Nvidia CMP HX: Dedizierte Mining-GPUs und eine Bremse für die RTX 3060

Jan-Frederik Timm
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Nvidia CMP HX: Dedizierte Mining-GPUs und eine Bremse für die RTX 3060
Bild: Nvidia

Nvidia will den Betreibern von Mining-Farmen für die mit GPUs erneut lukrativ zu berechnende Ethereum-Blockchain in Zukunft eine Alternative zu GeForce-RTX-Grafikkarten anbieten, „Crypto Mining Processor“ genannt. Dass das die Lage für GeForce RTX entspannt, muss bezweifelt werden. Der RTX 3060 könnte eine Treiber-Bremse helfen.

Die neue CMP-HX-Serie für Ethereum-Mining-Farmen

Vier Modelle hat Nvidia in der neuen CMP-HX-Serie angekündigt, die Interessenten über Partner wie ASUS, Colorful, EVGA, Gigabyte, MSI, Palit und PC Partner erwerben können. Schon vor Wochen waren Hinweise auf Mining-Varianten aufgetaucht, ein Hersteller hatte damals gegenüber ComputerBase erklärt keine weiteren Informationen zu haben, das Modell werde höchstwahrscheinlich von Nvidia durchgeschleust.

Die CMP-HX-Karten lassen Grafikausgänge vermissen und setzen auf ein Kühlsystem, das auch den dicht gepackten Betrieb mehrere Grafikkarten im Rack unter Volllast dauerhaft gewährleisten können soll. Die Effizienz der Grafikkarten sei hoch, weil die GPUs mit niedrigeren Spannungen und infolgedessen niedrigeren Taktraten betrieben werden können – der Ethereum-Algorithmus verlangt in erster Linie nach Speicherbandbreite.

Bilder der Modelle hat Nvidia noch nicht veröffentlicht, wohl aber rudimentäre Eckdaten. Mit laut Nvidia 86 MH/s liegt das Topmodell HX90 hinter einer GeForce RTX 3080, die es gemäß Minerstat bei identischer TDP auf 98 MH/s schafft, die größere RTX 3090 liegt sogar bei 121 MH/s. Eine höhere Effizienz für die Mining-Lösungen lässt sich daraus erst einmal nicht ableiten.

Es ist anzunehmen, dass zumindest bei den beiden großen Modellen die Ampere-Architektur die Basis bildet, aber auch dazu liegen keine Informationen vor. Ob hinter der Aussage „die GPUs können keine Grafik“ mehr steckt als nur der Verzicht auf Anschlüsse oder Einschnitte im Treiber, bleibt ebenfalls noch zu klären. Eventuell finden für CMP HX GPUs Verwendung, die die für GeForce RTX erforderlichen Taktraten gar nicht oder nur mit exorbitant hohem Verbrauch erreicht hätten.

Die ersten Modelle der CMP-HX-Serie
30HX 40HX 50HX 90HX
Hash Rate (Ethereum) 26 MH/s 36 MH/s 45 MH/s 86 MH/s
TDP 125 W 185 W 250 W 320 W
Stromanschlüsse 1x 8-pin 1x 8-pin 2x 8-pin 2x 8-pin
Speicher 6 GB 8 GB 10 GB 10 GB
Verfügbar ab Q1 Q1 Q2 Q2

Die GeForce RTX 3060 wird eingebremst

Eine hohe Effizienz und das auf den Einsatzzweck optimierte Kühldesign sowie potentiell geringere Kosten durch den Wegfall von Einzelhandelsverpackungen, (Zwischen)Handel und Garantie sollen die CMP-Serie lukrativ für Miner machen, auf der anderen Seite sollen die GeForce-RTX-Modelle an Attraktivität verlieren – zumindest die in Zukunft vorgestellten.

So stellt Nvidia für die am 25. Februar erwartete GeForce RTX 3060 in Aussicht, die Leistung in der Ethereum-Blockchain über den Treiber um 50 Prozent zu reduzieren. Für die bereits erhältlichen Modelle GeForce RTX 3090, 3080, 3070 und 3060 Ti plant der Hersteller das aber offensichtlich nicht. Ein solches Vorgehen wäre allerdings auch zum Scheitern verurteilt, denn ein Zwang zum Wechsel auf den langsameren Treiber besteht bei Grafikkarten grundsätzlich nicht.

Der Effekt auf GeForce RTX bleibt abzuwarten

Davon abgesehen bleibt abzuwarten, welchen positiven Effekt das Angebot der neuen CMP-HX-Serie auf die Verfügbarkeit und die Preise von Gaming-Grafikkarten der Serie GeForce RTX überhaupt hat. Sofern es sich um dieselben GPUs aus derselben Fertigung handelt, wird das Angebot an Grafikkarten in Summe nicht erhöht. Die Verwendung von Ausschuss würde das ändern.

Sollten die Vorteile der neuen Serie für Miner allerdings nicht derart gravierend sein, dass der Griff zu einer GeForce RTX ohne Treiber-Bremse wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, werden auch diese Modelle weiterhin gekauft. Mit Blick auf TDP und Hash Rate müsste auch ein gegenüber GeForce RTX deutlich reduzierter Preis Teil der Strategie sein. Das wiederum wirft die Frage auf, ob überhaupt so viele Chips zur Verfügung stehen, denn bereits dort herrscht neben weiteren Bauteilen und Komponenten Mangel.

Für die anstehende GeForce RTX 3060 könnte die Entscheidung wiederum wirklich einen positiven Effekt haben, solange sich die Bremse im Treiber oder der Firmware wirklich nicht umgehen lässt.

Update 19.02.2021 12:20 Uhr

Nvidias PR-Chef Bryan Del Rizzo hat auf Twitter klargestellt, dass die Crypto-Bremse der GeForce RTX 3060 „nicht nur ein Treiber-Ding“ sei, das potentiell umgehbar ist. Stattdessen sollen Treiber, GPU und BIOS über einen gesicherten Kanal dafür sorgen, dass die um 50 Prozent reduzierte Leistung im Ethereum-Algorithmus nicht durch einen manipulierten Treiber oder ein manipuliertes BIOS ausgehebelt werden kann. Das erklärt auch, warum erste Tests der für den 25. Februar erwarteten Grafikkarte ohne kompatiblen Treiber bereits die reduzierte Leistung gezeigt haben.