CES 2020

Interieur der Zukunft: BMWs fahrende Wohnzimmer im i3, X7 und iNEXT

Nicolas La Rocco 59 Kommentare
Interieur der Zukunft: BMWs fahrende Wohnzimmer im i3, X7 und iNEXT
Bild: BMW

Autonomes Fahren hat neuartige Interieurkonzepte zur Folge, wie BMW auf der CES demonstriert. In Las Vegas geht BMW auf zukünftige Mobilitätsbedürfnisse ein und zeigt die i3 Urban Suite als fahrbares Boutique-Hotel. Mit „i Interaction EASE“ wird die Interaktion im Auto neu definiert, der X7 ZeroG Lounger zeigt einen neuen Sitz.

Wie kann ein vollständig auf den Fahrgast fokussiertes Fahrerlebnis mit maximalem Komfort in einem dennoch vergleichsweise kompakten Fahrzeug aussehen? Diese Frage beantwortet BMW zur CES 2020 unter anderem mit der i3 Urban Suite. Von ehemals vier Sitzen reduziert BMW den Innenraum auf den Fahrersitz und einen komfortablen Lounge-Sessel im Heck, dem statt eines Sitzplatzes ein Tisch zur Seite gestellt und eine Fußstütze vorgesetzt wird, wo zuvor der Beifahrersitz montiert war.

i3 wird zur Großraumlimousine für einen Fahrgast

Der Fahrgast kann die i3 Urban Suite mit einer von BMW entwickelten App rufen, vergleichbar mit einem höherwertigen Fahrdienst wie Uber Black. Für die Messe in Las Vegas hat BMW 20 i3 zu Urban Suites umgebaut, die in der Innenstadt zwischen Hotels und Messegelände ihre Runden drehen. Das neu gestaltete Interieur wird dem Fahrgast dank gegenläufiger Türen ohne B-Säule gleich zum Fahrtantritt in Gänze präsentiert, dennoch gibt es einige versteckte Funktionen, die das Auto nicht auf Anhieb offenbart.

BMW hat den Innenraum mit viel Textil, Holz sowie recycelbaren Materialien gestaltet und sich von individuell möblierten Boutique-Hotels inspirieren lassen. Vor dem Lounge-Sessel ist eine elektrisch verstellbare Fußstütze positioniert, die vermeintlich im Raum schwebt, bei genauer Betrachtung aber clever über eine einseitig verlaufende Schiene am Mitteltunnel fixiert wurde. Sich lang machen im kleinen i3? Kein Problem.

Netflix and chill im Lounge-Sessel

Und was macht man als Fahrgast einer solch drastisch umgestalteten i3 Urban Suite? Relaxen, entspannt die Fahrt genießen – auf Wunsch auch mit multimedialer Unterhaltung. Dafür lässt sich vom Dachhimmel ein Monitor mit integriertem Amazon Fire TV herunterfahren. „Netflix and chill“ im Auto? Auch das ist in der i3 Urban Suite möglich. Daten fürs Streaming erhält das Auto über eine 5G-Anbindung, die BMW ab 2021 erstmals in der Serienversion des Vision iNEXT anbieten will. Partner dafür sind Harman/Samsung und Qualcomm. Das Entertainment-Programm soll sich über eine abgeschottete Hörzone in der Kopfstütze genießen lassen. Ganz klassisch analog mit Buch lässt sich in der i3 Urban Suite aber auch die Zeit vertreiben. Neben dem Sessel steht dafür ein Tisch mit Leselampe.

BMW zeigt Interaktion mit Blick, Sprache, Gesten und Touch

Während der i3 als Urban Suite noch einen menschlichen Chauffeur voraussetzt, geht das Konzept „i Interaction EASE“ mindestens einen Schritt weiter. EASE ist einer der beiden Betriebsmodi BMWs zukünftiger Fahrzeuge, in diesem Fall der autonome. Das Gegenstück dazu ist BOOST, in dem der Fahrer das Steuer übernimmt. Ein Beispiel mit Fokus darauf ist der Vision M NEXT. Der Fokus bei EASE liegt hingegen auf der neuartigen Interaktion mit dem Automobil, die über die Touch-Bedienung, Gestensteuerung, Sprache und neuerdings auch Blicke möglich ist. Das Unternehmen will durch echte Multimodalität ein völlig neues Interaktionserlebnis schaffen, das ohne spezifische Kommandos auskommt. Die KI des Autos interpretiert aus verschiedenen Sensoren akustische sowie visuelle Informationen und ermittelt aus Kontext von Fahrsituation, Zeit, Ort sowie Fahrzeugsignalen die Absichten des Fahrgastes.

BMW i Interaction EASE
BMW i Interaction EASE (Bild: BMW)

Dieser Vorgang spielt sich beispielsweise so ab: Der Blick macht deutlich, wer oder was angesprochen beziehungsweise gemeint ist. Mithilfe eines nachfolgenden Kommandos per Sprache oder Geste startet anschließend die gewünschte Interaktion mit dem anvisierten Objekt. So lassen sich etwa Informationen zu bestimmten Gebäuden einholen. Ein Panorama-Head-Up-Display, das sich über die komplette Breite der Front erstreckt, fungiert als digitale Informationsebene, die sich als semitransparenter Layer über die reale Welt legt. Auch beim i Interaction EASE dient eine 5G-Anbindung der gesamten Vernetzung.

In ersten Funktionsumfängen soll die Technik 2021 im Vision iNEXT Premiere feiern.

X7 ZeroG Lounger soll Zulassung erhalten

Näher an der Produktion in Serie, wenngleich noch ohne konkreten Termin, ist der X7 ZeroG Lounger mit umgebautem Beifahrersitz, der eine Liegeposition von 40 und 60 Grad erlaubt. Der Sitz mit integriertem Sicherheitsgurt samt „Cocoon-Airbag“ soll aktuelle Sicherheitsstandards erfüllen und auch eine Zulassung erhalten. Die neue Liegeposition dient neben dem Relaxen auch hier dem Medienkonsum, der über ein in den Dachhimmel integriertes Display abgewickelt wird. Wann genau der neue Sitz verfügbar sein wird, beantwortet BMW mit: „Definitiv in den kommenden Jahren“. Auf der CES wird eben typischerweise viel Zukunftsmusik gespielt.

BMW X7 ZeroG Lounger

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von BMW im Vorfeld und im Rahmen einer Veranstaltung des Herstellers zur CES 2020 in Las Vegas unter NDA erhalten. Die Kosten für An-, Abreise und Hotel wurden von BMW getragen. Eine Einflussnahme des Herstellers oder eine Verpflichtung zur Berichterstattung bestand nicht.