VVC alias H.266: Designierter Nachfolger von H.265 erlangt Serienreife

Sven Bauduin 177 Kommentare
VVC alias H.266: Designierter Nachfolger von H.265 erlangt Serienreife
Bild: Sven Bauduin | CC BY-SA 3.0

Der designierte Nachfolger von HEVC alias H.265 hat die Serienreife erlangt und soll als Versatile Video Codec (VVC) alias H.266 übernehmen. Zukünftig soll VVC als hocheffizienter Standard für Videokompressionsverfahren fungieren und dabei eine um rund 50 Prozent niedrigere Bitrate als sein Vorgänger aufweisen.

Fraunhofer Institut finalisiert die Standardisierung

Wie das Fraunhofer Heinrich Hertz Institut (HHI) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben hat, konnte die Standardisierung des Versatile Video Codec (VVC) erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Dem Nachfolger der Videokompressionsstandards H.265 und H.264 bescheinigen seine Entwickler, der Höhepunkt ihrer eigenen Entwicklungsgeschichte zu sein, die zurück bis zu MPEG reicht.

This new standard offers improved compression, which reduces data requirements by around 50% of the bit rate relative to the previous standard H.265/High Efficiency Video Coding (HEVC) without compromising visual quality.

Fraunhofer Heinrich Hertz Institut (HHI)

Das vom JVET, dem vereinigten Experten-Team von MPEG und ITU entwickelte Video-Kompressionsverfahren VVC, zeitweise auch als Future Video Codec (FVC) bezeichnet, soll bei gleicher Bildqualität in etwa 50 Prozent effizienter als sein direkte Vorgänger HEVC komprimieren. Die ersten Implementierungen in Hardware sollen laut dem ursprünglichen Terminplan aber erst im Juli 2021 folgen.

5 GB Speicherplatz für 90 Minuten UHD-Material

Mit der Kompression des Versatile Video Codec soll ein 90-minütiger Spielfilm in UHD-Qualität zukünftig nur noch 5 GB Speicher statt bisher 10 GB benötigen.

For instance, the previous standard H.265/HEVC requires ca. 10 gigabytes of data to transmit a 90-min UHD video. With this new technology, only 5 gigabytes of data are required to achieve the same quality.

Fraunhofer Heinrich Hertz Institut (HHI)

Deshalb soll VCC vor allem für das noch immer eher schlecht verbreitete native 4K-/UHD-Material wichtig werden. Bis Auflösungen von 8K und mehr Standard werden, VCC ist für bis zu 16K ausgelegt, werden sicher noch einige Jahre vergehen.

VVC misst sich mit AV1 und Zukunftsvisionen

Mit dem AOMedia Video 1 (AV1) Verfahren erschien im Laufe des Jahres 2018 ein Video-Codec, der ebenfalls gute Kompressionsraten aufweisen kann und durch die Alliance for Open Media lizenzkostenfrei angeboten wird. Von den Initiatoren wird er als „der neue Video-Codec für das Internet“ bezeichnet.

VVC und AV1 werden zukünftig möglicherweise auch auf einen neuen und ebenfalls lizenzkostenfreien MPEG-Standard treffen, der sich zurzeit noch in der Entwicklung befinden soll.

Weitere Informationen zum Versatile Video Codec hat das Joint Video Exploration Team (JVET) auf der offiziellen Website des Projektes bereitgestellt.