5G-Ausbau: US-Regierung kann Huawei-Spionage nicht beweisen

Sven Bauduin 159 Kommentare
5G-Ausbau: US-Regierung kann Huawei-Spionage nicht beweisen
Bild: whitehouse.gov

Im noch immer nicht enden wollenden Streit um einen möglichen Ausschluss von Huawei am internationalen 5G-Ausbau hat die US-Regierung jetzt Fakten geschaffen. Die Administration um Donald Trump habe Deutschland und Großbritannien nun mit den angeblich „eindeutigen Beweisen“ konfrontiert. Erfolglos, so das Wall Street Journal.

Rauchender Colt löst sich in Luft auf

Einem Bericht der amerikanischen Tageszeitung zufolge konnten die USA weder Deutschland noch Großbritannien mit ihrer sogenannten „Smoking Gun“ beeindrucken und deren Regierungen nicht zu einem Ausschluss des chinesischen Netzausrüsters aus der Sonderwirtschaftszone Shenzhen bewegen. Zuvor hatte die US-Regierung bereits versucht, Druck auf die Briten auszuüben und brachte die Handelsbeziehungen der beiden Staaten ins Spiel, sollten diese das US-Geheimdienstmaterial ablehnen.

Legale Abhörschnittstellen als Risiko

Das Wall Street Journal beruft sich auf Regierungsvertreter wie den nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Robert O'Brien, und schildert, dass die angebliche Spionage von Huawei über Abhörschnittstellen, die jeder Netzausrüster für legale staatliche Abhörmaßnahmen zur Verfügung stellen muss, erfolgen würde. Demnach halte sich Huawei den Zugriff auf diese legalen Abhörschnittstellen heimlich offen.

Ein ranghoher Huawei-Vertreter widersprach dieser Behauptung und wies darauf hin, dass die Verwendung dieser Schnittstellen für das rechtmäßige Abhören streng geregelt und nur für autorisiertes Personal des Netzbetreibers, nicht aber für den Netzausrüster zugänglich sei. Ein Zugriff auf diese Schnittstellen ohne vorherige Zustimmung des Netzbetreibers wäre zudem „extrem unplausibel“ und würde „sofort entdeckt“ werden.

Deutsche Telekom widerspricht den USA

Auch die Deutsche Telekom widerspricht den Ausführungen der US-Regierung und erklärte, dass sich der Netzwerkbetreiber aus Bonn keine Sorgen mache, weil ihre Kommunikationsüberwachung, das sogenannte Legal-Intercept-Management-System, von einem deutschen Unternehmen entwickelt wurde, was Huawei daran hindere, Zugang zu den Abhörschnittstellen zu erhalten, wie Heise berichtet.

Obwohl die US-Regierung dem Bericht zufolge keine Einzelheiten nennen konnte, wie Huawei genau auf das Kernnetz zugreifen könne, legte Sicherheitsberater Robert O'Brien gegenüber dem Wall Street Journal nach und sagte:

Wir haben eindeutige Beweise dafür, dass Huawei die entsprechenden Möglichkeiten hat, um auf vertrauliche und persönliche Informationen in Systemen zuzugreifen, die es weltweit betreibt und verkauft.

Robert O'Brien, Sicherheitsberater von Donald Trump

Deutschland und Großbritannien konnten mit diesen vermeintlich „eindeutigen Beweisen“ nicht überzeugt werden, zumal O'Brien es ablehnte, zu erklären, ob die USA das chinesische Unternehmen bei der Nutzung der Abhörschnittstellen beobachtet hätte oder woher die US-Regierung diese Informationen erhalten habe. Laut der Tageszeitung konnte O'Brien zudem keine weiteren Details zu den angeblichen Schwachstellen nennen.