Asus ExpertBook B9450FA im Test: Leistung und Akkulaufzeiten

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Nicolas La Rocco
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Während das Acer Swift 3 als Project-Athena-Notebook auf 10-nm-CPUs der Familie Ice Lake-U setzt, kommt beim ExpertBook B9450FA Comet Lake-U aus (mehrfach) optimierter 14-nm-Fertigung zum Einsatz. Mit vier Kernen und acht Threads bietet Comet Lake-U auf den ersten Blick die gleichen Eckdaten wie Ice Lake-U, doch die Basistakt- sowie Turbo-Taktraten liegen deutlich oberhalb derer von Ice Lake-U. Mit einer TDP von 15 Watt sowie cTDP-up von 25 Watt schnürt Intel das gleiche Korsett. Die Grafikeinheit fällt mit der Iris Plus aber merklich schneller bei Ice Lake-U aus und mit DDR4-3200 sowie LPDDR4-3733 wird modernerer Speicher unterstützt.

Obwohl Ice Lake-U leistungsfähigere Cores bietet, müsste Comet Lake-U mit deutlich höheren Taktraten der neueren Architektur enteilen – zumindest im ExpertBook ist das aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil sogar: Die Messwerte fallen häufig schlechter als mit dem zuletzt getesteten Acer Swift 3 aus. Dass parallel dazu der Lüfter des Notebooks flüsterleise bleibt, lässt bereits vermuten, was Asus mit der CPU angestellt hat.

Mehr als 10 Watt gibt es nicht ab Werk

Ab Werk betreibt Asus den Prozessor mit der von Intel definierten „Configurable TDP-down“ (cTDP-down) von gerade einmal 10 Watt. Das sind 5 Watt weniger als der Power-Level 1 (entspricht TDP) der CPU erlaubt und ebenso 5 Watt weniger als bei Ice Lake-U im Acer Swift 3. Das führt dazu, dass statt der maximal möglichen 4,90 GHz, die ohnehin nur für Bruchteile von Sekunden als Power-Level 2 anliegen, bei Dauerlast nicht mehr als 2,2 GHz als Mittelwert aller Kerne abgerufen werden können. Da verwundert es nicht, dass der Core i7-10510U bei Asus schlechter abschneidet als der Core i7-1065G7 bei Acer.

Hinweis: ComputerBase nutzt einen neuen Benchmark-Parcours für Notebooks, der die Anwendungen der CPU-Tests von ComputerBase übernimmt. Dies soll einer besseren Vergleichbarkeit unterschiedlicher CPUs und CPU-Architekturen dienen, hat derzeit aber zur Folge, dass vergleichsweise wenige Messwerte zur Verfügung stehen. Mehr Vergleichswerte stehen in älteren Notebook-Tests bis zum Acer Swift 3 zur Auswahl.

25 Watt gibt es (manchmal) im Turbomodus

Wie schnell das ExpertBook im Alltag läuft, wird über die vorinstallierte Software „MyAsus“ gesteuert, die ab Werk mit dem Lüftermodus „Automatisch“ läuft. Der Windows-10-Energiestatus ist während des Akkubetriebs standardmäßig auf „Mehr Akkueffizienz“ und mit Netzteil auf „Bessere Leistung“ eingestellt. In der Beschreibung des Lüftermodus „Automatisch“ heißt es: „Die Hochleistungseinstellung bietet eine erhöhte Lüftergeschwindigkeit für eine stärkere Kühlung.“ Ziemlich offensichtlich handelt es sich dabei um eine falsche Beschreibung, denn „Automatisch“ ist definitiv keine Hochleistungseinstellung, sondern ein Automatikmodus, der eben nicht die Höchstleistung abruft. Asus' Software hat ärgerlicherweise aber nicht nur mit falschen Beschreibungen, sondern auch mit funktionalen Bugs zu kämpfen.

Innere Aufbau des ExpertBook B9450FA
Innere Aufbau des ExpertBook B9450FA (Bild: Asus)

Für das Abrufen der Höchstleistung steht stattdessen das Profil „Turbo“ zur Auswahl, bei dem es heißt: „Die erhöhte Lüftergeschwindigkeit sorgt für bessere Kühlung und Leistung.“ Im Turbomodus nutzt Asus mit 25 Watt Verlustleistung exakt die cTDP-up und dreht die Lüfter voll auf, um eine gute Kühlung zu gewährleisten. Bei Dauerlast im Blender Benchmark pendelt sich die CPU-Temperatur zwischen 92 und 94 Grad Celsius ein. Statt der zuvor ermittelten 2,2 GHz liegen im Blender Benchmark 1.0 Beta 2 im Durchschnitt nun knapp über 3,0 GHz auf allen Kernen an. Die Benchmark-Ergebnisse profitieren davon enorm, wie über 50 Prozent bessere Werte im Cinebench R15 zeigen.

Das alles funktioniert aber nur dann, wenn Asus' Software die vorgegebenen Parameter korrekt übernimmt, was selten der Fall ist. Das ExpertBook ist ein Paradebeispiel für das Chaos verschiedener Leistungsprofile unter Windows 10. Das Betriebssystem selbst bietet drei Stufen, die Software von Asus drei weitere. Welche Einstellung von Asus der von Microsoft über- oder untergeordnet ist, geht aus „MyAsus“ nicht hervor. Dafür muss man im Besitz der technischen Dokumentation für Pressevertreter sein, in der es heißt, dass für den Turbomodus selbiger zunächst in der Asus-Software aktiviert, anschließend aber auch die Windows-Einstellung auf „Beste Leistung“ gestellt werden muss.

Notebook vergisst Einstellungen

Im Test war dieses Vorgehen allerdings nicht sofort und nicht immer von Erfolg gekrönt. Einmal sorgte erst ein von Asus nicht dokumentierter Neustart dafür, dass im Turbomodus tatsächlich 25 Watt cTDP-up genutzt wurden. Viele andere Male waren aber nicht mehr als 12 Watt möglich, was weder der cTDP-down noch der TDP oder cTDP-up entspricht. Als Anwender sitzt man nicht selten mit Fragezeichen vor dem Notebook, da nicht nachvollziehbar ist, welche Einstellung zu welchen Ergebnissen führt. Zuverlässig lief einzig die Werkseinstellung mit einer cTDP-down von 10 Watt. Der Turbomodus ist hingegen mit wechselndem Erfolg verbunden. In der Praxis wird vermutlich kaum ein technisch weniger versierter Anwender mit den verschiedenen Einstellungen spielen oder auf die Idee kommen, dass es diese überhaupt gibt. Darauf hingewiesen werden Nutzer nicht, sodass im Regelfall wohl nur das Automatik-Profil zum Einsatz kommen wird.

Leiser Modus mit bis zu 6 Watt cTDP-down

Darüber hinaus gibt es einen Modus „Leise“: „Diese Einstellung bietet eine ausgeglichene Leistung mit standardmäßiger Lüftergeschwindigkeit für einen leisen Betrieb.“ Auch hier fragt man sich, wer die Beschreibung verbrochen hat, denn warum sollte ausgerechnet im leisen Modus eine ausgeglichene Leistung mit standardmäßiger Lüftergeschwindigkeit anliegen? Gleich vorweg: Asus' Angabe ist erneut falsch. Im leisen Modus schwankt die cTDP-down bei Dauerlast im Blender Benchmark zwischen 6 und 10 Watt, während es im Automatikmodus immer 10 Watt sind. Leiser wird das standardmäßig ohnehin sehr leise Notebook dadurch nicht, nur langsamer, da nicht mehr als 1,5 GHz anliegen. Diesen Modus hätte sich Asus sparen können und die Kapazitäten besser auf die Fehlerbeseitigung der anderen Modi gerichtet.

MyASUS Software mit falschen Beschreibungen
MyASUS Software mit falschen Beschreibungen

Warum sich Asus nicht für einen leisen Modus mit 10 Watt (cTDP-down), einen ausgewogenen Modus mit 15 Watt (Power-Level 1, TDP) und einen Hochleistungsmodus mit 25 Watt (cTDP-up) entschieden hat, bleibt ein Rätsel.

Zwei schnelle SSDs von Samsung

All der Software-Querelen zum Trotz ist das ExpertBook im Office-Betrieb keinesfalls ein langsames Notebook, es läuft ab Werk jedoch deutlich unter Potenzial. Doch selbst ein auf 2,2 GHz gebremster Quad-Core-Prozessor sorgt im Office-Umfeld nicht für merklich langsamere Arbeitsschritte. Dazu tragen zum einen 16 GB LPDDR3-2133, aber mehr die zwei jeweils 1 TB großen SSDs von Samsung bei, die Asus glücklicherweise nicht im unsicheren RAID0 betreibt, sondern als zwei getrennte Laufwerke verbaut hat. Im formatierten Zustand stehen ab Werk 380 GB als Systempartition und 572 GB als Datenpartition (SSD 1) sowie 953 GB als zweite Datenpartition (SSD 2) zur Verfügung.

Zum Einsatz kommen zwei baugleiche Samsung PM981, die über PCIe 3.0 x4 angebunden sind. Die SSDs sind als Controller mit dem Polaris V2 bestückt und nutzen Samsungs V-NAND der vierten Generation (V4), hinter dem TLC-3D-NAND mit 64 Layern vermutet wird. Beim sequentiellen Lesen und Schreiben erreicht das ExpertBook ermittelt auf der ersten SSD mit über 3.400 MB/s respektive 2.400 MB/s sehr gute Messwerte.

Hervorragende Akkulaufzeiten

Die Werkseinstellung von maximal 10 Watt cTDP-down führt in Kombination mit dem 66 Wh großen Akku zu geradezu sensationellen Laufzeiten. Asus selbst spricht von bis zu 24 Stunden Betriebszeit, die laut offizieller Produktseite im MobileMark 2014 mit dem Benchmark Office Productivity bei 150 cd/m² Helligkeit ermittelt wurden. ComputerBase testet mit anspruchsvolleren 200 cd/m² und kam im neueren PCMark 10 Modern Office auf knapp 20 Stunden.

Beim YouTube-Streaming mit ebenfalls 200 cd/m² waren es über 22 Stunden.

Das Aufladen findet über ein kompaktes 65-Watt-Netzteil mit Abmessungen von 6,5 × 6,5 × 2,8 cm statt, das mit einem 90 cm langen, abnehmbaren Netzkabel in Richtung der Steckdose und mit einem 180 cm langen, nicht abnehmbaren USB-Typ-C-Ladekabel in Richtung des Notebooks ausgestattet ist. Der Ladevorgang ist über beide Thunderbolt-3-Buchsen möglich. Einen separaten Ladeanschluss wie zuletzt beim Swift 3 gibt es nicht. Die Schnellladefunktion erreicht 60 Prozent innerhalb von 40 Minuten.

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