Luke Roberts Model F im Test: 330 LEDs machen das Smart Home farbig

 2/2
Frank Hüber 106 Kommentare

Einschränkungen und Alltagserfahrungen

Abseits der zuvor genannten Einschränkungen beim Farbton der nach unten leuchtenden LEDs und der Bedienung zeigen sich im Test noch weitere Einschränkungen, mit denen Käufer derzeit vorliebnehmen müssen.

Keine Zentrale, keine Steuerung von unterwegs

Die Verbindung und Steuerung der Leuchte erfolgen über Bluetooth, eine Zentrale wird demnach nicht benötigt. Eine Steuerung aus der Ferne ist somit aber auch nicht möglich. Ob die Leuchte derzeit über das Smartphone oder Tablet gesteuert werden kann, zeigt die App bei deren Öffnung unmittelbar an. Wie weit der Aktionsradius ausfällt, ist stark von den baulichen Gegebenheiten abhängig. Da eine Steuerung des Lichts aber ohnehin nicht aus der Ferne möglich ist, wird sich der Nutzer zur Anpassung des Lichts in der Regel ohnehin in unmittelbarer Nähe der Leuchte befinden. Eine Smart-Home-Leuchte im Jahr 2018 ohne Anbindung an die Außenwelt zu veröffentlichen, erscheint aber zumindest sehr gewagt und ist ein großer Kritikpunkt, wenn man etwa während des Urlaubs eine Lichtsteuerung in den eigenen vier Wänden implementieren möchte, die Anwesenheit simuliert.

Maximal vier Zeitpunkte zur Zeitsteuerung

Über die Funktion „Alarms“ lassen sich in der App wie erwähnt allerdings Zeiten einstellen, wann eine bestimmte Szene ausgelöst werden soll, wobei auch „Off“ zum Ausschalten ausgewählt werden kann. Gedacht ist diese Funktion als Wecker. In der Praxis funktionieren diese eingestellten Zeiten und die Schaltung der gewählten Szene zuverlässig und werden auch auf dem Model F lokal gespeichert, so dass das Smartphone nicht im Umfeld der Leuchte sein muss, um die Szenen auszulösen. Allerdings lassen sie sich eben nicht an andere Ereignisse im Smart Home koppeln. Tür auf, Licht im Wohnzimmer an? Fehlanzeige. Darüber hinaus können maximal vier Zeitpunkte eingestellt werden – viel zu wenig, um eine echte Zeitsteuerung zu konfigurieren. Falls viele Kunden sich eine umfassendere Zeitsteuerung wünschen, könne man dies allerdings erweitern, wobei immer auch auf den internen Speicher der Leuchte geachtet werden müsse, da weitere dynamische Szenen in Zukunft ebenfalls noch Speicher benötigen werden.

Doch noch kein Bewegungsmelder

Eingangs bereits erwähnt und zur Vorstellung des Model F auch so angekündigt, soll die Leuchte über einen Infrarot-Bewegungsmelder verfügen, über den das Licht – bei eingeschaltetem Lichtschalter – automatisch aktiviert wird, wenn der Raum betreten wird. Technisch ist die Voraussetzung mit dem entsprechenden Sensor laut Luke Roberts gegeben, umgesetzt wurde die Funktion bislang allerdings nicht. Sie soll erst „Anfang 2019“ mit einem Software-Update nachgereicht werden. Derzeit sei man noch mit der Optimierung der Sensitivität beschäftigt.

Auch auf die KI muss noch gewartet werden

Auch die Anpassung des Lichts der Leuchte an die tatsächlichen Lichtverhältnisse und die Tageszeit konnte im Test nicht festgestellt werden, eine Option zum Ein- oder Ausschalten dieser Funktion wurde in der App zudem vergebens gesucht. Auch hier stellte sich auf Rückfrage heraus, dass diese als künstliche Intelligenz der Leuchte beworbene Funktion derzeit noch nicht implementiert sei und auch erst durch ein Software-Update nachgeliefert werden soll. Die entsprechenden Sensoren seien aber bereits in der Leuchte verbaut und müssten nur noch genutzt werden.

Sporadisch offline

Sporadisch hat die App gemeldet, dass die Leuchte beziehungsweise das Smartphone offline seien und deshalb keine Einstellungen geändert werden können. Gleichsam funktionierten jedoch ein Umschalten der Szenen und Steuern der Leuchte problemlos.

Zu geringer Radius der Ausleuchtung

Blickt man direkt in das Model F bei weißem Licht und voller Helligkeit, blendet die Leuchte enorm. Dennoch kann sie einen Raum von rund 25 Quadratmetern nicht vollständig hell ausleuchten. Hierfür ist die Ausleuchtung zu stark nach unten fokussiert und sowohl nach unten als auch oben zu eng gefasst. Richtig hell ist es im Raum deshalb nur direkt unter der Leuchte, dort dann aber tatsächlich sehr hell, wenn gewollt, mit harten Schatten im restlichen Raum. Akzente setzen und Esstisch, ja. Beleuchtung als einzige Lampe in einem großen Zimmer, nein. Das Model F möglichst nah unter der Decke zu platzieren, schränkt im Gegenzug den Effekt der Ambiente-Beleuchtung ein. Eine hohe Decke erscheint für den Einsatz des Model F allerdings sinnvoll, um ihr Potential besser ausschöpfen zu können.

Jeder mit App kann das Model F steuern

Ein Vor- und gleichzeitig Nachteil der Steuerung per Bluetooth ohne notwendige Kopplung liegt darin, dass jeder, der die Luke-Roberts-App auf seinem Smartphone oder Tablet installiert hat und in Reichweite des Model F ist, die Leuchte steuern kann – wie er es aber auch könnte, wenn er im Raum zum Lichtschalter geht. Dies kann vom Besitzer derzeit auch nicht verhindert werden. Mit einem Update der App, so Luke Roberts gegenüber ComputerBase, soll jedoch ein PIN-Schutz für eine Leuchte eingerichtet werden können, so dass nicht mehr jeder sie steuern kann.

Bluetooth Proximity Detection bei mehreren Leuchten

Wenn zwei Model F in Reichweite der App sind, kann nach rechts und links in der App zwischen den beiden Leuchten hin und her geschaltet werden. Zudem wird beim Aufruf der App immer die dem Nutzer nächstgelegene Leuchte automatisch ausgewählt – ein Feature, das durch Bluetooth Proximity Detection ermöglicht wird.

Fazit

Das Model F von Luke Roberts macht vieles anders als konkurrierende Smart-Home-Lampen und -Leuchten. Insbesondere die getrennte Steuerung und Mehrfarbigkeit der Ambiente-Beleuchtung und der nach unten gerichteten, weißen LEDs sind ein Vorteil gegenüber klassischen Systemen, die eine Farbe in alle Richtungen ermöglichen. Auch die Möglichkeit, das Licht dabei auf bestimmte Bereiche zu beschränken und das es „in der App zu zeichnen“, ist ein interessanter Ansatz. Dennoch macht das Model F nicht alles besser als andere Smart-Home-Leuchten, sondern einige Dinge schlechter.

Nichts für große, flache Räume

In der Praxis krankt das gerichtete Licht nämlich schlicht an der Reichweite und ihrer Ausleuchtung, die punktuell zwar enorm hell ist, es aber dennoch nicht vermag, einen größeren Raum als einzige Deckenlampe ausreichend auszuleuchten. Sie kann somit in aller Regel nur eine Ergänzung sein, wenn abends das Licht diffuser und die Stimmung gedämpfter sein soll oder aber tatsächlich nur bestimmte Bereiche wie der Esstisch, der Schreibtisch oder naheliegende Objekte wie Bilder beleuchtet werden sollen. Denn das Model F vermag es vielmehr, einen Teil des Raumes in ein angenehmes Licht mit einer angenehmen Ambiente-Beleuchtung zu hüllen, wenn man sich als Nutzer die Zeit nimmt, sie tatsächlich den eigenen Vorlieben entsprechend anzupassen. Dabei sollte die Helligkeit nicht zu hoch gewählt werden, denn dann ist das Licht unangenehm und blendet.

Abgeschottet von der Welt um sie herum

Im Vergleich zu anderen Smart-Home-Leuchten ist dann auch die Anbindung nach außen und an andere Systeme und die Software das größte Manko. Das Model F ist bis auf vier zeitgesteuerte Schaltvorgänge (Alarms) nur lokal steuerbar und kann weder von unterwegs angesprochen noch in bestehende Smart-Home-Installationen eingebunden werden, sofern nicht der Lichtschalter selbst, der die Leuchte schaltet, über entsprechende Funktionen verfügt – dann ist aber eben nur der Schalter smart, nicht die Leuchte selbst.

Abhilfe in Kürze mit Alexa, Home und HomeKit

Luke Roberts verspricht in diesem Punkt allerdings in Kürze Abhilfe. So soll sich das Model F in Kürze mit Amazon Alexa, Google Home und nächstes Jahr auch mit Apple HomeKit steuern lassen, wenn ein Gerät mit Bluetooth in Reichweite der Leuchte ist. So lässt sich diese über die smarten Assistenten dann auch von unterwegs steuern.

Luke Roberts Model F
Luke Roberts Model F
Luke Roberts Model F
Luke Roberts Model F
Luke Roberts Model F – Unterseite
Luke Roberts Model F – Unterseite

Software-Updates stehen noch aus

Einige Aspekte der Software können im Laufe der Zeit behoben beziehungsweise verbessert werden. Funktionen wie der noch inaktive Bewegungssensor sowie die Anpassung an die Tageszeit und andere Lichtquellen sollen noch eingebunden werden. Auch dynamische Lichtszenen, die sich an Uhrzeit und Umgebungslicht anpassen und vom Nutzer selbst konfiguriert werden können, wären ein großer Pluspunkt, sind derzeit aber noch Zukunftsmusik. Eine Anbindung an die Außenwelt kann hingegen nicht per Software nachgeliefert werden. Auch der vergleichsweise kleine Radius der hellen Ausleuchtung lässt sich nicht über ein Software-Update verändern.

Für 700 Euro kommt das Model F deshalb nur für Personen in Frage, die genau die von der Leuchte erfüllten Aspekte als ihre Anforderungen definiert haben und sie beispielsweise nur zur Beleuchtung des Esstisches einsetzen möchten. In diesem Fall ist sie mehr als eine innovative Technikspielerei, die zweifellos Fragen und staunende Blicke hervorruft, nach den ersten Aha-Effekten aber schnell an Reiz verliert.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.