Arbeitsspeicher: OEM-Hamsterkäufe vor dem Preissturm

Michael Günsch 87 Kommentare
Arbeitsspeicher: OEM-Hamsterkäufe vor dem Preissturm

Trotz gesunkener RAM-Preise haben die Hersteller im vierten Quartal 2019 lediglich 1,5 Prozent weniger umgesetzt als ein Quartal zuvor. Die Ursache liegt im gestiegenen Absatz: Angesichts der für dieses Jahr erwarteten Preissteigerungen haben sich Computerhersteller schon einmal bevorratet.

OEMs hamstern DRAM zum noch günstigen Preis

Der größere Absatz habe den Preisverlust nahezu egalisiert und für stabile Umsätze gesorgt, so ziehen die Marktforscher von TrendForce Bilanz in ihrem Bericht zum globalen DRAM-Geschäft im vierten Quartal 2019. Statt den 15,773 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2019 nahmen die Hersteller 15,535 Milliarden US-Dollar ein. Marktführer Samsung hat 5 Prozent weniger umgesetzt und Marktanteile eingebüßt, während SK Hynix und Micron an zweiter und dritter Stelle leicht zugelegt haben. Powerchip als kleinster der namentlich in der Statistik aufgeführten DRAM-Hersteller hat ganze 20 Prozent beim Umsatz eingebüßt.

Umsatz mit „Branded DRAM“ im Q4 2019 nach Herstellern
Umsatz mit „Branded DRAM“ im Q4 2019 nach Herstellern (Bild: TrendForce)

Für 2020 wird mit einem limitierten Wachstum des DRAM-Angebots sowie steigenden Preisen gerechnet, aus diesem Grund hätten sich etwa viele der OEMs noch im letzten Jahresviertel des Vorjahres ordentlich mit Speicher eingedeckt. Schon im laufenden ersten Quartal 2020 sollen die Preise für PC- wie auch Server-DRAM darauf hin angezogen haben.

Anfang Dezember wurden Befürchtungen laut, dass sich DRAM im Jahr 2020 um etwa 30 Prozent verteuern könnte. Noch vor etwa einem Jahr war die Situation gegenteilig, denn im Januar 2019 lautete die Prognose, dass die RAM-Preise stärker als erwartet fallen. Im Laufe des vergangenen Jahres bekamen dies die Hersteller deutlich zu spüren und fuhren nach Rekordumsätzen zu Zeiten der Speicherknappheit sogar teils Verluste ein. Gegenmaßnahmen wie die Limitierung der Produktion sowie Aufschübe von Investitionen für den Ausbau von Fabriken sollen nun wieder für steigende Preise sorgen.

Einige Hersteller rüsten auf CMOS um

Einige Hersteller haben als Maßnahme gegen Überversorgung und Preisverfall sogar eigentliche DRAM-Fabriken auf die Herstellung anderer Halbleiterprodukte umgestellt. SK Hynix hat im vergangenen Sommer etwa einen Teil der Produktion auf CMOS-Bildsensoren umgeschwenkt. Auch Samsung soll nun mehr Produktionskapazitäten von DRAM auf CMOS-Bildsensoren umstellen und der Umsatzeinbruch mit DRAM bei Powerchip habe die gleiche Maßnahme als Grund, berichtet TrendForce. Weitere Limitierungen sind durch die Umstellung auf neue Fertigungsverfahren möglich. Für zusätzliche Unsicherheiten in der Branche sorgen wiederum der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China wie auch der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

RAM für Endkunden ist noch günstig

Im Endkundenhandel sind bisher nur kleinere Preissteigerungen bei DDR4-DRAM-Riegeln gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Wer eine Anschaffung plant, ist angesichts des aktuellen Ausblicks dazu angeraten, nicht allzu lange damit zu warten. Auch bei NAND-Flash für SSDs und Speicherkarten ist in diesem Jahr mit steigenden Preisen zu rechnen.