kampagne einer Hilfsorganisation, die Eltern davor warnen soll, ihre Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Auch in Sri Lanka und Myanmar war es zuletzt aufgrund von über WhatsApp verbreiteten Falschmeldungen zu Übergriffen gekommen.