AMD Radeon RX 5600 XT: Alte und neue BIOS-Versionen im Benchmark-Vergleich

Jan-Frederik Timm et al. 39 Kommentare
AMD Radeon RX 5600 XT: Alte und neue BIOS-Versionen im Benchmark-Vergleich

Wenige Tage vor dem Fall des Testembargos hat AMD den Partnern erlaubt, die Radeon RX 5600 XT (Test) schneller auszulegen als ursprünglich geplant. Wie viel schneller beispielsweise die Sapphire Pulse dadurch geworden ist, hat ComputerBase im Test betrachtet.

Damit diese interessante Erkenntnis im großen Artikel nicht untergeht, wird sie an dieser Stelle noch einmal separat hervorgehoben. Details zu den teils chaotischen Zuständen in Folge der überraschenden Planänderungen enthält hingegen der Abschnitt „Mehr Takt per neuem BIOS in letzter Minute“.

Altes versus neues BIOS

Doch was hat sich überhaupt genau geändert? In AMDs eigener Welt erst einmal gar nichts, die offiziellen Spezifikationen der Radeon RX 5600 XT sind unverändert geblieben. Das ist wenig verwunderlich, denn Dr. Lisa Su hat die Eckdaten der Grafikkarte höchstselbst bekanntgegeben, eine Anpassung an dieser Stelle ist quasi ausgeschlossen. Die vorgestellte Referenz bleibt so am Ende auch weiterhin der Ausgangspunkt für die Serie.

Die Anpassungen fanden quasi hinter den Kulissen statt. Zunächst gab es enge Restriktionen für die Board-Partner, was Taktraten und GPU-Power betrifft, sodass die Radeon RX 5600 XT der Radeon RX 5700 nicht zu nahe kommt. Diese Limitierungen hat AMD auf der Zielgeraden deutlich gelockert.

Die Sapphire Radeon RX 5600 XT im Test
Die Sapphire Radeon RX 5600 XT im Test

Die Partnerkarten der Radeon RX 5600 XT dürfen den GPU-Takt jetzt viel höher anheben und auch die GPU selbst darf sich etwas mehr Energie genehmigen. Sogar der Speichertakt, bisher einer der Hauptunterschiede zur Radeon RX 5700, kann angehoben werden und die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse zeigt, dass dies offenbar sehr freizügig erlaubt ist. Während – nach aktuellem Kenntnisstand – alle AIBs auf den höheren GPU-Takt und die höhere GPU-Power anspringen werden, muss sich allerdings erst noch zeigen, inwieweit sich ein höherer Speichertakt bei den übrigen Herstellern durchsetzen wird. Einer gab für ein Modell gegenüber ComputerBase bereits zu verstehen, dass er bei 6.000 MHz bleiben wird.

Radeon RX 5600 XT
(laut AMD am 6. Januar)
Sapphire RX 5600 XT Pulse
mit altem BIOS
Sapphire RX 5600 XT Pulse
mit neuem BIOS
Game-Takt 1.375 MHz 1.560 MHz 1.615 MHz
Boost-Takt 1.560 MHz bis zu 1.620 MHz bis zu 1.750 MHz
Speichertakt 6.000 MHz 6.000 MHz 7.000 MHz
Board-Power 150 Watt ? ?
GPU-Power ? 150 Watt 160 Watt

Die Änderung lässt die Vermutung nahe liegen, dass die Tage der Radeon RX 5700 nach einem halben Jahr bereits gezählt sein werden. Zwar ist sie immer noch leicht schneller und bietet zusätzliche 2 GB Videospeicher, beide Modelle liegen aber schlussendlich zu nahe beieinander, als dass sie im Portfolio parallel existieren können.

Aber wie groß waren die Auswirkungen auf die Leistung der Radeon RX 5600 XT jetzt genau? ComputerBase hat es konkret anhand der Radeon RX 5600 XT Pulse von Sapphire nachgemessen.

So schnell war die „alte“ Radeon RX 5600 XT

Bereits das neue alternative (und langsamere) BIOS ist 4 Prozent schneller als das ursprüngliche Boost-BIOS, obwohl die beiden eigentlich vergleichbar schnell sein sollten. Das zeigt einmal mehr, dass offizielle Taktangaben bei Navi kaum noch von Bedeutung sind. In der Praxis lassen sich mit dem neuen BIOS durchaus rund 100 MHz mehr Takt sehen.

Der Unterschied wird nochmal ein gutes Stück größer, wenn das alte schnelle BIOS mit dem neuen schnellen BIOS der Radeon RX 5600 XT Pulse verglichen wird. Denn dann liegt der Leistungsunterschied von der ursprünglich geplanten zur nun finalen Grafikkarte bei mal eben 10 Prozent, was die endgültige Beurteilung des Produktes gänzlich verändert. Mit den jetzt überholten Einstellungen wäre die Radeon RX 5600 XT für 299 Euro schlicht zu teuer gewesen.

Abseits der Performance hätte das alte BIOS nur geringe Auswirkungen auf die Radeon RX 5600 XT Pulse gehabt. So läge die Leistungsaufnahme nur 2 Watt geringer als mit dem neuen sekundären BIOS. Die Lüfterdrehzahl wäre mit 775 Umdrehungen in der Minute minimal niedriger, was aber keinen relevanten akustischen Unterschied ausgemacht hätte.