CentOS 8.1 (1911): Konservative Distribution auf Basis von RHEL 8.1

Sven Bauduin 46 Kommentare
CentOS 8.1 (1911): Konservative Distribution auf Basis von RHEL 8.1
Bild: The CentOS Project

Zwei Monate nach dem Release von Red Hat Enterprise Linux 8.1 erscheint mit CentOS 8.1 (1911) die kostenlose Version der kommerziellen und eher konservativ ausgelegten Linux Distribution für Desktops und Server. Trotz älterem Kernel soll das Betriebssystem dank neuer Treiber aktuelle Grafikkarten unterstützen.

CentOS 8.1 setzt neben dem Linux Kernel 4.18 auf einen Backport der Grafiktreiber aus Kernel 5.1 und stabile – wenn auch nicht mehr ganz aktuelle – Softwarepakete. Durch den Grafik-Stack des neueren Linux Kernels kann das Betriebssystem zumindest mit den Grafikchips aus CPUs vom Typ Comet Lake-U und aktuellen Picasso-APUs von AMD umgehen. Von seiner grundlegenden Ausrichtung her richtet sich die Distribution vor allem an Unternehmen und Anwender, die ihre Desktop-PCs zu RHEL 8.1 kompatibel aufsetzen wollen oder gar müssen.

Gnome-Desktop auf Wunsch auch traditionell

Nachdem das rund 7 GB große Abbild von CentOS 8.1 (ISO) mittels eines geeigneten Tools wie beispielsweise Rufus auf einen bootfähigen USB-Datenträger kopiert wurde, führt das grafische Installationsprogramm Anaconda den Anwender durch die etwas eigenwillige und nicht lineare Installationsroutine des Betriebssystems, an deren Ende der Anmeldebildschirm für die Desktop-Umgebung Gnome 3.28 steht. Für ein eher traditionelles „Look & Feel“ steht auch ein Classic-Modus der Gnome-Shell zur Verfügung.

Standardanwendungen wie die weitgehend zu Microsoft Office kompatible Office-Suite LibreOffice 6.0.6.1 sowie Firefox 60.8 und Thunderbird 60.8 sind ebenso Teil der Erstinstallation wie die Grafik- und Zeichenprogramme GIMP 2.8 und Inkscape 0.92. Eine Vielzahl weitere Anwendungen lassen sich über den Paketmanager RPM nachinstallieren. Praktisch ist die Unterteilung der Paketgruppen nach bestimmten Anwendungsszenarien wie beispielsweise Arbeitsplatz, Server mit und ohne GUI, Minimalinstallation oder Virtualisierungs-Host. Die vordefinierte Auswahl passender Softwarepakete kann vom Anwender jederzeit angepasst und um weitere Anwendungen ergänzt werden.

Neben den eigenen Haupt-Repositorien stellt das Projekt eine Übersicht aller zusätzlichen Repositories wie CentOSPlus, CentOS-Fasttrack oder CentOS-Experimental sowie einigen Drittanbieter-Repositorien zur Verfügung.

Nach der Installation über den grafischen Installer Anaconda meldet sich der Anwender am Gnome-Desktop an und installiert optional weitere Softwarepakete
Nach der Installation über den grafischen Installer Anaconda meldet sich der Anwender am Gnome-Desktop an und installiert optional weitere Softwarepakete
Nach der Installation über den grafischen Installer Anaconda meldet sich der Anwender am Gnome-Desktop an und installiert optional weitere Softwarepakete
Nach der Installation über den grafischen Installer Anaconda meldet sich der Anwender am Gnome-Desktop an und installiert optional weitere Softwarepakete (Bild: The CentOS Project)

Auf Wunsch als Rolling-Release

CentOS 8.1 lässt sich durch die Installation des Paketes centos-release-stream in CentOS Stream und damit in ein Rolling-Release verwandeln, welches schneller mit Updates des nächsten Releases versorgt wird und nicht mehr strikt an die festen Update-Zyklen gebunden ist. CentOS 8.1 ist in Form von CentOS 8.1 Stream (ISO) auch direkt als Rolling-Release-Betriebssystem verfügbar.

Neben der regulären Version, welche für x86-Systeme, AMD64 und Intel 64 optimiert ist, wird CentOS 8.1 auch für andere Architekturen wie ARM64 (aarch64) und Power-PC (ppc64le) angeboten. Eine breite Palette an HowTos, die Rubrik Tips and Tricks und die umfangreiche Dokumentation helfen Anwendern beim Einstieg in CentOS.