IFA 2019

Connected Car: BMW setzt bei 5G im Auto auf Qualcomm

Nicolas La Rocco 17 Kommentare
Connected Car: BMW setzt bei 5G im Auto auf Qualcomm

In zukünftigen Automobilen der BMW Group wird für die Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards 5G Technik von Qualcomm stecken. Das haben beide Unternehmen im Rahmen der IFA in Berlin bekannt gegeben. Mit 5G im Auto können neue digitale Dienste realisiert werden, die von mehr Bandbreite und niedriger Latenz profitieren.

Bei BMW soll die Serienversion des Vision iNEXT 2021 das erste Automobil werden, das den Mobilfunkstandard 5G unterstützt. Konnektivität über aktuelle Mobilfunkstandards, zur Zeit via LTE, hat in Automobilen von BMW seit den frühen 2000er Jahren Tradition, die Integration von 5G ist deshalb die logische Fortsetzung dieses Prozesses.

Qualcomm stellt die Konnektivität

Bei dieser Umsetzung wird BMW auf die Produkte von Qualcomm vertrauen, die der im Februar zum MWC erfolgten Ankündigung passend zum Zeitplan von BMW ebenfalls 2021 einsatzbereit sein sollen. Anders als bei Smartphones müssen die Lösungen im Automobilsektor strengere Tests und Zertifizierungen durchlaufen. Qualcomms neue Snapdragon Automotive Cockpit Platforms, die in drei Leistungsklassen angeboten werden, unterstützen neben dem neuen 5G auch frühere Standards wie LTE, 3G sowie 2G und stellen zudem Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1 und die Ortung über verschiedene globale Navigationssatellitensysteme zur Verfügung. Darüber hinaus stecken in den Plattformen leistungsfähige CPUs und GPUs, um das Infotainment im Fahrzeug zu stemmen.

Heute zur IFA gab es aufseiten von BMW noch keine offizielle Ankündigung, dass mit der nächsten Generation der Infotainmentsysteme Qualcomm die Hardware der neuen Plattform bei BMW stellen wird. Wenn es so kommen sollte, wird diese Ankündigung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Angesichts der 5G-Partnerschaft spricht allerdings vieles dafür. Qualcomm bietet die für das Automotive-Segment entwickelten Chips allerdings auch getrennt als Snapdragon Automotive 4G und 5G Platforms an.

10 Petabyte von der Fahrzeugflotte

Für was 5G im Automobil zuständig sein wird, lässt sich am Beispiel der vom Fahrzeug verschickten sowie aus der Cloud erhaltenen Daten erläutern. Wie Dr. Christoph Grote, SVP Electronics bei der BMW Group, im Gespräch mit ComputerBase erklärte, können in Zukunft deutlich größere Datenmengen der Fahrzeugflotte in die Cloud verschickt werden, darunter auch Rohdaten. Diese Daten werden am Beispiel der hochauflösenden Karten von Here Maps in der Cloud verarbeitet und dann wieder der gesamten Flotte zur Verfügung gestellt. Davon profitieren dann auch die anderen Here-Maps-Teilhaber Audi und Daimler. Wo heutzutage noch rund 250 Terabyte pro Jahr in der Fahrzeugflotte von BMW gesammelt werden, sollen mit 5G 10 Petabyte pro Jahr in die Cloud geschickt werden. Qualcomm geht laut President Cristiano Amon davon aus, dass global betrachtet bis Ende 2020 rund 2,2 Milliarden Menschen 5G nutzen werden können, im Laufe des Jahres 2021 soll die Abdeckung das derzeitige Niveau von LTE erreichen.

Latenz ist ein zweiter wichtiger Punkt, der für 5G spricht. Insbesondere im Bereich der Verarbeitung von Sprachbefehlen seien mit 5G deutlich kürzere Reaktionszeiten möglich, erklärte Grote. Mobilfunkanbieter sprechen gerne von einstelligen Millisekunden. Bei BMW werden Sprachbefehle etwa des in mehreren Modellen angebotenen Intelligent Personal Assistants zum Teil zwar auch direkt im Fahrzeug verarbeitet, für viele Dienste mit Echtzeit-Informationen wird aber eine Cloud-Verbindung vorausgesetzt. Hier kann eine 5G-Verbindung für ein natürlicheres Gespräch mit dem Assistenten sorgen.

Software wird erneuert

Mit der neuen Hardware-Plattform und den daraus resultierenden Möglichkeiten an digitalen Diensten wird bei BMW auch eine Weiterentwicklung respektive Neuentwicklung der aktuell im Automobil genutzten Software Premiere feiern. Dabei wird BMW weiterhin auf die In-House-Entwicklung setzen, während andere Automobilhersteller, darunter beispielsweise Volvo, in Zukunft zu Android (nicht Android Auto) wechseln werden. Auf der neuen Software sollen neue Dienste aufsetzen, neben neuen Maps-Funktionen auch im Bereich Multimedia, etwa 4K-Video. Vor Kurzem hatte Teslas CEO Elon Musk angekündigt, Netflix in autonomen Autos anbieten zu wollen.