Luke Roberts Model F im Test: 330 LEDs machen das Smart Home farbig

Frank Hüber 106 Kommentare
Luke Roberts Model F im Test: 330 LEDs machen das Smart Home farbig

tl;dr: Das Model F von Luke Roberts bietet viel, was andere Smart-Home-Leuchten nicht bieten, in einigen Bereichen aber euch deutlich weniger. Der Verzicht auf eine Steuerung von unterwegs ist ebenso kaum zu verzeihen wie die Abschottung und wenigen Möglichkeiten der App. Diese schränkt die 700-Euro-Leuchte zu sehr ein.

Mehr als nur an, aus, hell und dunkel

Mit dem Model F verspricht das Unternehmen Luke Roberts, mehr zu bieten als andere Smart-Home-Leuchten und -Lampen. Das Model F, so der Name der im Durchmesser 30 cm messenden Leuchte, soll mehr können als die Möglichkeit, das Licht per Smartphone an- und auszuschalten und es zu dimmen – es soll individueller werden und sich den räumlichen Gegebenheiten bei jedem Kunden anpassen. So soll das Model F als einzige Leuchte im Raum ausreichen, um verschiedene Bereiche unterschiedlich zu beleuchten. Dies wird durch 330 einzelne LEDs in der Leuchte realisiert, die nicht nur eine Unterscheidung und separate Anpassung des nach unten und nach oben gerichteten Lichts, sondern nach unten hin auch ein in verschiedene Richtungen gerichtetes Licht ermöglichen, bei dem einzelne Bereiche der Leuchte und so auch des Raumes dunkel bleiben – etwa um Bilder zu erhellen oder den Sessel zum Lesen in ein passendes Licht zu hüllen.

Ambiente-RGB nach oben

Das Model F kann, so das Versprechen, dynamisches Licht mit unterschiedlichen Lichtstimmungen in verschiedene Richtungen aus nur einer Lichtquelle erzeugen. Nur nach oben kann jedoch die farbige Ambiente-Beleuchtung gerichtet werden, nach unten sind keine RGBW-LEDs verbaut. Die nach oben gerichtete, farbige Ambiente-Beleuchtung schließt jedoch eine gleichzeitig nach unten strahlende Beleuchtung, wahlweise mit allen oder mit einzeln ausgerichteten LEDs, nicht aus.

Die 330 LEDs werden dabei bei maximaler Helligkeit 4.200 Lumen hell, wovon 3.000 Lumen auf die nach unten gerichteten LEDs entfallen. Die Farbtemperatur kann zwischen 2.700 und 4.000 Kelvin gewählt werden. Die maximale Leistungsaufnahme des Model F liegt bei 75 Watt.

Geboren als Kickstarter-Kampagne

Im Jahr 2016 wurde das Model F über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Einnahmen von mehr als 500.000 Euro führten bereits nach 14 Stunden zum Ziel. All jene, die damals nicht in die Leuchte investiert haben, können sie nun für 699 Euro im Onlineshop erwerben.

Inbetriebnahme und Zeichnen des Lichts

Die Inbetriebnahme des Model F erfolgt in zwei Schritten. Der erste ist die tatsächliche Montage der Leuchte an der Decke. Der LED-Converter befindet sich in dem Deckenmodul, über das der Anschluss an das Stromnetz und bei Bedarf auch das Aufwickeln des überschüssigen Kabels erfolgt. Deckenmodul und Leuchte selbst bringen zusammen rund 3,2 kg auf die Waage, worauf die Befestigung ausgelegt sein muss. Das Metall erweist sich dabei allerdings als scharfkantig, so dass sich die Kabelummantelung unweigerlich leichte Spuren von der Installation zuzieht.

Der zweite Schritt besteht aus der Verbindung des Smartphones über die App mit der Leuchte. Sofern das Smartphone eine Bluetooth-Verbindung zur Leuchte aufbauen kann, wird diese automatisch gefunden und gegebenenfalls ein Update der Software durchgeführt. Anschließend muss sich der Nutzer unter die Leuchte stellen und durch kreisende Bewegungen des Smartphones die Orientierung der Leuchte einstellen, damit später die Richtung des eingestellten Lichts auf dem Smartphone und bei der Leuchte identisch sind. Einer weiteren Einrichtung oder eines Benutzerkontos bedarf es mangels Cloud-Anbindung nicht, so dass der Nutzer direkt mit der Steuerung des Lichts starten kann.

Scrollen durch Lichtszenen

Der Startbildschirm der App zeigt dabei immer die aktuelle Szene an. Durch ein Scrollen von oben nach unten kann zwischen den Szenen umgeschaltet werden. Die App bringt acht Szenen mit, die einen ersten Eindruck der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten des Model F aufzeigen. Lediglich die Szene „Demo“ bietet dabei einen dynamischen Modus, bei dem das Licht im Kreis rotiert. Luke Roberts plant, in Zukunft weitere dynamische Lichtszenen anzubieten, etwa einen Sonnenaufgang. Später sollen Käufer auch selbst dynamische Szenen erstellen können, allerdings werde die Entwicklung dieser Funktion viele Wochen dauern. Anwender sollten somit nicht darauf spekulieren, diese bald schon nutzen zu können.

Szenen ändern und neue hinzufügen

Der Kreis rechts unten in der App ermöglicht es, eine vorhandene Szene zu verändern. Über die Schaltfläche links unten können hingegen die allgemeinen Einstellungen bearbeitet und eine neue Szene hinzugefügt oder die gerade ausgewählte Szene gelöscht werden.

Unabhängig davon, ob eine vorhandene Szene bearbeitet oder eine neue Szene erstellt wird, ist das Prinzip immer gleich. Die Einstellung des Lichts ist in „Up“ und „Down“ unterteilt, so dass die Ambiente-Beleuchtung nach oben und das Licht nach unten getrennt voneinander eingestellt werden. Hierfür kommt eine zum Patent angemeldete Funktion namens Paint-your-Light-Technologie zum Einsatz, bei der das Licht in der App „gezeichnet“ wird. Mit dem Finger werden dabei die Lichtrichtung und -stärke in den Kreisen gemalt. Über den kleinen Punkt in der Mitte wird die Farbe ausgewählt, oder aber der „Eraser“, über den ein zuvor markierter Bereich wieder gelöscht werden kann.

Einschränkend muss gesagt werden, dass die nach unten gerichteten LEDs immer denselben Farbton haben. Es ist dem Nutzer nicht möglich, in die eine Hälfte des Raumes ein kalt-weißes Licht leuchten zu lassen, in die andere Hälfte jedoch ein gelbliches. Dies ist laut Luke Roberts jedoch keine technische Einschränkung, sondern sei eine Designentscheidung gewesen, da unterschiedliche Farbtemperaturen bei den nach unten gerichteten LEDs in der Regel kein gutes Licht erzeugen.

Beim Bearbeiten des Lichts kann über eine Schaltfläche unten rechts zudem die Helligkeit eingestellt und die Orientierung des Lichts nachträglich geändert werden. Hierbei dreht sich der Kreis in der App anschaulich und verdeutlicht die Änderung der Orientierung.

In der Praxis etwas ungenau

In der Praxis hat sich dabei gezeigt, dass der erste Klick auf das Display mit dem Finger immer einen vergleichsweise großen Bereich füllt, der jedoch mit dem Eraser hinterher wieder verkleinert werden kann. Zudem wischt man beim Malen im Kreis immer wieder über den kleinen Punkt in der Mitte, so dass sich das Auswahlfeld für die Farbe öffnet, die man dann meistens aus Versehen auch noch direkt ändert, was sich immer auch auf die zuvor gemalten Bereiche im unteren Kreis auswirkt. So ist über diese Technik zwar eine Ausrichtung des Lichts möglich, sie erfordert aber viel Feingefühl und der Effekt der genauen Steuerung geht über eine etwas weitere Entfernung zudem schnell verloren.

Rudimentäre Steuerung in den Einstellungen

In den Einstellungen können beispielsweise „Alarms“, also Wecker, eingestellt werden, hinter denen sich so theoretisch auch eine rudimentäre Zeitsteuerung des Model F verbirgt – dazu später mehr. Zudem kann festgelegt werden, mit welcher Szene die Lampe bei Betätigung des Lichtschalters eingeschaltet werden soll. Dabei kann auch die zuletzt genutzte Szene oder eine von der Leuchte selbst „smart“ gewählte Szene genutzt werden. Mit „Click detection“ kann eingestellt werden, wie auf ein erneutes Klicken des Lichtschalters reagiert werden soll. Wahlweise springt das Model F dann zur nächsten Szene oder wählt bei Auswahl von „Smart“ wieder selbst eine möglichst passende Szene. Über den Menüpunkt „Live Scene preview“ kann eingestellt werden, ob beim Scrollen durch die Szenen bereits die jeweilige Szene aktiviert werden soll oder dies erst beim Loslassen des Displays erfolgt.

Sensoren für automatische Anpassung

Ein integrierter Bewegungssensor auf Infrarotbasis ermöglicht ein automatisches An- bzw. Ausschalten. Künstliche Intelligenz soll die Lampe dadurch bieten, dass sie sich bevorzugte Einstellungen des Nutzers merkt und das Licht zum Beispiel je nach Tageszeit oder Lichtverhältnissen entsprechend anpasst. Dies geschieht anhand von Sensoren auch automatisch, so dass die Lampe automatisch immer das den Lichtverhältnissen optimale Licht einstellen soll.

Es leuchten LEDs, die nicht leuchten sollten?

Wenn man das Licht zeichnet und sich die Unterseite der Leuchte ansieht, entsteht zunächst der Eindruck, dass auch LEDs leuchten, die gar nicht leuchten sollten, weil sie auf der der Lichtrichtung abgewandten Seite der Leuchte liegen. Dieser Eindruck ist jedoch falsch, denn die LEDs jenseits der Mitte leuchten auch in die gewählte Richtung. Es leuchten somit nicht immer nur die äußeren LEDs des Rings, wenn man nur ganz außen in der App Licht gezeichnet hat.

Luke Roberts Model F – Sieht falsch aus, ist aber richtig!
Luke Roberts Model F – Sieht falsch aus, ist aber richtig!

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